Moabiter Strafkammer

Griff in die Amtskasse - Amtsrat vor Gericht

Der ehemalige Leiter des Ordnungsamts Steglitz-Zehlendorf muss sich wegen Veruntreuung von rund 264.000 Euro verantworten. Thomas M. habe nicht bewusst gehandelt, sondern Dinestliches und Privates vermengt.

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Vor einer Moabiter Strafkammer hat der Prozess gegen den ehemaligen Leiter des Ordnungsamts Steglitz-Zehlendorf begonnen. Dem 43-jährigen Thomas M. wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, von April 2006 bis Juni 2010 immer wieder Geld aus der Kasse des Amts genommen zu haben. Der Angeklagte kündigte zu Prozessbeginn an, sich erst am zweiten Verhandlungstag, also am 22. Dezember, zu den Vorwürfen zu äußern.

Die Staatsanwaltschaft hat in ihrer Anklageschrift 175 Fälle aufgelistet und einen Schaden vom rund 264.000 Euro errechnet. Der Diplom-Verwaltungswirt soll nahezu wöchentlich in die Kasse gegriffen haben. Dabei handelte es sich um Einnahmen aus dem Verkauf von Anwohnervignetten, Gebühren für Akteneinsichten, Ausnahmegenehmigungen und auch um Verwarngelder.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers war der Amtsrat im Vorfeld teilweise geständig. Er soll die Wegnahme von rund 50.000 Euro bestätigt haben. Dabei habe es sich angeblich nicht um bewusste Veruntreuung gehandelt. Aus Überlastung habe er Dienstliches und Privates vermengt. Thomas M. arbeitet nicht mehr im öffentlichen Dienst. Der im Ortsteil Lichtenrade wohnende Familienvater soll jetzt ein Spezialgeschäft für Artikel und Tourismusangebote aus Dänemark führen.

Bundesweit bekannt war Thomas M. – damals noch Beamter – durch seine Rolle in der Doku-Serie des privaten TV-Senders „Kabel 1“ geworden. Sie hieß „Mein Revier“. Thomas M. war dort als korrekt und konsequent agierender Ordnungshüter zu sehen.