Neue Studie

Berlins Busse sind täglich 15.000 Minuten zu spät

Die Busse der Berliner Verkehrsbetriebe stecken immer häufiger im Hauptstadtstau fest: Pro Tag kommen so Verspätungen von insgesamt rund 15.000 Minuten zusammen. Was die großen Gelben noch ausbremst und eine Aussicht auf 2012.

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Die gelben Busse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) stecken immer häufiger im Hauptstadtstau fest. Durch Baustellen, Veranstaltungen, zugeparkte Busspuren und Straßensperrungen summieren sich die Verspätungen aktuell auf etwa 15.000 Minuten pro Tag. Das geht aus einer Analyse der Berliner Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) im Auftrag der BVG hervor. Die Ergebnisse der Untersuchung veröffentlichte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Anfrage der Verkehrsexpertin der Linken im Abgeordnetenhaus, Jutta Matuschek.

Zu den Verspätungsschwerpunkten im Busnetz zählen demnach die Baustelle an der Invalidenstraße, die Straßen zwischen Alexanderplatz und Reichstag, die Potsdamer Straße, die Tiergartenstraße, die Schloßstraße in Steglitz, die Fennstraße, die Karl-Marx-Straße, die Joachimstaler- und Lietzenburger Straße, Roseneck, Altglienicke und der Ortskern Pankow.

Verspätungen von bis zu 60 Minuten

Zu diesen regelmäßigen Engpässen kommen laut BVG täglich unterschiedliche Verspätungen von bis zu 60 Minuten – durch Falschparker, durch Müllfahrzeuge, Tagesbaustellen oder Demonstrationen. Den wirtschaftlichen Schaden, allein durch den Mehraufwand, beziffert die BVG auf jährlich etwa vier Millionen Euro. Hauptursache, so die Verkehrsbetriebe, seien schwindende Reserven im Straßenraum.

Im Klartext heißt das: Schon im Regelfall stehen – unter anderem durch die verstärkte Einrichtung von Fahrrad- und Mehrzweckspuren und die bewusste Verengung von Straßen – vielerorts weniger Fahrspuren für den Autoverkehr zur Verfügung. Werden Baustellen eingerichtet, wird es noch enger. Und, ärgerlich für die BVG: Busspuren fallen den Baustellen oft als Erstes zum Opfer.

Angegebene Bus-Takt oft reine Theorie

Auf vielen Innenstadt-Linien ist der im Fahrplan angegebene Bus-Takt reine Theorie. Weil Busse im Stau stehen und sich Verspätungen summieren, kommt es vielerorts zur berüchtigten Pulkbildung. Minutenlang müssen Fahrgäste auf den planmäßigen Bus warten, dann folgen dicht gedrängt mehrere Fahrzeuge derselben Linie.

Das schlägt sich auch in den statistischen Pünktlichkeitswerten der BVG nieder, die das Center Nahverkehr im Auftrag der Senatsverwaltung vierteljährlich veröffentlicht. Die Pünktlichkeit im Busbereich lag im dritten Quartal 2011 nur bei 84,6 Prozent. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 85,2 Prozent. Zum Vergleich: U-Bahnen der BVG fuhren zuletzt zu 98 Prozent pünktlich, Straßenbahnen zu 91,2 Prozent. Selbst die viel gescholtene S-Bahn kam im November trotz glitschigen Schienen, unerwartet vielen Krankmeldungen und mehreren Signal- und Weichenstörungen auf einen Pünktlichkeitswert von 92,9 Prozent.

Kaum Besserung in Sicht

Besserung ist indes kaum in Sicht. Denn die Zahl der Baustellen in Berlin ist auf Wachstumskurs, wie aus der VMZ-Analyse hervorgeht. Waren es im Jahr 2008 berlinweit noch 2254, wuchs die Zahl im vergangenen Jahr auf 2563 (plus 14 Prozent). Noch deutlicher nahm die Gesamtdauer der Bauarbeiten zu, von 28.412 Tagen im Jahr 2008 auf 43.923 Tage im vergangenen Jahr (plus 54 Prozent). Für das laufende Jahr erwartet die VMZ in der Bilanz eine weitere Steigerung der Baustellenzahl.

Immerhin: Der neue Verkehrssenator Michael Müller (SPD) will ein altes Problem nun angehen; die mangelnde Koordination der verschiedenen Bauarbeiten. Eine zentrale Stelle soll künftig dafür sorgen, dass wichtige Verkehrswege in der Stadt nicht mehr gleichzeitig durch mehrere Baustellen lahmgelegt werden.

Bauarbeiten im U-Bahn-Netz

Gebaut wird aber nicht nur auf den Berliner Straßen. Auch im U-Bahn-Netz der BVG rücken kurz nach dem Jahreswechsel gleich auf mehreren Linien wieder die Bauarbeiter an. Für die Fahrgäste heißt das: Sie müssen bei Pendelverkehr häufiger den Zug wechseln oder auf gesperrten Abschnitten in Ersatzbusse umsteigen. Die Fahrzeiten verlängern sich dadurch teilweise deutlich. Betroffen sind die Linien U6 (Alt Tegel–Alt Mariendorf), U7 (Rathaus Spandau–Rudow) und U2 (Pankow–Ruhleben).

Auf der U6 lässt die BVG vom 2. Januar 2012 an die maroden Decken im Bahnhof Mehringdamm sanieren. Bis zum 27. April fahren deshalb in den Abend- und Nachtstunden zwischen den Stationen Hallesches Tor und Platz der Luftbrücke nur Pendelzüge. Fahrgäste müssen an diesen Bahnhöfen umsteigen. Gependelt wird jeweils sonntags bis donnerstags von 22 bis 3.30 Uhr. Einzige Ausnahme: Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag ruhen die Bauarbeiten. Dann fahren die Züge nach BVG-Angaben planmäßig.

Busse als Ersatz für Linie U 7

Tunneldecken und Gleise werden im gleichen Zeitraum, 2. Januar bis 27. April 2012, auf der Linie U7 saniert. Weil die Arbeiten bei laufendem Betrieb unmöglich wären, wird der Streckenabschnitt zwischen den Stationen Möckernbrücke und Hermannplatz für fast vier Monate sonntags bis donnerstags von 22 bis 3.30 Uhr voll gesperrt. Als Ersatz für die U-Bahn setzt die BVG dort Busse ein.

Und einmal mehr treffen Bauarbeiten auch die Fahrgäste auf der U-Bahn-Linie 2, die nach monatelanger Sanierung am Gleisdreieck erst seit wenigen Wochen wieder durchgängig befahren wird. Jetzt wird erneut gesperrt, diesmal auf dem Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Märkisches Museum und Stadtmitte. Vom 5. bis zum 9. Januar 2012 fahren dort nur Ersatzbusse. Grund für die Vollsperrung sind nach Angaben der BVG Instandhaltungsarbeiten an den Weichen. Auch auf dieser viel genutzten Linie durch die Innenstadt müssen Fahrgäste deshalb auf Ersatzbusse umsteigen.