Prenzlauer Berg

Sprachenschule kauft Stadtbad Oderberger Straße

Die neuen Betreiber des Stadtbades Oderberger Straße wollen zwölf Millionen Euro in den sanierungsbedürftigen Bau investieren. Dort soll in Zukuft geschwommen, gelernt, gefeiert und geschlafen werden.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Stadtbad Oderberger Straße verkauft

Video: BMO
Beschreibung anzeigen

Das Stadtbad Oderberger Straße in Prenzlauer Berg hat neue Eigentümer. Der seit Jahren geschlossene und sanierungsbedürftige Bau gehört jetzt Barbara Jaeschke, der Betreiberin der benachbarten GLS Sprachenschule in Prenzlauer Berg, und ihrem Mann, Hans-Dieter Jaeschke. Beide haben die Immobilie von der Stiftung Denkmalschutz Berlin übernommen. Am Dienstag ist der Kaufvertrag unterzeichnet worden. Über den Preis sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Hans-Dieter Jaeschke. Das Ehepaar will zwölf Millionen Euro in Sanierung und Umbau investieren.

Das Bad, das um 1900 nach Plänen von Ludwig Hoffmann entstand, soll denkmalgerecht saniert werden. Ein öffentlicher Schwimmbetrieb an fünf Tagen in der Woche ist geplant, zu Preisen, die sich an denen der Berliner Bäderbetriebe orientieren. Außerdem will das Ehepaar etwa 80 Hotelzimmer in den oberen Etagen des Stadtbades einrichten. Dort sollen die Schüler des Sprachenzentrums wohnen. Auch sie werden das Schwimmbad nutzen. Zehn neue Unterrichtsräume sind geplant. Eine Tiefgarage mit etwa 40 Stellplätzen wird gebaut.

Es ist der dritte Anlauf, das Stadtbad Oderberger Straße wieder betriebsfähig zu machen. Der Liegenschaftsfonds hatte es 2001 an eine Genossenschaft verkauft. Von ihr erwarb es die Stiftung Denkmalschutz für 100.000 Euro. Die Bedingung des Fonds, das Bad innerhalb von fünf Jahren zu sanieren, konnten weder die Genossenschaft noch die Stiftung erfüllen. Jetzt hat das Ehepaar Jaeschke diese Auflage übernommen. Wird sie nicht erfüllt, kann der Fonds das Grundstück zurückfordern. Das Architekturbüro cpm plant und betreut das Projekt. „Das alte Gebäude wird komplett entkernt und mit moderner Technik ausgestattet“, sagte Hans-Dieter Jaeschke. Ein Blockheizkraftwerk sei vorgesehen. Wie in den vergangenen Jahren sollen im Stadtbad auch künftig Events stattfinden. „Während des Umbaus und später um das Schwimmbecken herum“, kündigte Barbara Jaeschke an.

„Um den Vertrag zum Stadtbad ringen wir schon seit mehreren Jahren“, sagte sie nach der Unterzeichnung am Dienstag. „Viele konnten sich nicht vorstellen, dass eine Sprachenschule ein Schwimmbad betreibt.“ Doch die Schule führe bereits am Standort Kastanienallee ein Restaurant, einen Buchladen, eine Cafeteria und ein Hotel mit 50 Betten. Christian Melcher, stellvertretender Stiftungsvorsitzender, räumte ein: „Es hat bei der Stiftung Denkmalschutz etwas gedauert, bis wir das verstanden haben.“

Die Stiftung hatte lange auf andere Interessenten gesetzt. Erst, als sich die Bezirksverordneten-Versammlung Pankow einhellig für die Schule aus Prenzlauer Berg aussprach, nahm die Stiftung Verhandlungen mit dem Ehepaar Jaeschke auf. „Wir sind sehr zufrieden, dass der Vertrag zustande gekommen ist“, sagte der SPD-Verordnete Roland Schröder. Das Bezirksamt werde eine Projektgruppe für das Stadtbad bilden, kündigte Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) an. Das Sprachenzentrum hat rund 5000 Schüler im Jahr. Die Investition werde sich durch Synergien mit der Schule, durch das Hotel und Veranstaltungen rentieren, sagte Barbara Jaeschke. „Das Schwimmbad wird subventioniert durch unsere Kursteilnehmer und die Hotelgäste.“

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.