Nach einem Jahr

Pokerraubprozess könnte bald abgeschlossen sein

Mit Schreckschusswaffe und Machete hatten vier Männer 2009 das Pokerturnier in einem Berliner Luxushotel überfallen. Ein Jahr nach Beginn des Prozess hat der mutmaßliche Drahtzieher nun ausgepackt. Wenn die Verteidigung mitspielt, kann am Dienstag das Urteil gesprochen werden.

17 Monate dauert der Prozess nun schon um den spektakulären Überfall auf Deutschlands größtes Pokerturnier. An diesem Dienstag ist vor dem Berliner Landgericht der nächste Verhandlungstermin. Ob dann auch ein Urteil gefällt wird, ist aber fraglich. Da die Verteidigung noch ein Gutachten beantragte, könnte sich das Verfahren weiter hinziehen. Vergangenen Dienstag hatte Staatsanwalt Sjors Kamstra für den Angeklagten sechs Jahre und vier Monate Haft wegen schweren Raubes gefordert. Der 30-Jährige „hatte eine Führungsrolle und hielt die Fäden bis zum Schluss in der Hand“, betonte der Ankläger. Die Verteidiger beantragten eine erheblich niedrigere Strafe.

Bei dem Überfall auf das Pokerturnier in einem Berliner Luxushotel im März 2009 hatte der Angeklagte die eigentlichen Räuber instruiert und später das Fluchtauto gesteuert. „Er hat den vier Jungs die Drecksarbeit überlassen“, kritisierte Kamstra. Die damals 19- bis

21-jährigen Räuber wurden wenige Wochen nach dem Überfall in einem eigenen Prozess zu Jugendstrafen von bis zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Mit Schreckschusswaffe und Machete war das Quartett im Frühjahr 2009 in das Hotel Grant Hyatt am Potsdamer Platz gestürmt. Berge von Geld lagen offen im Tresor. Die Jugendlichen erbeuteten 242.000 Euro. Über den Verbleib des Geldes hatten sie eisern geschwiegen. Einer der Jungen ging sogar sechs Monate in Beugehaft, weil er im Prozess gegen den Drahtzieher nicht aussagen wollte. Der 30-Jährige hat seinen Anteil von 22.000 Euro aus der Beute inzwischen zurückgegeben.

Der Hintermann sitzt seit 17 Monaten in Untersuchungshaft. Der Familienvater ist im Gefängnis psychisch erkrankt. Ankläger Kamstra sieht das als Strafmilderungsgrund. Verteidiger Harald Remé will darüber hinaus sechs Monate Strafrabatt durchsetzen. Falls das Gericht dazu nicht bereit sei, soll ein Gutachter zu den Haftfolgen bestellt werden, beantragte der Verteidiger in seinem Plädoyer. Wenn die Richter dem Antrag folgen, verzögert sich der Prozess.

Der 30-Jährige saß bis vor wenigen Wochen gemeinsam mit dem mutmaßlichen Tippgeber des Coups auf der Anklagebank. Das Gericht hatte das Verfahren gegen den früheren Mitangeklagten vor einigen Wochen abgetrennt. Der 32-Jährige bestreitet die Vorwürfe. Er hatte selber am Turnier teilgenommen und war ausgeschieden. Nach Überzeugung von Ankläger Kamstra war er frustriert und wollte sich das Geld durch den Überfall beschaffen