Charité-Test

Hautscanner sorgt für neuen Lebensstil

Ein Hautscanner der Berliner Charité zeigt, was im Körper durch Stress, Zigarettenrauch und ungesunde Ernährung passiert. Nach Erhalt der Ergebnisse änderten die Testpersonen ihren Lebensstil. Nun wollen die Universitätsmediziner das Gerät flächendeckend an Schulen einsetzen.

Foto: David Heerde

Ein kleiner Hautscanner kann die Lebensweise von Jugendlichen stärker beeinflussen als ständige Vorträge von Eltern und Lehrern. Das hat ein wissenschaftlich begleiteter Test der Charité mit Schülern einer Kasseler Berufsschule gezeigt. Das neue Hautscan-Gerät, das gerade so groß ist wie eine Computermaus, wird auf die Handinnenfläche gelegt. Mit Hilfe von Lichtstrahlen wird die Konzentration von sogenannten Antioxidantien in der Haut gemessen. Antioxidantien gelten als Schutzpolizei für unseren Körper. Sie wehren sogenannte freie Radikale ab, die durch Stress, Zigarettenrauch oder ungesunde Ernährung entstehen und dem Immunsystem schaden können.

Die 19-jährige Sofia hat nach dem Pilotprojekt einiges an ihrem Lebensstil geändert. „Ich habe vor allem Stress reduziert, ich fange früher an zu lernen, wenn wir eine Klausur schreiben, und versuche insgesamt gelassener zu werden“, sagt Sofia. Der Test habe ihr gezeigt, dass nach einer Klausur ihre Werte auf der Skala zwischen 1 und 10 dramatisch abfielen. Bei der Auswertung konnten die Schüler nicht nur ihre Werte sehen, sondern haben auch Hinweise erhalten, wie sie diese verbessern können.

Dominik hatte bereits drei Jahre geraucht, als die Testphase begann. Jetzt hat er sich das Rauchen abgewöhnt. „Ich esse auch häufiger mal Obst“, sagt er. Zu Hause würde zwar immer eine Obstschale herumstehen, doch vor dem Pilotprojekt sei er immer achtlos daran vorbeigelaufen. Über die positive Langzeitwirkung des Pilotprojektes waren die Wissenschaftler der Charité selbst überrascht. Insgesamt 50 Schüler im Alter zwischen 17 und 20 Jahren wurden über einen Zeitraum von acht Monaten mit dem Hautscanner begleitet. Die Forscher führten das Projekt in drei Phasen durch. Die erste Messreihe dokumentierte den Ist-Stand. In der zweiten Phase erhielten die Schüler Hinweise für die Verbesserung ihrer Ernährung. Sie gingen gemeinsam einkaufen, kochten in der Schule und tranken regelmäßig Saft.

Überraschende Langzeitwirkung

Die Hautwerte verbesserten sich daraufhin um 13 Prozent. Sechs Monate später untersuchten die Wissenschaftler die Jugendlichen erneut. „Es zeigte sich, dass die verbesserten Werte gehalten werden konnten“, sagt Professor Jürgen Lademann von der Charité, der das Messverfahren entwickelt hat. Die Schüler hätten erkannt, dass sie das Schicksal ihrer Haut selbst in der Hand haben. Offenbar sei es ein großer Unterschied, ob die Eltern reden oder ob man selbst mit seinem Körper spricht, so Lademann.

„Wir haben einen richtigen Ehrgeiz entwickelt unsere Werte zu verbessern“, sagt der 19-jährige Dominik. Schließlich hätten die Schüler auch untereinander ihre Ergebnisse verglichen. Besonders motivierend war, dass es sofort Wirkung zeigte, wenn man an seinem Lebensstil etwas geändert hatte. Weniger Alkohol, Sport oder einfach mehr Schlaf hätten sich schon am nächsten Tag auf die Menge der Antioxidantien ausgewirkt. Auch an der Pilot-Schule hat sich seit dem Projekt einiges geändert. Es gibt jetzt von Schülern der Ernährungswirtschaft jeden Tag ein selbst zubereitetes Mittagessen. Die Kasseler Elisabeth-Knipping-Schule jedenfalls will sich auf jeden Fall ein solches Gerät zulegen, um die Testreihe als Unterrichtsbestandteil für die Berufsschüler aufzunehmen, sagte die stellvertretende Schulleiterin Monika Büttner.

Hergestellt hat den leicht zu bedienenden Hautscanner die Kasseler Firma Opsolution GmbH in Kooperation mit der Berliner Charité. Der Scanner wird kabellos über Bluetooth mit einem zentralen Internetserver verbunden, der dem Tester sofort die Auswertung in einem geschützten Bereich auf dem Smartphone oder Computer anzeigt. Im Laufe des nächsten Jahr soll es im Handel erhältlich sein und etwa 300 Euro kosten.

„Unsere Vision ist es, dass man das gerät flächendeckend an den Schulen einsetzt“, sagte Wolfgang Köcher von der Herstellerfirma. Auf diese Weise könnte man den Gesundheitszustand einer ganzen Generation durchleuchten und anschließend entsprechende Präventionsmaßnahmen treffen. „Wenn sich zeigt, dass ein Bio-Mittagessen in der Schule dazu beiträgt, den Gesundheitszustand zu verbessern, muss die Politik darauf reagieren, ganz gleich, ob es mehr kostet als Fertigessen“, sagt Köcher.

Das Interesse sei riesig. Es gebe zahlreiche Anfragen von Unternehmen und Schulen. Auch an einem Berliner Gymnasium startet jetzt ein Pilotversuch mit dem Hautscanner.