Volkswirtschaft

S-Bahn-Stillstand kostet 35 Millionen Euro

Ein Stromtest hat bei der Berliner S-Bahn für drei Stunden zum vollständig Erliegen des S-Bahn- sowie Regional- und Fernverkehrs geführt. Und das war nicht nur für Betroffene ärgerlich, sondern hat auch einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht.

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Der erneute S-Bahn-Stillstand hat nach einer Berechnung der Technischen Universität Berlin einen volkswirtschaftlichen Schaden von 35 Millionen Euro verursacht. „Der Störfall führt die eminent hohe Bedeutung einer zuverlässigen Stromversorgung vor Augen“, teilte die Hochschule am Mittwoch mit. Die hohen Kosten kommen dabei zustande, weil in den Betrieben massenhaft die Arbeitskraft ausfiel und zudem die Bahn ihren Fernreisenden wegen der Verspätungen eine Entschädigung zahlen musste.

Nach einer Pannenserie in einem Stellwerk war am vergangenen Donnerstag der S-Bahn- sowie der Regional- und Fernverkehr in Berlin für drei Stunden vollständig zum Erliegen gekommen. Ein kaputtes Bauteil, ein Stromausfall – und ein Chaos im S-Bahnverkehr. So lautet nach ersten Erkenntnissen die einfache Ursache-Wirkungs-Kette, die große Teile des Berliner S-Bahnnetzes und den Ost-West-Verkehr von Regional- und Fernzügen lahm legte. Die Ursache für den rund dreistündigen Zusammenbruch war nach Bahn-Angaben „ein technischer Defekt bei planmäßigen Wartungsarbeiten“. Ein Bauteil sei dabei zerstört worden, auch das vorgesehene Ersatzteil habe seinen Dienst verweigert. Die fraglichen Wartungsarbeiten seien zuvor schon zig Mal gemacht worden, ohne dass ein Problem aufgetreten sei, so die offizielle Stellungnahme der S-Bahn. Soweit bekannt, hätten die Techniker nichts falsch gemacht. So weit, so plausibel.

Warum aber, so fragten sich Hunderttausende Fahrgäste, während sie in den Zügen feststeckten oder am Bahnhof froren, warum kann ein vergleichsweise banaler Schaden solche Folgen haben? Nicht nur der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) Berlin-Brandenburg wollte wissen: „Warum gibt es für die stromlose Betriebszentrale keine Reserveanlagen und -leitungen, die sofort hätten aktiviert werden können?“ Auch Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) zeigte sich entsetzt. „Natürlich kann immer etwas passieren, durch Bauarbeiten, durch Unfälle oder durch was auch immer“, sagte Franz Morgenpost Online. „In solchen Fällen muss es aber eine Rückfallebene geben, die die Steuerung der Systeme übernimmt.“ Offenbar seien Notfallkonzepte „entweder nicht vorhanden oder nicht ausreichend, um ein solches Desaster zu vermeiden“.