Immobilien

Berliner kaufen sich ihre Hauptstadt zurück

Ganze Berliner Straßenzüge in der Hand von internationalen Finanzinvestoren: Dieses Schreckensbild gehört offenbar der Vergangenheit an. Eine Marktstudie zeigt: Käufer von Wohn- und Geschäftshäusern kommen inzwischen zu einem Großteil aus Berlin.

Foto: Christian Schroth

Aus einem aktuellen Bericht des Maklerunternehmens Engel&Völkers geht hervor, dass die Käufer der rund 2100 gehandelten Berliner Wohn- und Geschäftshäuser im Jahr 2011 mit einem Umsatz von rund 4,5 Milliarden Euro überwiegend aus dem Inland kamen und hauptsächlich sogar Berliner Privatpersonen waren.

„Es gab viele skandinavische, spanische und irische Investoren, die in der Immobilienhochphase 2006 gekauft und dann die Objekte für fünf Jahre finanziert haben“, so Rackham F. Schröder, Geschäftsführer von Engel & Völkers Commercial. Diese Investoren stünden jetzt vor der Entscheidung, entweder neue Kredite aufzunehmen – oder eben zu verkaufen. Das hat nun einen erstaunlichen Effekt zur Folge. „2006 waren 90 Prozent der Käufer von Mehrfamilienhäusern Ausländer“, so Schröder. 2011 sei es genau umgekehrt gewesen: 90 Prozent der Häuser gingen an deutsche Erwerber.

Als typisches Beispiel dieses Trends kann Patrick Alexander Graf von Faber-Castell gelten. Der Spross aus der berühmten Bleistift-Dynastie ist mit der Schauspielerin Mariella Ahrens verheiratet. „Wir leben bereits seit 2006 in Berlin. Meine Frau ist Berlinerin und hat mich damals schnell davon überzeugt, dass Berlin einer der spannendsten europäischen Orte überhaupt ist“, so Faber-Castell. „Die alte Kultur in Kombination mit dem großen Potenzial der Stadt haben mich ohnehin schon seit Langem begeistert“, ergänzt er. Im noblen Grunewald hat der Immobilienentwickler an der Delbrückstraße die ehemalige Sauerbruch-Klinik gekauft und einige der dort bestehenden Gebäude in Mehrfamilienhäuser umgewandelt sowie einen Neubau hinzugefügt. „Die Wohnungen wollen wir als langfristiges Investment halten“, sagt der Unternehmer. Er wolle ausschließlich vermieten und nicht verkaufen.

Die Neigung der neuen Eigentümer, ihre frisch erworbene Immobilie dauerhaft zu halten, hat auch Rackham Schröder von Engel&Völkers beobachtet. Er führt das deutlich gestiegene Interesse von vermögenden Privatinvestoren an Berliner Mietshäusern unter anderem auf die europäische Schuldenkrise zurück. Berlin gilt Anlegern als stabiler Markt. Dabei hätten, anders als in den Vorjahren, zunehmend auch zahlreiche besonders hochwertige Immobilien den Eigentümer gewechselt.

„In der Bleibtreustraße haben wir auf knapp 500 Metern zwischen Kurfürstendamm und Kantstraße allein fünf große Wohn- und Geschäftshäuser an private Investoren verkauft“, so der Immobilienexperte. Der Gesamtwert der Objekte habe bei rund 50 Millionen Euro gelegen. „Alle Käufer wollen die Immobilien langfristig halten“, betont Schröder.

Berlin ist der mit Abstand größte Wohn- und Geschäftshaus-Markt Deutschlands. Rund 128000 Häuser dieses auch „Zinshaus“ genannten Typs gibt es in der deutschen Hauptstadt. Ein klassisches Berliner Wohn- und Geschäftshaus – die meisten von ihnen um die Jahrhundertwende errichtet – verfügt über rund 1800 Quadratmeter Nutzfläche, wovon 20 Prozent – meist im Erdgeschoss durch eine Ladeneinheit – gewerblich genutzt werden. Durchschnittlich 18 Einheiten in Vorderhaus und Seitenflügel werden zu Wohnzwecken vermietet. Die Verkaufszahl von Wohn- und Geschäftshäusern im ersten Halbjahr 2011 waren nach Angaben des Gutachterausschusses für Grundstückswerte um fast ein Drittel gestiegen.

Interessant sind diese Häuser für Privatleute mit Vermögen oder hohem Einkommen, weil sie relativ erschwinglich sind. So kostete ein Durchschnittsobjekt 2010 rund 1,3 Millionen Euro. Aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage und des ebenfalls gestiegenen Mietniveaus waren es 2011 bereits 2,1 Millionen Euro. Eine Trendumkehr ist 2012 nicht in Sicht.