Weitere Brandstiftungen

Vier Personen durch Feuer im Hausflur verletzt

Die Brandanschläge in Berlin gehen weiter: In einem Keller in Pankow wurde Hausrat angezündet. In einem Kreuzberger Wohnhaus ging ein Kinderwagen in Flammen auf. Vier Personen erlitten dabei schwere Rauchgasvergiftungen.

Foto: Steffen Tzscheuschner

Skrupellose Brandstiftungen in Hausfluren und Treppenhäusern beschäftigen weiterhin die Behörden in Berlin. In der Nacht zu Sonnabend schlugen die Täter gleich zweimal zu. Dabei wurden vier Personen verletzt.

Entschlossenheit im Kampf gegen die ebenso heimtückischen wie gefährlichen Brandstifter zeigen nicht nur Polizei und Feuerwehr, auch die Justiz geht gegen überführte Tatverdächtige jetzt konsequent vor. Gegen einen 29-Jährigen, der im Sommer vergangenen Jahres neun Brände gelegt haben soll, ist jetzt Anklage erhoben worden. Und zwei weitere mutmaßliche Brandstifter müssen sich in der kommenden Woche in Moabit vor Gericht verantworten.

Von den beiden aktuellen Brandanschlägen waren zwei Mehrfamilienhäuser in Kreuzberg und Buch betroffen. Im Hausflur eines Wohngebäudes an der Wilmsstraße in Kreuzberg ging gegen 1 Uhr ein dort abgestellter Kinderwagen in Flammen auf. Ein Mieter bemerkte kurz darauf die starke Rauchentwicklung und alarmierte die Feuerwehr. Bei deren Eintreffen hatte sich dichter Qualm bereits im gesamten Treppenhaus und in einigen nahe dem Brandherd gelegenen Wohnungen ausgebreitet. In völliger Panik flüchteten vier Gäste einer Party, die in einer der Wohnungen gefeiert wurde, durch das Treppenhaus ins Freie. Dabei erlitten sie schwere Rauchgasvergiftungen und mussten von Rettungskräften in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Abneigung gegen Schwaben

Etwa zweieinhalb Stunden nach diesem Brand zündeten bislang unbekannte Täter im Keller eines Mietshauses an der Friedrich-Richter-Straße abgestellten Hausrat in Buch an. Auch dort wurden Mieter auf den Brand aufmerksam und alarmierten die Feuerwehr. Die konnte die Flammen löschen, bevor Menschen zu Schaden kamen. Anwohner hatten zudem unmittelbar nach Ausbruch des Feuers drei Jugendliche beobachtet, die das Haus fluchtartig verließen. Ob sie die Täter sind, wird jetzt im Rahmen der Ermittlungen geprüft. Bislang fehlt von ihnen allerdings noch jede Spur. In beiden Fällen aus der Nacht zum Sonnabend ermittelt ein Brandkommissariat des Landeskriminalamtes (LKA).

Weit fortgeschritten sind unterdessen die Ermittlungen gegen den 29-jährigen Maik D. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zwischen Juli und August 2011 in Prenzlauer Berg insgesamt neunmal in Hausfluren abgestellte Kinderwagen angezündet zu haben. Jetzt wurde gegen D. Anklage wegen schwerer Brandstiftung erhoben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Nach den Erkenntnissen der Ermittler nutzte der 29-Jährige für seine Taten den Umstand, dass er als Zeitungsausträger Schlüssel für die meisten Häuser in seinem Zustellbezirk besaß. Auf diese Weise gelangte er in die Hausflure und hinterließ dort nicht nur Zeitungen, sondern auch brennende Kinderwagen.

Bei seinen diversen Zündeleien wurden vier Wohnungsmieter zum Teil schwer verletzt. In einem Fall breitete sich das Feuer soweit im gesamten Haus aus, dass wichtige Gebäudeteile massiv beschädigt wurden. Unmittelbar nach einer Brandstiftung am 19. August 2011 in einem Mehrfamilienhaus an der Winsstraße wurde der 29-Jährige noch in Tatortnähe festgenommen. Wie Justizsprecher Martin Steltner am Sonnabend mitteilte, hat D. die ihm vorgeworfenen Taten inzwischen gestanden. Als Motiv habe er „Abneigung gegen Schwaben“ und eine allgemeine Unzufriedenheit mit seinem Leben angegeben, sagte Steltner. Der Prozess gegen Maik D. vor dem Landgericht Moabit soll Ende Januar beginnen.

Zwei weitere mutmaßliche Brandstifter müssen sich bereits in der kommenden Woche vor Gericht verantworten. Am Dienstag verhandelt ein Schöffengericht den Fall des 35-jährigen Andreas F. Der soll der Anklage zufolge am 25. September vergangenen Jahres Feuer in einem Mehrfamilienhaus in Charlottenburg gelegt haben. Die Flammen breiteten sich auf das gesamte Gebäude aus, 27 Bewohner mussten zum Teil unter Einsatz von Drehleitern und Fluchthauben von der Feuerwehr gerettet werden.

Drei Tote bei Brand in Neukölln

Am gleichen Tag sitzt auch Susanne H. auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft der 38-Jährigen vor, sie habe am 16. Juli 2011 versucht, zwei Mehrfamilienhäuser in Gesundbrunnen in Brand zu setzen. Dabei soll sie eigens hergestellte Molotow-Cocktails verwendet haben. In einem Fall konnten Hausbewohner den Brand löschen, im anderen Fall frühzeitig hinzugekommene Polizeibeamte. Auf die beiden Häuser soll es Susanne H. abgesehen haben, weil in ihnen ihr ehemaliger Lebensgefährte beziehungsweise dessen Eltern wohnten. Die Anklagebehörde geht von Rache und Eifersucht aus.

Vor allem zwischen März und Oktober 2011 kam es in Berlin zu einer ganzen Serie von Brandstiftungen in Treppenhäusern. Tragisch verlief ein Brand im März in einem Mehrfamilienhaus an der Sonnenallee in Neukölln. Eine junge Frau und zwei kleine Kinder kamen dabei ums Leben.