Große Morgenpost-Serie

Steuer 2011 - So holen Sie sich Ihr Geld zurück

Eine Steuererklärung lohnt sich: Nur wer kennt sich im Dschungel der Formulare und neuen Regelungen noch aus? Morgenpost Online gibt in der großen Steuer-Serie die besten Tipps, wie Sie Ihr Geld zurückholen können.

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Aufschieben bringt nichts: Jetzt Belege sortieren, Änderungen studieren – und früh Geld kassieren

Wer kennt den Gedanken am Morgen nicht: „Nur noch fünf Minuten im Bett bleiben!“ Der Wecker lässt sich Minute um Minute vertrösten. Bis die Zeit dann nicht mehr reicht, um noch ohne Hektik pünktlich zum Termin zu kommen.

Mit der Steuererklärung ist es nicht anders: Die meisten Steuerpflichtigen verschieben sie lieber bis zur Abgabefrist am 31. Mai. Oder sogar in Richtung Jahresende – denn wenn Steuerberater oder Lohnsteuerhilfevereine eingebunden sind, gilt erst der 31. Dezember als Ablaufdatum.

Oft ist es nicht nur reine Faulheit, die von der Steuererklärung abhält. Es ist auch gar nicht so leicht, bei all den Formularen und Änderungen in Rechtsprechung und Gesetzgebung den Überblick zu bewahren.

Morgenpost Online gibt ihren Lesern mit der Steuer-Serie jetzt eine Woche lang Tag für Tag wertvolle Tipps für die Orientierung im Steuerdschungel. Außerdem veranstaltet die Berliner Morgenpost am Sonnabend eine große Telefonaktion. Hier stehen Experten nur für Sie bereit – damit Sie jeden Kampf mit den Formularen gewinnen.

Gewappnet mit der Steuer-Serie von Morgenpost Online taugen nicht mehr viele Argumente, die Steuererklärung noch vor sich her zu schieben. Im Gegenteil: Es gibt drei weitere handfeste Gründe, weshalb Sie besser heute als morgen anfangen sollten. Erstens: Der Antrag auf Einkommensteuerveranlagung (so heißt die Steuererklärung im Finanzbeamtenjargon) kann bares Geld bringen. Durchschnittlich 863 Euro haben Berliner Steuerzahler im vergangenen Jahr vom Staat zurückerhalten. Zweitens: Das hektische Sortieren von Belegen, Studieren von neuen Regeln und Ausfüllen der Formulare zum Fristende hin fällt weg. Und drittens: Dann gibt das schlechte Gewissen Ruhe.

Ohne einige wichtige Belege zusammen zu haben, können allerdings selbst Frühaufsteher keine Steuererklärung machen. Doch viele müssen gar nicht eingereicht werden. Hier bietet das elektronische Steuerprogramm Elster einen echten Nutzwert: Füllt der Steuerzahler eine Zeile aus, die nach einem gesetzlich vorgeschriebenen Beleg verlangt, ploppt eine Ermahnung auf, das Original an die Finanzbeamten zu schicken. Etwa bei Jahressteuerbescheinigungen von Banken und Versicherungen.

Gerade viele Finanzinstitute verschicken die Belege aber jetzt noch nicht – bis zum 28. Februar dürfen sie sich Zeit lassen. Warten sollten eventuell auch Mieter und Eigentumswohnungsbesitzer – auf die Nebenkostenabrechung. In ihr sind regelmäßig die Posten „Hauswart“, „Gärtner“ oder „Reinigungskraft“ aufgeführt. Die erkennen Finanzbeamte als Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen an (morgen in der Steuer-Serie). Nicht als Ausrede gilt, noch auf die Heizkostenabrechung zu warten, weil man diese im Rahmen eines häuslichen Arbeitszimmers anbringen möchte. „Hier reicht es, die Abschlagszahlungen zu verwenden“, sagt Jeannette Olivie, Steuerberaterin von Ecovis in Berlin.

