Ausländische Patienten

In Berlin boomt der Gesundheitstourismus

Die Zahl ausländischer Patienten, die ihren Berlin-Trip mit einem Krankenhausaufenthalt verbinden, steigt. Vor allem bei Besuchern aus Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind Behandlungen in der Hauptstadt beliebt.

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Wenn ausländische Gäste nach Berlin reisen, ist immer öfter auch eine medizinische Behandlung der Grund. Laut Visit Berlin kamen 2011 mehr als 3500 Patienten, die sich stationär oder ambulant in Kliniken behandeln ließen. Gemessen an der Gesamtzahl von neun Millionen Berlin-Besuchern, mag diese Zahl gering erscheinen. Für Reiseexperten, die die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) befragte, zählt Medizintourismus in der Hauptstadt aber zu den größten Wachstumsfeldern bis 2015.

„Gesundheitstourismus ist ein Megatrend, in den wir viel stärker investieren müssen“, sagte Visit-Berlin-Chef Burkhard Kieker. Schon jetzt reisten 1,5 Millionen Besucher zu Medizinkongressen, allein 2012 sind über 20 Tagungen geplant. „Da ist Berlin Weltmarktführer“, so Kieker. Beim Buhlen um Gesundheitstouristen befinde Berlin sich im Auf- und Nachholprozess. Es geht um eine finanzstarke Klientel, um Scheichs aus Katar oder Dubai oder um reiche Russen: „Es sind Gäste, die länger bleiben, mehr Geld ausgeben und fast immer Familien, Freunde oder Angestellte mit in die Hauptstadt nehmen“, so Kieker. Während der klassische Berlin-Tourist 2,3 Tage übernachtet und täglich 99 Euro ausgibt, bleibt der Gesundheitstourist zwischen zehn und 14 Tagen und zahlt täglich 154 Euro.

Luxus ist gefragt

Große Anziehungskraft entfaltet laut Visit Berlin die Charité mit ihrer 300-jährigen Tradition. Allein 1000 Berlin-Besucher aus dem Ausland wurden in der Uniklinik medizinisch betreut, was einem Wachstum von 20 Prozent gegenüber 2010 entspricht. Auch das Deutsche Herzzentrum, seit je stark bei der Versorgung ausländischer Patienten, verzeichnet ein leichtes Wachstum. Dort betrug der Anteil ausländischer Patienten im vergangenen Jahr zwischen sechs und acht Prozent. Die meisten Gesundheitstouristen kommen derzeit aus Russland, einen großen Zuwachs verzeichnet Berlin bei Patienten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, aber auch Kranke aus Polen, Spanien oder Italien, reisen an.

In den Fokus rückt in diesem Zusammenhang der Krankenhauskonzern Vivantes. In den vergangenen Monaten wurde in gleich zwei Luxuskliniken, den Komfortkliniken in Mitte und Spandau, investiert. Nizar Maarouf, Vizechef der Sparte Vivantes International, wurde anfangs noch belächelt: 200 Betten im Luxussegment, Einzelzimmer mit Mini-Bar, Internet und Ausblick auf weitläufige Parkanlagen. „Die Zimmer kriegt ihr doch nie voll“, lautete einer der hämischen Kommentare. Doch die Investition scheint sich zu lohnen. Mehrsprachige Schwestern, Gebetsräume und auf Patienten abgestimmte Kost erreichen vor allem Araber. Wenn Scheichs oder hochrangige Politiker kommen, dann wollen sie Sicherheitspersonal und eigenes Personal in ihrer Nähe wissen – auch für sie ist bei Vivantes Platz. 2011 zählte der Konzern 1600 ausländische Patienten, vor allem Gäste aus den Arabischen Emiraten. Laut Maarouf werden derzeit für dieses Jahr schon Wartelisten geführt.

„Berlin brauchte nach dem Mauerfall einige Zeit, um sich zu sortieren“, so Kieker. Durch die Teilung der Stadt habe es auch bei Kliniken viele Doppelstrukturen gegeben. Ein Manko seien auch fehlende Fremdsprachenkenntnisse in den Krankenhäusern gewesen, ein weiteres der Mangel an direkten Flugverbindungen. „Arabische Gäste steigen nicht gern um“, sagt Kieker. Hoffnungen liegen auf dem neuen Flughafen in Schönefeld. Angebote im Wellness-, Reha- und Klinikbereich müssten noch öfter als Kombination angeboten werden.