Unfall

Tod im Fahrstuhlschacht - Polizei ermittelt

Ein 67 Jahre alter Zahnarzt wollte den Aufzug in seinem Wohnhaus in Berlin-Charlottenburg reparieren und wurde dabei zerquetscht. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Die Schuldfrage an dem Unglück sei noch nicht geklärt.

Foto: Steffen Pletl

Ein 67 Jahre alter Mann ist in seinem Wohnhaus in Charlottenburg von einem Fahrstuhl eingeklemmt und tödlich verletzt worden. Mitbewohner erheben den Vorwurf, dass der Aufzug seit geraumer Zeit nicht mehr vollständig intakt gewesen sein soll. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen.

Nach Informationen von Morgenpost Online soll der Betreiber einer Zahnarzt-Praxis am Mittwochabend gegen 20.15 Uhr versucht haben, den nicht mehr funktionstüchtigen Fahrstuhl in dem viergeschossigen Haus an der Giesebrechtstraße wieder in Gang bringen. „Es liegen Hinweise vor, wonach die Kabine nicht exakt auf Höhe der Etage im Stockwerk stand und sich deshalb die Türen nicht öffnen ließen“, so ein Polizeibeamter. „Die Außenscheibe des viele Jahre alten Aufzugs mit schweren Flügeltüren ist defekt gewesen, offenbar griff der Mann durch diese Öffnung, um den Bewegungsschalter zu erreichen.“

In genau diesem Moment setzte sich der Fahrstuhl demnach wieder in Bewegung und riss Bernd Sch. mit sich. Er wurde zwischen dem Fahrstuhl selbst und der dazugehörigen Tür eingeklemmt. Hinzukommende Bewohner des Hauses versuchten vergeblich, ihn zu befreien – doch jegliche Hilfe sollte für den vitalen und sportlichen Mann zu spät kommen. Rettungskräfte der Feuerwehr konnten ihn nur noch leblos bergen und seinen Tod feststellen. Die Ermittlungen der zuständigen Behörden dauern an, Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Die Frau des Zahnarztes war am Donnerstagmorgen schwer verstört. „Ich kann das alles noch nicht fassen. Ich bin völlig geschockt“, sagte sie Morgenpost Online. Wohnungsinhaber des Hauses berichteten, dass es in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit dem Aufzug gegeben habe. Demnach sei er nicht zum ersten Mal stecken geblieben und habe öfter auch Antriebsprobleme gehabt – und das gerade im vierten Stockwerk, wo Bernd Sch. mit seiner Frau seit vielen Jahren lebte. Ihr Mann sei stets hilfsbereit gewesen und habe sich um Vieles gekümmert, sagte die Frau. Diese Hilfsbereitschaft sei ihm jetzt zum Verhängnis geworden.

Anwohner beschreiben den Mediziner als einen Menschen, der immer höflich und darauf bedacht war, für seine Mitmenschen da zu sein.

Ein Nachbar machte seiner Wut über das Unglück am Donnerstag Luft. Es seien nicht nur die technischen Probleme gewesen, die die Benutzung des Fahrstuhls erschwert hätten. Auch an der seit Längerem defekten Scheibe an der Zugangstür hätten die Verantwortlichen erkennen müssen, dass Wartung und Instandsetzung dringend nötig gewesen seien. „Wäre die Scheibe in einem Stück und nicht zerbrochen gewesen, hätte der Herr nicht durchgreifen können, um den Fahrstuhl wieder zu starten, und er könnte noch am Leben sein.“ Kriminalpolizisten werden nach Informationen von Morgenpost Online genau diesen Vorwürfen nachgehen und klären, seit wann diese Mängel bekannt sind und wer von ihnen gewusst hat.

Technische Experten im Einsatz

Am Donnerstagvormittag inspizierten Mitarbeiter des TÜV den Fahrstuhl. Auch das Landeskriminalamt ist in die Ermittlungen eingebunden. „Wir müssen in einem solchen Todesermittlungsverfahren zunächst ein Fremdverschulden ausschließen“, sagte ein Beamter. „In diesem Fall kamen die Kollegen zu dem Ergebnis, dass es sich um einen tragischen Unfall handelt.“

Es seien nun aber intensive Untersuchungen durch das Landesamt für Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi) sehr wahrscheinlich. Sollte sich bewahrheiten, dass der Fahrstuhl seit längerer Zeit Mängel aufgewiesen habe, muss nach dem Verantwortlichen gesucht werden. „Es muss aber auch geklärt werden, ob diese Mängel den Verantwortlichen tatsächlich mitgeteilt wurden“, so ein Ermittler. „Es gibt immer wieder Fälle, in denen später nach einem Zwischenfall Vorwürfe laut werden, die zuständigen Personen von eben diesen Mängeln aber nichts erfahren haben, weil man sie ihnen nicht mitgeteilt hat.“ Die Schuldfrage an dem Unglück sei noch nicht geklärt. Deswegen seien vorzeitige Beschuldigungen fehl am Platze; sie könnten sich später als ungerechtfertig erweisen.

Bernd Sch. betrieb zusammen mit einem Geschäftspartner eine Zahnarztpraxis an der Leibnizstraße, nicht weit von seiner Wohnung entfernt. Bekannte berichten, dass der 67-Jährige in naher Zukunft in den Ruhestand gehen wollte, um seine Zeit danach mit seiner Frau zu genießen.