Plagiatssoftware

Schultrojaner sollen in Berlin draußen bleiben

Eine spezielle Software soll in Schulen Plagiate aufspüren. Lehrerverbände wollen jedoch eine Alternative zum Schultrojaner. Die SPD rät wiederum zu einer Internetplattform für Unterrichtsmaterialien.

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In Berlin wie auch in den anderen Bundesländern soll vorerst keine Plagiatssoftware eingesetzt werden, um illegal digitalisierte Kopien von Schulbüchern aufzuspüren. Darauf haben sich die Kultusminister mit den Schulbuchverlagen geeinigt. Für 2012 ist die Durchsuchung von Schulservern nach unerlaubten Kopien mit Hilfe sogenannter Schultrojaner damit vom Tisch.

Nun geht es darum, nach Alternativen zu suchen. Dabei sollen die Lehrerverbände beteiligt werden. Die Vorsitzende der Berliner Lehrergewerkschaft GEW, Sigrid Baumgardt, begrüßte die Entscheidung, betonte aber, dass das Urheberrecht von Autoren und Schulbuchverlagen auch in der Schule eingehalten werden müsse. „Die Fragen des Urheberrechts sind ein Problem“, sagte sie. Die Lehrer müssten diesbezüglich besser aufgeklärt werden. Baumgardt forderte, diese Aufklärung zum Bestandteil der Lehrerausbildung zu machen. Jede Schule sollte zudem eine entsprechende Reglung treffen, an die sich die Lehrer halten können, sagte sie.

Der netzpolitische Sprecher der SPD, Sven Kohlmeier, sagte, dass eine Software zur Überprüfung der Schulserver nur dann zum Einsatz kommen könnte, wenn datenschutzrechtliche Bedenken eindeutig ausgeräumt sind. Das werde so schnell nicht der Fall sein. Kohlmeier schlägt vor, eine Internetplattform für Unterrichtsmaterialien einzurichten. „So könnte es möglich werden, dass von Lehrern erarbeitete Unterrichtsmaterialien unter einer freien Lizenz anderen Schulen und Lehrern zur Verfügung und Bearbeitung gestellt werden“, sagte er.

Der medien- und netzpolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar, bezeichnete das vorläufige Aus der Schultrojaner als einen ersten Etappenerfolg. Bedenken bezüglich der Rechte der Beschäftigten und offene Datenschutzfragen hätten diesen Schritt dringend erforderlich gemacht, sagte er. Gelbhaar forderte, das Projekt der Plagiatssoftware erneut zu prüfen.

Grundlage der geplanten elektronischen Kontrolle von Schulservern ist der „Gesamtvertrag zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen“, den die 16 Bundesländer sowie verschiedene Verwertungsgesellschaften und Schulbuchverlage Ende 2010 unterzeichnet haben. Damit war unter anderem vereinbart worden, dass höchstens zwölf Prozent oder 20 Seiten eines Buches kopiert und auf Papier zu Unterrichtszwecken weitergegeben werden dürfen. Für digitale Kopien wurden noch strengere Bestimmungen festgelegt.