Geschwindigkeitsbeschränkung

Einige Tempo-30-Zonen schwer nachvollziehbar

Die Grünen fordern mehr Tempo-30-Zonen in Berlin. Bisher gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung auf rund 15 Prozent der Hauptverkehrsstraßen. An einigen Stellen sind sie jedoch schwer nachvollziehbar.

Foto: Christian Schroth

Der Vorsitzende des Berliner Anwaltsvereins, Ulrich Schellenberg, kritisiert die zurzeit diskutierte Ausweitung von Tempo-30-Zonen in Berlin. „Normen brauchen Akzeptanz“, sagte Schellenberg. An vielen Straßen könnten Autofahrer die unterschiedlichen Regelungen zu Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht mehr nachvollziehen. „Geschwindigkeitsbeschränkungen vor Schulen und Krankenhäusern und in Wohngebieten versteht jeder“, sagt Schellenberg. Selbst vorbildliche Autofahrer könnten aber nicht verstehen, wenn zum Beispiel auf der Clayallee in Zehlendorf, einer sechsspurigen Straße mit begrüntem Mittelstreifen, auf einmal Tempo 30 gelte und die Begrenzung ausgerechnet 20 Meter vor einem Fußgängerweg wieder aufgehoben werde.

Anwalt sieht Idee kritisch

„Am Ende werden selbst berechtigte Tempo-30-Zonen nicht mehr anerkannt“, sagte der Anwalt. „Das führt zu weniger Verkehrssicherheit als vorher.“ Die Einrichtung von Tempo-30-Zonen müsse koordinierter vonstatten gehen als es bislang in Berlin der Fall sei, kritisiert der Vorsitzende des Anwaltsvereins. Die Umweltschutzorganisation BUND und die Berliner Grünen hatten für deutlich mehr Straßen Tempo 30 gefordert , der ADAC Berlin-Brandenburg will die Hauptstraßen hingegen als „leistungsfähiges Kernnetz“ mit Tempo 50 erhalten.

Wie berichtet, gilt in Berlin inzwischen auf rund 15 Prozent der Hauptverkehrsstraßen Tempo 30. Das entspricht ungefähr 230 Kilometern des Straßennetzes. Davon sind 130 Kilometer ganztägig reduziert, auf 70 Kilometern gilt das Limit nur nachts aus Lärmschutzgründen. Auf 30 Kilometern gelten ebenfalls zeitliche Limits, aber hier aus Gründen der Verkehrssicherheit – zum Beispiel im Umfeld von Schulen und Kitas.

Ständig wechselnde Limits

„Ich habe Verständnis für eine Geschwindigkeitsbegrenzung vor Schulen, aber durch den Schilderwald entlang der Brandenburgischen Straße steigt keiner mehr durch“, sagt Taxifahrer Olaf Fuchs aus Charlottenburg. „Das nutzt die Polizei aus und baut die Blitzer pünktlich auf.“ Das Befahren dieser ungefähr zwei Kilometer langen Strecke von der Berliner Straße bis zum Stuttgarter Platz von Süden nach Norden sollte in der Tat mit Blick auf Uhr und Tachometer geschehen.

Besonders deutlich wird das im Bereich Brandenburgische Straße Ecke Berliner Straße: rund 50 Meter gilt hier zunächst Tempo 50. Danach gilt dann – von 22 Uhr bis 6 Uhr – Tempo 30. Ungefähr 70 Meter vor der Kreuzung Fehrbelliner Platz gilt für 400 Meter wieder Tempo 50 bis zur Konstanzer Straße. Direkt hinter der Kreuzung beginnt die Tempo-30-Zone für 100 Meter bis zur Zähringer Straße. Aber nur von 7 bis 18 Uhr. An diesem Abschnitt befindet sich eine Schule.

Problem Brandenburgische Straße

Ab der Zähringer Straße gilt Tempo 30 in der Zeit von 22 bis 6 Uhr wegen des Lärmschutzes. Das gilt auch bis zur direkten Einfahrt in den Tunnel, der unter dem Adenauerplatz hinwegführt. Im Tunnel gilt Tempo 50 bis zur Ausfahrt an der Lewishamstraße. Für wenige Meter muss dann Tempo 30 gefahren werden, ab der Mommsenstraße dürfen Autofahrer dann wieder Gas geben. Autofahrer, die in der Brandenburgischen Straße nicht durch den Tunnel fahren, müssen sich bis zur Duisburger Straße an das Tempolimit halten.

Ab dort gilt dann Tempo 50, mit einer kurzen Unterbrechung, bis zur Mommsenstraße. Wer in Richtung Fehrbelliner Platz unterwegs ist, der muss bereits mitten im Tunnel zwischen 22 und 6 Uhr vom Gas. Dann gilt auch dort Tempo 30. „Von wegen Lärmschutz“, sagt Irene Starke. „Tagsüber, wenn der Verkehr richtig dicht ist, ist es auch laut. Und nachts höre ich den Unterschied nicht.“ Sie wohnt an der Lewishamstraße kurz vor der Mommsenstraße.

Beispiele für Schilderwald und ständig wechselnde Geschwindigkeitsvorgaben gibt es viele. Häufig endet ein Tempo-30-Limit, das im Umfeld einer Schule eingerichtet wurde, rund 50 bis 70 Meter vor einer Ampelanlage. Mit Tempo 50 darf die Kreuzung passiert werden, wobei kurz dahinter ein 30er-Schild den Autofahrer erneut zum Abbremsen zwingt. So gesehen auf der Hohenstaufenstraße in Schöneberg, kurz vor der Martin-Luther-Straße in Richtung Pallasstraße. „Ich wurde neulich auf der Urbanstraße in Kreuzberg geblitzt“, sagt ein Taxifahrer. Ihm zufolge galt bislang zwischen 8 und 17 Uhr Tempo 30. „Das wurde bis 19 Uhr ausgedehnt.“