Nahverkehr

Taxifahrer sind die Gewinner im S-Bahn-Chaos

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Markus Falkner und Karoline Beyer

Hochbetrieb in den Taxi-Zentralen und ein ganzer Tagesumsatz in nur zwei Stunden – die Berliner Taxifahrer freuten sich über den Ausfall der S-Bahnen. Die Verkehrsmittel-Kapazitäten der landeseigenen Verkehrsbetriebe hingegen stießen an ihre Grenzen.

Taxifahrer Michael Meier (49) ist gut gelaunt. „Heute läuft es super. In den zwei Stunden, als die S-Bahn nicht fuhr, habe ich meinen Tagesumsatz gemacht.“ Auch seine Kollegin Manuela Frank (47) freut sich. „Heute habe ich drei bis vier Fahrgäste pro Stunde, statt wie sonst nur einen.“ Vom Taxistand am Rathaus Steglitz fährt Frank an diesem Donnerstag die meisten Fahrgäste nach Lichterfelde.

Auch Murat Durmus (25), der mit seinem Taxi vor dem Bahnhof Zoo steht, ist fast den ganzen Nachmittag durchgefahren. „An allen Bahnhöfen waren Taxis gefragt“, berichtet er.

Was tun, wenn keine S-Bahn fährt? Diese Frage mussten sich am Donnerstag Zehntausende Berliner und Touristen stellen. Für jene, die dringende Termine hatten, lautete die naheliegende Antwort: Taxi fahren. Doch auch das wurde zur Geduldsprobe. In den Taxi-Zentralen herrschte Hochbetrieb wie sonst allenfalls in der Silvesternacht. „Wir bekommen einen Anruf nach dem nächsten, ob wir noch Taxen schicken können“, sagte Roland Bahn, stellvertretender Vorsitzender der Innung des Berliner Taxigewerbes am Mittag. „Das Problem ist aber: Alles ist schon im Einsatz.“ Am Bahnhof Zoo war davon allerdings nichts zu merken. Hier fuhr ein Taxi nach dem anderen vor. Die Menschen mussten nicht lange warten.

Deutlich mehr Geduld wurde den Autofahrern abverlangt. Christian Felsmann, der von Pankow kommend in die Innenstadt wollte, war genervt: „Am frühen Nachmittag ging gar nichts mehr“, sagte er. Mehr als 20 Minuten habe er stadteinwärts in der Leipziger Straße gestanden. Dort staute sich der Verkehr dermaßen, dass er lange warten musste, bis er links abbiegen konnte. Stadtauswärts sei es noch schlimmer gewesen, hat Felsmann beobachtet.

BVG-Züge waren überfüllt

Mehr als 7000 Taxen gibt es in Berlin. Einen großen Teil der Wagen beorderten die Funkzentralen nach dem Ausfall der S-Bahn in den besonders betroffenen Westteil der Stadt. Dadurch kam es nach Angaben von Fahrgästen zu Engpässen in den östlichen Bezirken. „Die Funkzentralen versuchen, die Taxen zu koordinieren“, sagte Innungsvize Bahr. Aber in solchen Ausnahmezuständen stoße das System leider an seine Grenzen. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) taten ihr Möglichstes, um das Chaos abzumildern. Bei der U-Bahn und der Straßenbahn wurden viele Züge durch zusätzliche Wagen verlängert. „Wir haben angehängt, was anzuhängen war“, sagte Unternehmenssprecherin Petra Reetz der Morgenpost Online. Obwohl sich der Totalausfall bei der S-Bahn außerhalb des Berufsverkehrs ereignet habe, seien die Züge sehr voll gewesen. Restlos überfüllt sei es aber auf keiner Linie gewesen. Außerdem setzte die BVG auch mehr Busse ein.

Schon am Mittag war damit bei allen Verkehrsmitteln der landeseigenen Verkehrsbetriebe die maximale Fahrzeugzahl im Einsatz, die normalerweise erst im nachmittäglichen Berufsverkehr vorgesehen ist. Insgesamt seien 1250 Busse, 1000 U-Bahnwagen und 450 Straßenbahnwagen unterwegs gewesen, sagte Reetz. Üblicherweise falle das Angebot am Mittag 15 bis 20 Prozent geringer aus.

Die aufgestockte Fahrzeugzahl wollten die Verkehrsbetriebe bis zum Abend erhalten, obwohl nach 14 Uhr die ersten S-Bahnen wieder rollten. „Wir gehen davon aus, dass wir bis in die Abendstunden die Hauptlast des Verkehrs tragen müssen“, sagte die BVG-Sprecherin. Das lag auch daran, dass bei der S-Bahn nicht nur der Verkehr, sondern auch das Informationsangebot komplett zusammengebrochen war. Als längst wieder Züge fuhren, war die Internetseite der Deutsche-Bahn-Tochter noch immer nicht erreichbar. Viele Reisende stiegen nach den Chaos-Meldungen vom Mittag schon vorsorglich auf Busse und Bahnen der BVG um.