Humboldtforum

Im Frühjahr wird auf dem Schloßplatz gebaggert

Der Bund und das Land Berlin haben den Vertrag für das Stadtschloss in Mitte unterzeichnet. Damit wird das größte Kulturbauvorhaben nach der Wende tatsächlich errichtet. Etwaige Mehrkosten trägt der Bund. Startschuss ist im Frühjahr 2012.

Foto: Stiftung Berliner Schloss Humboldtforum

Das Humboldtforum in Gestalt der 1950 gesprengten Hohenzollern-Residenz ist ab sofort kein Luftschloss mehr. Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) und der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz haben den Vertrag zum Bau des Schlosses unterzeichnet. In der Finanzierungsvereinbarung ist nicht nur verbindlich geregelt, wer bei dem Mammutprojekt welche Kosten zu tragen hat. Zugleich wurde auch vereinbart, dass die erste Rate des Landes Berlin in Höhe von zwölf Millionen Euro noch in diesem Jahr fließen soll. Damit kann der Bau des Schlosses schneller beginnen als zunächst geplant.

„Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses kommt in großen Schritten voran“, sagte Minister Ramsauer nach der Vertragsunterzeichnung. „Die Stiftung als Bauherrin hat heute von uns einen Zuwendungsbescheid über 21 Millionen Euro bekommen“, so Ramsauer am Donnerstag. Damit stünden die Mittel für die 2012 anfallenden Baukosten jetzt bereit.

In den 21 Millionen Euro, die der Minister der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum in den kommenden Tagen überweist, ist die erste Überweisung des Landes Berlin bereits enthalten. Berlin hat einen Anteil von 32 Millionen Euro an dem Bauvorhaben vertraglich zugesichert. Diese Summe soll nun in mehreren Raten ausgezahlt werden. Nach den ersten zwölf Millionen Euro in diesem Jahr soll im ersten Quartal 2013 eine zweite Überweisung in Höhe von fünf Millionen Euro folgen, 2014 sind zehn Millionen fällig, und zuletzt sollen 2015 noch einmal fünf Millionen Euro bereitgestellt werden.

Archäologisches Fenster am Portal

Mit dieser ersten Rate für das Schloss werden nun zunächst die Ausführungsplanung und die umfangreichen bauvorbereitenden Maßnahmen am Schloßplatz in Mitte finanziert. Diese müssen dringend schon im kommenden Jahr erfolgen, weil unter dem Schloßplatz 2013 mit dem Bau des U-Bahn-Tunnels für die Linie 5 begonnen wird. Im Frühjahr sollen die ersten Bagger rollen. Diese vorgezogenen Baumaßnahmen beinhalten die Bodenverdichtung, die Errichtung von Spundwänden und die Erstellung einer Betonsohle auf der gesamten Fläche des Gebäudes. Auch auf das „Archäologische Fenster“ kommt ein Betonsockel. Dieser Bereich unter dem prächtigen Eosander-Portal wird später begehbar sein und einen Blick auf die originalen Fundamente und Kellergewölbe des Schlosses ermöglichen.

Die Grundsteinlegung soll im April 2013 erfolgen. „2014 werden wir dann mit dem Hochbau beginnen“, so Manfred Rettig von der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum. Von 2012 an verantwortet die Stiftung als Bauherrin das Projekt in vollem Umfang.

Der Haushaltsausschuss hatte im Juli Gesamtkosten von 590 Millionen Euro bewilligt – und damit 38 Millionen mehr als ursprünglich geplant. In dieser Summe sind sowohl der Beitrag des Landes Berlin in Höhe von 32 Millionen Euro enthalten als auch die 80 Millionen, die durch Spenden für die historische Fassade noch zusammenkommen müssen. Land und Bund stellen der Stiftung darüber hinaus für das Projekt ihre Grundstücke kostenfrei zur Verfügung. „Ich bin froh, dass der Vertrag unterschrieben ist“, so Kulturstaatssekretär Schmitz, der für Berlin unterzeichnet hat. „Berlin geht in Vorleistung und zeigt damit, dass wir zum Bau des Humboldtforums stehen“, so Schmitz. Damit sei das größte Kulturbauvorhaben nach der Wende unumkehrbar geworden.

Die Bundesregierung hatte das Schloss 2010 im Zuge ihres Sparpakets vorübergehend verschoben. Im Sommer 2011 gab der Haushaltsausschuss des Bundestags endgültig grünes Licht für den Wiederaufbau. Bund und Land verpflichten sich in dem siebenseitigen Vertragswerk nun jedoch, das zügig zu realisieren.

Auch der Abschluss der Bauarbeiten wurde vereinbart. „Die bauliche Fertigstellung ist zum Ende des Jahres 2018 geplant“, heißt es. Die Eröffnung des Humboldtforums könnte ein Jahr später erfolgen – so lange dauert es, bis die Nutzer des Gebäudes mit einer Nutzfläche von rund 40.000 Quadratmetern bezogen haben.

Mehrkosten trägt der Bund

Dass Berlin und der Bund sich noch so kurz vor Weihnachten auf ein Finanzierungskonzept geeinigt haben, hat selbst die Experten überrascht. Bis zuletzt war heftig um die Frage gestritten worden, wer für die Folgekosten zahlen soll. So hatten sich Bund und Berlin zwar frühzeitig darauf geeinigt, dass Berlin nur für die Bewirtschaftung und Instandhaltung der von ihnen selbst genutzten 5000 Quadratmeter im Schloss aufkommen müsse. „Doch natürlich hatte Berlin die Sorge, dass der Bund mit seinem wesentlich größeren Anteil am Haus bestimmt, wie und in welcher Weise diese Instandhaltung dann aussehen soll“, so ein mit den Vertragsverhandlungen vertrauter Bauexperte. Auch die Befürchtung, im Falle von Finanzierungslücken – etwa bei weiter steigenden Baukosten oder beim Ausbleiben von Spenden – Mehrkosten mitstemmen zu müssen, ist nun ausgeräumt. Im Vertrag ist ausdrücklich geregelt, dass Berlin diese nicht mittragen muss.

Geschichte einer Rekonstruktion

2001 - Eine Expertenkommission schlägt den Nachbau des Stadtschlosses mit barocken Fassaden vor. Der Palast der Republik soll abgerissen werden. Im Schloss soll das „Humboldtforum“ mit Museum, Bibliothek und Veranstaltungsbereich entstehen.

2003 - Der Bundestag bestätigt seinen Willen zum Wiederaufbau des Stadtschlosses.

2006 - Der Abbruch des Palastes der Republik beginnt und dauert bis 2008.

2007 - Der Haushaltsausschuss des Bundestags gibt grünes Licht für den Schloss-Bau. Er darf nicht mehr als 552 Millionen Euro kosten. Von 2010 bis 2013 soll gebaut werden.

2008 - Der Architekt Franco Stella gewinnt den Wettbewerb.

2010 - Die Bundesregierung verschiebt den Baubeginn von 2011 auf 2014. Der erste Spatenstich erfolgt 2013.

2011 - Im Juli beschließt der Haushaltsausschuss des Bundestags den Kostenplan. Wegen der Teuerung im Baugewerbe soll es jetzt 590Millionen Euro kosten. Am 22. Dezember wird der Finanzierungsvertrag zwischen Bund und Berlin geschlossen.