Berliner Weihnachtsmärkte

Immer mehr Giftschnaps-Opfer melden sich

Auf Berliner Weihnachtsmärkten sind bereits zehn Menschen mit gepanschtem Alkohol vergiftet worden. Um den Täter zu fassen, suchen inzwischen Polizisten in Zivil und Uniform auf den Weihnachtsmärkten nach dem Verdächtigen.

Auf den unbekannten Mann, der seit der vergangenen Woche auf Berliner Weihnachtsmärkten vergifteten Schnaps verteilt, sind noch weitere Opfer hereingefallen. Wie die Polizei am Montag mitteilte, habe sich am Sonntagabend eine 31-jährige Frau bei der Polizei gemeldet. Sie sagte, dass sie und ein 33 Jahre alter Freund bereits am vergangenen Mittwoch auf dem Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz von einem Mann angesprochen wurden. Unter dem Vorwand, Vater geworden zu sein, bot er den beiden zwei Schnapsfläschchen an.

Kurz nachdem sie davon getrunken hatten, wurde den beiden so übel, dass sie sich übergeben mussten. Doch erst nachdem die Frau von ähnlichen Fällen gelesen hatte, wandte sie sich an die Polizei. Offenbar waren in den Schnaps auch dieses Mal wieder K.o.-Tropfen gemixt worden. Die Zahl der Opfer, die seit vergangenem Mittwoch vergiftet worden sind, steigt damit auf zehn.

K.o.-Tropfen im Alkohol

An jenem Mittwoch hat sich noch ein ähnlicher Fall ereignet. Nachdem der Mann das Pärchen am Alexanderplatz angesprochen hatte, schlug er offenbar nur wenige Stunden später auf dem nahe gelegenen Weihnachtsmarkt am Opernpalais in Mitte zu. Auch dort traf es ein Pärchen. Während der 26-jährige Mann sich übergeben musste, ging es seiner 24 Jahre alten Freundin so schlecht, dass sie bewusstlos wurde. In den darauffolgenden Tagen meldeten sich insgesamt sechs weitere Opfer bei der Polizei, die am Donnerstag und am Sonnabend Ähnliches erlebt hatten. In allen Fällen sollen K.o.-Tropfen in den Alkohol gemixt worden sein.

Über den Täter ist bislang nur wenig bekannt. Er soll etwa 40 Jahre alt, 1,80 Meter groß und offenbar Deutscher sein. Er trägt kurze, dunkelblonde Haare. Außerdem habe der Mann ein rundliches Gesicht . Bislang hätten sich aber keine weiteren Zeugen gemeldet, die Hinweise auf den Täter machen könnten, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Um den Täter zu fassen, suchen inzwischen Polizisten in Zivil und Uniform auf den Weihnachtsmärkten nach dem Verdächtigen.

Wechselnde Vorwände

Die Ermittler vermuten, dass er in insgesamt vier Fällen mindestens neun Menschen mit dem Schnaps vergiftet hat und immer die Geschichte von der Geburt seines Kindes erzählte. In einem weiteren Fall spreche viel dafür, dass es derselbe Mann gewesen ist, der zwei 15-Jährigen vergifteten Schnaps anbot. Die Masche war dieses Mal jedoch eine andere, da der Mann als Weihnachtsmann verkleidet war, den Schnaps in Pappbechern anbot und nur sagte, dass die beiden es sich schmecken lassen sollten.

Nachdem eines der Mädchen von dem Schnaps getrunken hatte, wurde ihr so schlecht, dass sie in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Im Blut der 15-Jährigen konnte die giftige Substanz nachgewiesen und analysiert werden. Die genaue Zusammensetzung des Gifts will die Polizei aber nicht bekannt geben.

„Liquid Ecstasy“ ist leicht unterzumischen

K.o.-Tropfen bestehen nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände meistens aus Gammahydroxybuttersäure, besser bekannt als „Liquid Ecstasy“. Dabei handelt es sich um eine farblose Flüssigkeit, die leicht Getränken untergemischt werden kann, ohne dass das Opfer es bemerkt. Sie wirken einschläfernd und entspannen die Muskeln, führen aber auch zu Übelkeit, Bewusstseinsstörungen und Gedächtnislücken.

„Liquid Ecstasy“ wird oft als Partydroge missbraucht. Weil die Opfer oft junge Frauen sind, die willenlos gemacht werden sollen, wird es auch als „Vergewaltigungsdroge“ bezeichnet. Hinweise auf solche Motive hat die Polizei allerdings nicht.