Brandstiftung

Feuer im Bethanien offenbar vorsätzlich gelegt

Die Berliner Polizei vermutet, dass das Feuer in einem alternativen Wohnprojekt am Kreuzberger Bethaniendamm von Brandstiftern gelegt wurde. Wichtiges Indiz: Es hatte zeitgleich im Keller und im Treppenhaus gebrannt. Zwölf Menschen wurden dabei am 25. Dezember verletzt.

Foto: Steffen Pletl

Das Feuer auf dem Gelände des Künstlerhauses Bethanien in Kreuzberg ist offenbar vorsätzlich gelegt worden. Die Kriminalpolizei geht von Brandstiftung aus, da sie bei ersten Untersuchungen zwei Stellen gefunden hat, an denen das Feuer nahezu zeitgleich ausgebrochen war. Aus dem Wohnhaus neben dem Kulturzentrum am Bethaniendamm wurden am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages 26 Menschen vor den Flammen gerettet, wie die Feuerwehr mitteilte. Zwölf Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. 120 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Das Feuer war gegen 6.45 Uhr ausgebrochen. Als die Feuerwehr kurz darauf mit acht Einsatzstaffeln an der Brandstelle eintraf, fanden die Helfer chaotische Zustände vor. Nach Berichten der Retter rannten Bewohner in Panik vor dem brennenden Gebäude umher, andere standen an den Fenstern und riefen um Hilfe. Binnen kurzer Zeit breitete sich Qualm auf allen Etagen aus. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich zahlreiche Bewohner in dem Gebäude, unter ihnen auch Gäste und Kleinkinder. Wie viele Menschen sich genau in dem Gebäude aufhielten, konnten Polizei und Feuerwehr nicht sagen.

Keller-Party an Heiligabend

Normalerweise leben 40 Menschen in dem Haus, sie hatten aber zu Weihnachten zahlreiche Gäste. Den Heiligabend hatten sie gemeinsam im Keller gefeiert. Insgesamt rettete die Feuerwehr 26 Menschen, wie ein Sprecher mitteilte. „Zwei Personen sind in Panik aus dem Fenster des ersten Stocks gesprungen“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. „Beide erlitten dabei schwere Verletzungen, darunter mehrere Knochenbrüche. Zehn Personen mussten mit Rauchgasvergiftungen in ein Krankenhaus gebracht werden.“ Die Menschen, die noch im Haus waren, wurden mit Drehleitern gerettet oder durch das Treppenhaus aus dem Gebäude geholt.

„Ich habe von dem Feuer anfangs überhaupt nichts mitbekommen, da ich früh unter der Dusche stand“, sagte ein Mieter des Brandhauses. „Als ich aus der Dusche kam, war alles verqualmt. Ich habe mir nur noch schnell eine Hose angezogen, und dann hat mich die Feuerwehr durch das verqualmte Treppenhaus ins Freie gebracht.“ Auch ein Sprungpolster war vorsorglich aufgebaut worden. Das nutzte aber keiner der Mieter. Nach ungefähr zwei Stunden hatte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle.

Feuer an zwei Stellen begonnen

Das Feuer hatte nach ersten Angaben an zwei Stellen begonnen, im Keller und im Treppenhaus. „Das deutet auf mögliche Brandstiftung hin. Es ist sehr ungewöhnlich, dass ein Feuer an mehreren Stellen zeitgleich ausbricht“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Im Keller habe Gerümpel gebrannt, der Brandherd im Treppenhaus sei eine Matratze gewesen. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf Wohnungen verhindern. Nur kurze Zeit, nachdem das Feuer gelöscht war, übernahm das Brandkommissariat die Ermittlungen. Am Sonntagmittag übernahmen Beamte der Kriminalpolizei die Spurensicherung. Sie sicherten die Brandreste in Keller und Treppenhaus und prüfen nun, ob der mögliche Täter Brandbeschleuniger benutzt hat. Beamte der Spurensicherung untersuchten auch die Umgebung des Hauses nach Spuren. Am Montag lagen noch keine Ergebnisse vor. „Das kann noch Tage dauern“, sagte ein Polizeisprecher.

Nach der Brandkatastrophe versammelten sich die Bewohner des alternativen Wohnprojektes. Feuerwehrleute verteilten Decken zum Schutz vor Kälte und Nässe. Zusätzlich hatte die Feuerwehr einen Bus zur Verfügung gestellt, in dem sich die Mieter aufwärmen und heißen Tee trinken konnten. Auch ein Notversorgungszelt war aufgebaut, in dem erste Hilfe geleistet wurde.

„Nach einer ersten Sichtung ist die Bausubstanz des mehr als 160 Jahre alten und sehr massiven Hauses in Ordnung“, so die Einsatzleitung. „Einsturzgefahr besteht nicht.“ Dennoch hat das Feuer erhebliche Schäden angerichtet. Zahlreiche Fensterscheiben gingen zu Bruch, die elektrischen Leitungen wurden weitestgehend zerstört. Notdienstmitarbeiter der Energieversorger waren vor Ort und machten sich ein Bild von der Lage. In einzelnen Fällen konnten die gesperrten Leitungen wieder in Betrieb genommen werden.

Mieter kehren in Wohnungen zurück

In manchen Wohnungen ist nach Feuerwehrangaben großer Schaden entstanden – durch Rauch und Löschwasser. Trotzdem kehrten gegen 11 Uhr am Sonntagvormittag erste Bewohner in ihre Wohnungen zurück. Einige von ihnen packten aber auch nur ein paar Sachen zusammen und verließen den Unglücksort.

„Ich ziehe für ein paar Tage zu Freunden“, sagte eine Bewohnerin. „Dann werden wir sehen, was von der Versicherung ersetzt wird. Meine Wohnung stinkt unerträglich nach Rauch. Da hilft nur eine Komplettrenovierung.“ Gegen Mittag konnten Polizei und Feuerwehr auch die Straßensperrung wieder aufheben. Der Bethaniendamm war wegen der Rettungsarbeiten in Richtung Köpenicker Straße für den Fahrzeugverkehr gesperrt worden.