34. Taizé-Treffen

30.000 Jugendliche pilgern nach Berlin

Am Mittwoch beginnt das Taizé-Jugendtreffen in Berlin. 30.000 Besucher aus aller Welt werden erwartet. Die rund 1500 Helfer befinden sich in der heißen Phase der Vorbereitung.

Foto: David Heerde

Sie sind müde, völlig übernächtigt, aber die Fröhlichkeit haben sie mit im Rucksack zwischen Isomatte und Schlafsack: Die jugendlichen Helfer aus aller Welt, die mithelfen wollen, dass das 34. Europäische Taizé-Jugendtreffen ab Mittwoch ein Erfolg wird. Gegen acht Uhr sind die ersten Jugendlichen am zweiten Weihnachtsfeiertag bei Nieselregen auf dem Berliner Messegelände unweit der Deutschlandhalle eingetroffen. „How are you?“ ruft Bart (24) einem Bekannten zu. Einige kennen sich bereits von früheren Treffen.

Der Holländer ist zusammen mit Chris (21), Ebat (18) und Ania (23) über Utrecht, Rotterdam, Amsterdam und andere Stationen angereist. Zehn Stunden waren sie insgesamt unterwegs, bevor der Bus sie in Berlin absetzte. So unterschiedlich ihre Biografien sind – Bart studiert noch und will einmal Krebsforscher werden, Chris studiert Wirtschaft und Ebat ist Lastwagenfahrer – sie alle verbindet ihr Glaube, ihre Freundschaft und ihr Interesse für den „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde in Berlin“, wie das Motto des Treffens überschrieben ist. „Die Pilgerreise ist für beide Seiten nicht ganz einfach. Die Gastgeber vertrauen uns, wenn sie ihr Haus öffnen. Und wir vertrauen ihnen, wenn wir dorthin gehen“, sagt Bart. Alle haben bereits „wunderbare Erfahrungen“ mit dieser Art von Austausch gesammelt.

30.000 Jugendliche aus aller Welt werden am Mittwoch dazu in der Hauptstadt erwartet. Die größte Gruppe wird mit 6000 Teilnehmern aus Polen erwartet, jeweils 2000 kommen aus Frankreich, Italien, Kroatien und der Ukraine. Sogar Japan, und Australien sind vertreten. Um alle zu begrüßen, sind die Helfer – insgesamt 1500 – zwei Tage vorher eingetroffen. Zu Gast sind sie in 160 Kirchengemeinden. Tausende Familien haben bereits einen warmen Platz für die Isomatte und den Schlafsack versprochen. Doch nur etwa zwei Drittel werden privat unterkommen, aber es gibt Sammelunterkünfte in Schulen, Gemeinden und Sporthallen. Mit der Ankunft der 1500 jungen Leute sind die Vorbereitungen für das 34. Europäische Taizé-Jugendtreffen am Montag in die letzte Phase eingetreten. Willkommen, Bienvenidos, Benvenuti, Isten Hozott …. Mit Begrüßungsschildern im Südeingang der Messe werden die unterschiedlichen Nationalitäten zu ihren Gruppen geleitet, wo es Informationen gibt.

Helena Norberg (26) war fast 15 Stunden mit dem Bus aus Schweden unterwegs und freut sich erst einmal auf das gemeinsame Mittagsessen und das Gebet. Die Bibelstellen werden in vielen verschiedenen Sprachen gesprochen werden, mindestens einmal soll jeder aber auch seine Muttersprache hören. Die Kroatin Karolina (27) begrüßt die Helfer aus Serbien und Kroatien, die gerade mit dem Bus angekommen sind. Die Unterschiede sind hier wohl längst kein Grund mehr zur Feindschaft. Luca (21), serbischer Student in Wien, sagt, dass es für die jungen, gebildeten Menschen so gut wie keine Vorbehalte mehr gebe. Höchstens noch bei den älteren Menschen in den Kriegsgebieten Ost-Kroatien und Süd-Serbien. Für die Jugend sei es keine Frage, miteinander tolerant umzugehen. „Ich bin gespannt, ob wir den Geist von Taizé nach Berlin bringen können, offen für alles sein, alles teilen und über unsere Ängste und Hoffnungen sprechen“, sagt auch Dusan (21), der in Belgrad physikalische Chemie studiert.

Organisiert wird das große Treffen von und für Jugendliche einmal im Jahr von der ökumenischen Gemeinschaft aus dem französischen Ort Taizé. Schon längst ist der Ort in Burgund mit dem Kloster Symbol der christlichen Bewegung geworden. Alle sind willkommen. „Wir wollen offen bleiben, uns nicht abschotten“, berichtet Bruder Richard. Die Brüder seien Christen, als Gäste seien in Taizé aber alle willkommen, beispielsweise auch Muslims oder jüdische Gläubige. In der dortigen Kloster-Gemeinschaft leben rund 100 Brüder aus mehr als 25 Ländern.

Wichtige Erfahrungen gesammelt

Die Gemeinschaft ist regelmäßiger Treffpunkt für Jugendliche aus der ganzen Welt. Die meisten bleiben eine Woche oder einige Monate, maximal sollen es zwei Jahre sein. So wie Isabell (19) aus Bochum, die dort eine Woche verbrachte und Menschen aus aller Welt, aus Chile, China, Tansania kennen lernte. „Es war wirklich toll, gemeinsam Erfahrungen zu sammeln und über die Glaubensgründe zu sprechen“, sagt sie. Weil viele junge Leute nach ihren guten Erfahrungen in Taizé jedoch am liebsten ganz dort bleiben würden, entstand bei den Brüdern im Kloster die Idee, die jungen Menschen an die Hand zu nehmen und in Form eines großen Treffens in ihre Heimatländer „zurückzubegleiten“. Seit 1978 veranstalten sie jedes Jahr Jugendtreffen in einer europäischen Großstadt. Das erste fand in Paris statt, im vergangenen Jahr trafen sich die Jugendlichen in Rotterdam. Bruder Han-Yol (49) aus Korea gehört dem Kloster bereits seit 23 Jahren an. Er ist seit drei Monaten zur Vorbereitung in der deutschen Hauptstadt.

In Berlin ist Taizé nicht zum ersten Mal. 1986 versammelten sich 6000 Jugendliche mit dem Gründer des Klosters Frere Roger (1915–2005) ein ganzes Wochenende in Ost-Berlin. Die DDR-Behörden erlaubten dies aber nur unter der Auflage, dass niemand aus dem Westen teilnehme. So kommt es nun zum ersten wirklich europaweiten Taizé-Treffen in Berlin. An den fünf Vormittagen treffen sich die Teilnehmer in den Kirchengemeinden. Abends versammeln sie sich zu Gebeten und Gesängen in den Messehallen.