Berlin-Mitte

Erstes Viertel der Schlossfassade schon bezahlt

Von den 80 Millionen Euro für die historische Fassade sind bereits 19 Millionen eingesammelt. Der Förderverein Berliner Schloss hofft, die Kuppel und einige Portale rekonstruieren sowie ein Dachcafé aus Spendengeldern errichten zu können.

Foto: Sergej Glanze

Das unerwartet frostige Wetter hat den Berliner Schlossbauherren am Dienstag einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eigentlich hatten die Stiftung und der Förderverein Berliner Schloss die Montage des ersten Sandstein-Schmuckelements an der Musterfassade zum Anlass nehmen wollen, um eine frohe Botschaft zu verkünden: Ein Viertel der erforderlichen Spenden für die Rekonstruktion der historischen Schlossfassaden ist allen Unkenrufen zum Trotz zusammengekommen. Die Montage des gewaltigen preußischen Wappenschildes musste jedoch kältebedingt abgeblasen werden.

Dabei war das knapp 600 Kilogramm schwere Wappen am Morgen noch termingerecht mit dem Lkw angeliefert und abgeladen worden. Doch dann wurden die Arbeiten eingestellt. Wenn Frost drohe, werde der Mörtel nicht fest, so Bernhard Wolter, Sprecher der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum. Er gehe jedoch davon aus, dass das Wappen „in den nächsten Tagen“ an der Musterfassade angebracht werde – falls die Temperaturen wieder stiegen. Die rund 15 Meter hohe Musterfassade an der Nordostecke der Schloßplatzwiese, vis-à-vis vom Dom, ist ein Test für den endgültigen Bau: Dort wird nun geprüft, welche Materialien besonders geeignet sind.

Für die Rekonstruktion der historischen Fassade bauen Bildhauer in der sogenannten Schlossbauhütte am Askanierring 74 in Spandau schon jetzt den gesamten Bauschmuck der historischen Fassade nach. 3000 einzelne Schmuckelemente müssen dafür nach etwa 300 verschiedenen Modellen hergestellt werden. Dazu gehören große Einzelstücke wie die Figuren an den Portalen oder die Säulenkapitelle, zahlreiche Adler, die die Fensterdächer schmücken werden, aber auch viele kleinere Schmuckelemente, etwa in Form von Blättergirlanden.

Im Frühjahr 2012 soll nun zumindest die Test-Fassade fertiggestellt sein – bevor die eigentlichen Bauarbeiten an der Hohenzollern-Residenz beginnen, wird sie jedoch wieder abgerissen. Die Schmuckelemente, die sich bewährt haben, sollen wieder verwendet werden.

Sechs Wochen Arbeit

Das beruhigt vor allem Bildhauer Carlo Wloch. Der 63-Jährige hat rund sechs Wochen gebraucht, um das verschnörkelte Wappen aus dem rohen Sandsteinblock herauszuarbeiten. Das in den Stein gemeißelte Wappen zeigt die Initialen „F3C“ und verweist damit auf den Kurfürst Friedrich III., den späteren König Friedrich I. in Preußen. Insgesamt sollen 47 Wappenschilder die Fenstergewände des Paradegeschosses der Südfassade schmücken.

Der Wiederaufbau der Hohenzollern-Residenz gilt als das größte Kulturprojekt dieses Jahrhunderts in Deutschland. Die Bundesregierung hatte den eigentlich für dieses Jahr geplanten Baubeginn im vergangenen Sommer aus Spargründen um drei Jahre verschoben. Erster Spatenstich soll nach dem derzeitigen Terminplan 2013 sein, ehe 2014 die eigentlichen Arbeiten beginnen. Der Neubau des Humboldt-Forums in Gestalt des 1950 gesprengten Stadtschlosses soll 2019 eröffnet werden.

Der Haushaltsausschuss hatte die für den Bau erforderlichen Mittel erst am 7. Juli 2011 bewilligt – und für die Wiedererrichtung des Berliner Schlosses eine Kostenobergrenze von 590 Millionen Euro festgesetzt. Darin enthalten sind auch die 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Schlossfassade an drei Seiten des Gebäudes, die allein durch Spenden zusammenkommen sollen.

Mehr Geld zum Jahresende

„Wir haben bereits rund 19 Million Euro zusammen“, sagte Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss. Der Beschluss des Bundestagsabgeordneten vom Sommer habe die Spendenbereitschaft erfreulich angekurbelt. „Während wir im ersten Halbjahr lediglich 600.000 an Spenden erhalten haben, waren es in der zweiten Jahreshälfte bereits 3,9 Millionen Euro“, so von Boddien. Damit werde man bis zum Ende dieses Jahres das erste Viertel der erforderlichen 80 Millionen zusammenhaben. „Und das, bevor mit dem eigentlichen Bau überhaupt begonnen wurde“, betonte Wilhelm von Boddien.

Er sagte weiter, er sei optimistisch, dass es auch gelinge, weitere 28,5 Millionen Euro einzusammeln. Denn nicht in der Bausumme von 590 Millionen Euro enthalten sind die „baulichen Optionen“, sozusagen das I-Tüpfelchen für das Gebäude. Dazu gehören ein Dachcafé (3,3 Millionen Euro), die vollständige Rekonstruktion der historischen Kuppel (15 Millionen Euro) und die vollständige Rekonstruktion der Portale II, III und IV für insgesamt 10,2 Millionen Euro. Die Realisierung dieser Elemente steht laut Beschluss des Haushaltsausschusses unter dem Vorbehalt einer Finanzierung durch private Spender.

Info-Box gut besucht

Die Humboldt-Box am Schloßplatz 5 gibt auf vier Etagen Auskunft über das Mammutprojekt. Öffnungszeiten: Täglich 10–20 Uhr, 24.12. geschlossen, 25./26.12.2011 sowie 31.12./1.1. von 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 4, ermäßigt 2,50 Euro.

200.000 Besucher werden nach Angaben der Betreiber bis zum Jahresende 2011 im Infocenter zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses erwartet.

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