Tourismus

Berlin beliebtestes Silvesterziel der Deutschen

Auch wenn das Jahr noch nicht vorbei ist: 2011 kamen so viele Touristen nach Berlin wie noch nie. Der Rekordwert von 20,8 Millionen registrierten Übernachtungen in Hotels wird sicher übertroffen. Und auch Silvester ist die Stadt ausgebucht.

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Einzelne Hotelzimmer seien zwar noch zu haben, versichern die Betreiber der rund 770 Hotels, Pensionen, Hostels und anderen „Beherbergungsstätten“ der Stadt . Doch für viele ist das Geschäft schon gelaufen: „Wir sind ausgebucht“, heißt es bei vielen schon seit Tagen. Berlins Straßenränder sind zugeparkt mit Bussen aus dem nahen und fernen Europa, und zwischen Brandenburger Tor, Checkpoint Charlie und Alexanderplatz beschwört die Welt ebenso vielsprachig wie vorfreudig den Jahreswechsel in Berlin. Mehr Party als hier, so denken offenbar viele, geht nirgends.

Mindestens zwei Millionen Menschen sind über die Feiertage nach Berlin gekommen. Das sind eventuell sogar noch etwas mehr als vor einem Jahr, sagt Burkhard Kieker (51), der Chef der Berliner Tourismusmarketinggesellschaft Visit Berlin: „Damals wurden wegen des Winterwetters viele Flüge abgesagt, gefeiert wurde bei neun Grad minus.“

Moderate Temperaturen in der Silvesternacht

Diesmal sagen Meteorologen für die Silvesternacht moderate ein Grad plus voraus – und der Berlin-Vermarkter einen Besucherrekord. Nicht nur für Silvester, sondern fürs gesamte Jahr 2011. „Es waren in jedem Fall mehr als die rund 20,8 Millionen Übernachtungen in Hotels und Pensionen im Jahr 2010“, sagt Kieker. Schon 2010 war als Rekordjahr verbucht worden. Für 2011 ist die Zahl zwar noch nicht komplett ermittelt. Doch schon bis Ende Oktober hatten Berlins Gastgeber gut 19 Millionen offiziell registrierte Übernachtungen verzeichnet. Dazu kommen die zwei Millionen über die Feiertage, plus die Zahlen von November bis Weihnachten – der neue Rekord steht.

Beliebt ist Berlin zu Silvester vor allem bei Europäern. Die größte Gruppe stellen deutsche Touristen, gefolgt von Spaniern, Skandinaviern und Briten, sagt Kieker. Laut dem Internetvergleichsportal Check 24 ist Berlin das beliebteste Silvesterziel der Deutschen. Mit einem Anteil von 13 Prozent aller Hotelsuchanfragen liege die Hauptstadt deutlich vor Hamburg (fünf Prozent), Paris (vier Prozent). London folgt erst auf Platz zehn.

Lieblingsstadt der Touristen

Was macht Berlin zur Lieblingsstadt der Touristen? „Wir haben eben die größte Silvesterfete“, sagt Kieker selbstbewusst. Zudem habe die Stadt für jeden etwas zu bieten, „egal, ob Sie im Klub feiern wollen oder ein Orgelkonzert besuchen“. Berlin habe auch in Feierlaune etwas Beständiges. „Ein Fest muss eben auch gut organisiert sein – dafür stehen wir. Die Welt traut Berlin immer eine gute Party zu.“

Die Krise dagegen sieht Berlins oberster Tourismuswerber nicht als ausschlaggebend. Er nennt Zahlen: „Einerseits hatten wir zehn Prozent weniger italienische Gäste als im Vorjahr, dafür aber zehn Prozent mehr aus Spanien, obwohl dieses Land mehr unter der Krise leidet.“

Teures im Trend

Auch wenn Berlin für das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt sei, sagt Kieker, gehe der Trend im Tourismus in Richtung hochpreisiger Angebote. „Gerade unter den Fünfsterne-plus-Hotels haben manche an Silvester gar keine Einzelübernachtungen mehr im Angebot, sondern nur noch Arrangements. Sie bieten den Gästen über mehrere Tage kulturelle Führungen, Wellness, exquisite Menüs und besondere Veranstaltungen.“

So werden auch viele Gäste des „Hotel Adlon“ am Brandenburger Tor den Jahreswechsel nicht etwa auf der Festmeile begehen, auch wenn dort Hunderttausende Menschen das neue Jahr mit Party und Feuerwerk begrüßen. „Bei uns wird der traditionelle Silvesterball gegeben, viele Gäste bleiben im Haus“, sagt eine Sprecherin. Und was kommt nach der Party? Wird der Berlin-Boom im kommenden Jahr anhalten? Immerhin: Das Jubiläum zum 775-jährigen Bestehen Berlins wird Gäste anlocken, ebenso die Gerhard-Richter-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Der Flughafen BER, der im Juni 2012 eröffnet, soll neues Messe- und Kongresspublikum bringen. Kieker ist verhalten optimistisch. „Die wirtschaftliche Entwicklung in den Nachbarländern kann man momentan nur schwer vorhersehen.“