Sind alle Belege beisammen, sollte jeder Steuerzahler zudem noch die wichtigsten neuen Regeln kennen. Gerade erst hat der Bundesrechnungshof, die Finanzkontrollstelle für den Bund, bemängelt, dass sich die Zahl der Änderungen seit 2006 von durchschnittlich 7,5 auf zehn pro Jahr erhöht habe. Die wohl markanteste Änderung für die Einkommensteuererklärung ist die Anhebung des Arbeitnehmerpauschbetrags, also der steuerfreien Werbungskostenpauschale für Arbeitnehmer, von 920 auf 1000 Euro im Jahr.

Ausbildungskosten zurück holen

Außer dem Gesetzgeber haben auch die Finanzgerichte, allen voran der Bundesfinanzhof, ihren Beitrag zur Veränderung der Steuerregeln geleistet. Die obersten Finanzrichter in München haben sich im vergangenen Jahr vor allem durch ihre Entscheidungen zur Entfernungspauschale und zu den Reisekosten sowie zur Absetzbarkeit der Berufsausbildung hervorgetan (beides morgen, Teil II). Im Fall des Streits um Ausbildungskosten ist ein Musterverfahren zu der Frage anhängig, ob Studenten und Auszubildende die Kosten für ihre Ausbildung als vorweggenommene Werbungskosten von der Steuer absetzen können.

Um zu profitieren, müssen Betroffene in jedem Fall eine Steuererklärung machen – ein recht aufwendiger Weg. „Wer richtig Geld in seine Ausbildung steckt, sollte den Weg gehen und die Kosten als Verluste deklarieren“, sagt Wolfgang Wawro, Präsident des Steuerberaterverbands Berlin-Brandenburg. Das ist für die vergangenen vier Jahre möglich.

Verschoben hat die Finanzverwaltung die Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte. Das automatische Übermitteln von Steuer-Infos soll nun erst ab Januar 2013 laufen. In der für die Verwaltung komplizierten Umstellung liegt ein weiterer, vierter, Grund, den Antrag auf Einkommensteuererstattung rasch zu stellen: Finanzbeamte haben aktuell sehr viel zu tun. Erst vergangene Woche hat der Bundesrechnungshof dem Steuervollzug ein miserables Zeugnis ausgestellt: Zu viele Steuererklärungen würden, zum Schaden der Staatskasse, schlicht durchgewinkt.

Eine Sache sollte dennoch tabu sein: falsche Angaben. Damit fallen Steuerzahler erfahrungsgemäß allzuoft auf die Nase.

Das ist die große Steuer-Serie auf einen Blick

Teil1: Mit diesen Steueränderungen erhalten Sie einen Nachschlag vom Staat. Lesen Sie außerdem, was das Steuervereinfachungsgesetz wirklich bringt

Teil 2: So bekommen Arbeitnehmer Extra-Geld – diesmal nicht vom Chef, sondern vom Fiskus. Dazu: Profitieren Sie von den neuen Regeln zum Absetzen von Ausbildungskosten

Teil 3: Als verheiratetes Paar weniger Steuern zahlen . Am besten schon vor der Hochzeit richtig splitten und faktorieren, um ordentlich zu sparen

Teil 4: Familien mit Kindern unterstützt der Staat. Er greift finanziell bei Betreuung, Ausbildung und Co . unter die Arme. Wichtige Freibeträge und Grenzen

Teil 5: Im Ruhestand Steuern sparen: Rentner können mit legalen Tricks ihre Steuerlast drücken. Dazu: So honoriert der Staat Gesundheitsvorsorge

Teil 6 : Wie Selbstständige mit ihrer Steuererklärung profitieren . Plus: Schritt für Schritt – Ihre Steuererklärung ganz einfach zuhause am Computer

Teil 7 : Wie der Fiskus Sparer unterstützt. Und: Steuerexperten beantworten Ihre Fragen bei der Telefonaktion der Berliner Morgenpost

Teil 8 : Lesen Sie die Antworten der Steuerexperten auf die wichtigsten Fragen unserer Leser – das Ergebnis der großen Telefonaktion