Bauarbeiten

S-Bahn-Linie 7 soll öfter nach Potsdam fahren

Wegen Bauarbeiten ist die Regionalbahnstrecke zwischen Charlottenburg und Wannsee ab Sonntag für ein Jahr gesperrt. Einzige Ausweichmöglichkeit ist die S 7 nach Grunewald, doch die fährt abends nur im 20-Minuten-Takt. Der Berliner Fahgastverband fordert mehr Züge - der VBB sieht jedoch keinen Bedarf.

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Mit dem Fahrplanwechsel am heutigen Sonntag startet die Deutsche Bahn zugleich eines ihrer wichtigsten Bauprojekte in der Region. Weil marode Brücken und Gleise dringend saniert werden müssen, lässt sie für ein Jahr die Fern- und Regionalbahnstrecke zwischen Charlottenburg und Wannsee komplett sperren. Vor allem die mehr als 25.000 Bahnkunden, die täglich zwischen Berlin und Potsdam unterwegs sind, müssen sich auf längere Fahrzeiten und zusätzliches Umsteigen einstellen. Wichtigste Alternative für die meisten von ihnen dürfte die Berliner S-Bahn sein, deren Züge trotz der Bauarbeiten weiterhin durch den Grunewald fahren können. Allerdings: In den vergangenen zwei Jahren war das einstige Vorzeigeunternehmen alles andere als zuverlässig.

Doch nach Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe sieht sich die S-Bahn für den bevorstehenden Winter gut gerüstet und verspricht insbesondere für die S7, die Berlin und Potsdam direkt miteinander verbindet, einen stabilen Betrieb. So sollen auf der Linie ausschließlich Züge mit modernisierten Motoren und Bremsen fahren. Damit will die S-Bahn auch bei Eis und Schnee stets pünktlich sein.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb hofft im Interesse der Reisenden, dass das Konzept der Bahn aufgeht. „Es gibt viele Zusagen. Die Stunde der Wahrheit wird kommen, wenn der erste Schnee fällt“, sagt Igeb-Sprecher Jens Wieseke.

Der Verband fordert auch, dass auf der S7 am späten Abend ein 10-Minuten-Takt angeboten wird. Derzeit fahren die Züge zwischen Ahrensfelde und Potsdam Hauptbahnhof nach 20.30 Uhr nur noch alle 20 Minuten. Zwar sei ein solcher Takt vom Platzangebot her wahrscheinlich ausreichend, doch verlängere sich bei fehlendem Anschluss nochmals die Fahrzeit. Bislang scheitert eine kundenfreundliche Lösung am Geld. Die S-Bahn hat sich wiederholt bereit erklärt, einen längeren 10-Minuten-Takt auf der S7 zu fahren. Doch möchte sie diese Zusatzleistung auch bezahlt bekommen. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der im Auftrag der Länder die Leistungen bestellt, sieht bislang keinen Bedarf für eine Takt-Verdichtung nach 20.30 Uhr. Immerhin hat VBB-Chef Hans-Werner Franz zuletzt bekundet, dass diese Entscheidung bei Bedarf korrigiert werden kann.

Besseres Angebot für Pendler

Doch es gibt für Regionalverkehrskunden nicht nur schlechte Nachrichten. Deutlich verbessert wird etwa das Angebot für Berufspendler aus Falkensee und Spandau, die täglich mit dem Zug in die Berliner Innenstadt fahren. Sie können von Montag an auch den Regionalexpress RE6 nutzen. Montags bis freitags wird die Linie im Berufsverkehr über Spandau hinaus mit Zwischenhalt in Jungfernheide bis nach Berlin-Gesundbrunnen verlängert (je drei Zugpaare am Morgen und am Nachmittag). Die Fahrzeit der Spandauer und Havelländer nach Nord-Berlin verkürzt sich so um zehn bis 20 Minuten. Die Bürgerinitiative Spandauer Verkehrsbelange 73 feiert die Erfüllung ihrer jahrelangen Forderung mit einer Ersttagsfahrt in historischen Eisenbahner-Uniformen (9.33Uhr ab Bahnhof Berlin-Spandau).

Auf kürzere Fahrzeiten können sich auch Reisende freuen, die mit dem Zug von Berlin nach Cottbus oder in den Spreewald fahren wollen. Nach einer mehr als einjährigen umfassenden Modernisierung der Bahnstrecke können die Züge zwischen Königs Wusterhausen und Lübbenau mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometer pro Stunde fahren (bisher120 km/h). Die Fahrzeit nach Cottbus, an deren Technischen Universität auch viele Berliner lehren und studieren, verkürzt sich dadurch nach Bahnangaben um rund 20 Minuten auf nunmehr eine Stunde und neun Minuten.

Getrübt werden diese Angebotsverbesserungen von der gleichfalls ab Sonntag geltenden Fahrpreiserhöhung. Demnach verteuern sich die Bahntickets im Fernverkehr um durchschnittlich 3,9 Prozent. Auch die Preise für Sitzplatzreservierungen und Bahncards steigen. Die Fahrpreise für BVG, S-Bahn und Regionalzugverkehr innerhalb des VBB-Tarifbereichs sind davon nicht betroffen. Eine Preiserhöhung im Verkehrsverbund ist zwar bereits im Gespräch, soll aber frühestens Mitte nächsten Jahres in Kraft treten.