Flucht aus Berliner Psychiatrie

Verwirrte sticht Mutter und Tochter nieder

Eine psychisch kranke Frau verschwand vor Tagen aus einer geschlossenen Psychiatrie. Am Dienstag attackierte sie in Berlin-Karow eine 47-Jährige und deren zehn Jahre alte Tochter mit einem Messer. Seitdem ist die Täterin auf der Flucht.

Foto: Steffen Pletl

Eine psychisch verwirrte Frau hat in Berlin-Karow eine 47 Jahre alte Frau und deren zehn Jahre alte Tochter durch Messerstiche schwer verletzt. Die mutmaßliche Täterin befindet sich seitdem auf der Flucht. Die beiden am Dienstagnachmittag verletzten Opfer sollen sich nach Polizeiangaben nicht in Lebensgefahr befinden. Die 26 Jahre alte psychisch verwirrte Frau soll nach Informationen Morgenpost Online bereits vor mehreren Tagen aus der psychiatrischen Abteilung des St. Joseph-Krankenhauses an der Gartenstraße in Weißensee geflohen sein. Die Umstände ihres Verschwindens werden derzeit von der Kriminalpolizei untersucht.

Streit an der Wohnungstür

Nach Polizeiangaben hatte die 26 Jahre alte Verdächtige gegen 14 Uhr an der Wohnungstür der Frau in der Neubausiedlung an der Achillesstraße geklingelt und versucht, in die Räume gelangen. Die 47-Jährige wollte das anscheinend verhindern. Es entwickelte sich ein Streitgespräch an der Wohnungstür, das schließlich in einem Gerangel mündete. Dabei zückte die 26-Jährige plötzlich ein Messer und stach auf die 47-Jährige und deren Tochter ein. Die Mutter wurde durch Stiche in den Oberkörper schwer verletzt, auch das zehn Jahre alte Mädchen erlitt eine schwere Verletzung an der Schulter.

Während die mutmaßliche Täterin flüchtete und die Polizei die Umgebung absuchte, versorgte eine Notarztwagenbesatzung der Feuerwehr die beiden Verletzten und brachte sie in ein nahe gelegenes Krankenhaus. Die Ärzte diagnostizierten schwere, aber nicht lebensgefährliche Wunden. Wann die beiden aus dem Krankenhaus entlassen werden können, ist derzeit nicht abzusehen.

Nach Informationen von Morgenpost Online soll die mutmaßliche Täterin früher mit dem Sohn der 47-Jährigen eine Liebesbeziehung gehabt haben. Möglich sei auch, so ein Beamter, dass die junge Frau der Mutter die Schuld am Scheitern der Beziehung gibt und sich deshalb an ihr rächen wollte. Die 26-Jährige sei wegen einer schweren psychischen Erkrankung in dem Weißenseer Krankenhaus behandelt worden.

Frau galt bisher nicht als gewaltätig

„Die junge Frau befand sich in einer geschlossenen Abteilung. Es muss jetzt genau geklärt werden, wie sie von dort entkommen und zwei Menschen schwer verletzen konnte“, sagte ein in die Ermittlungen eingebundener Beamter. Die betroffene Klinik gab am Dienstag trotz Anfrage keine Stellungnahme zur Flucht der Patientin ab. In ihrem persönlichen Umfeld in Pankow soll die 26-Jährige laut einem Ermittler wegen ihrer Eigenarten zwar bekannt gewesen sein, als gewalttätig habe die Frau bislang allerdings nicht gegolten.

Die Kriminalpolizei hat den Fall übernommen. Eine Öffentlichkeitsfahndung wurde zunächst nicht angewiesen, auch Einzelheiten wurden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt.

Die Tat erinnert an die Flucht eines 34 Jahre alten psychisch kranken Maßregelvollzugspatienten vor drei Wochen in Friedrichshain. Der Mann hatte zuvor eine Mitbewohnerin mit einem Messer schwer verletzt. Erst nach fast drei Tagen hatte sich die Senatsgesundheitsverwaltung zu einer Öffentlichkeitsfahndung durchgerungen. Bisher ergebnislos: Der 34 Jahre alte, aus Polen stammende Jaroslaw Lupinski, der vor Jahren im Zustand der Schuldunfähigkeit zwei Frauen schwer misshandelt und vergewaltigt haben soll, ist nach wie vor auf der Flucht.

In Ermittlerkreisen wird vermutet, dass sich der Mann nach Osteuropa abgesetzt haben könnte. Lupinski war seit Februar 2005 in einer geschlossenen Abteilung des Maßregelvollzugs untergebracht. Nachdem er sich einer Therapie unterzogen und zudem über Jahre unauffällig geblieben war, wurde ihm im November 2010 eine Vollzugslockerung gewährt.

Weil Gutachter Lupinski für inzwischen relativ harmlos hielten, durfte er in eine offene betreute Wohnabteilung an der Rigaer Straße umziehen. Am Morgen des 8. Dezember kam es dort zu dem Messerangriff. Der 34-Jährige verletzte eine Frau mit einem Küchenmesser im Gesicht und an einer Hand. Danach tauchte er unter. Lupinski gilt nun als suizidgefährdet und stellt in diesem Zustand nach Aussage der Ermittler auch für andere Personen eine Gefahr dar.