Stellplätze

Friedrichshain bekommt zwei neue Parkzonen

Aufgrund des geplanten Umbaus der Warschauer Straße fallen im kommenden Jahr zahlreiche Stellplätze weg. Deswegen sollen westlich und östlich des Boxhagener Platzes zwei neue Parkzonen entstehen. Für die Anwohner sind Vignetten geplant.

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Kein freier Parkplatz am Abend, viele Fahrzeuge, die in zweiter Reihe halten, und noch mehr Autos, deren Fahrer langsam und suchend durch die engen Straßen fahren: Im Kneipenkiez rund um die Simon-Dach-Straße in Friedrichshain geht es ähnlich zu wie in anderen Szenegegenden. „Wenn man mit dem Kinderwagen oder dem Fahrrad die Straße überqueren will, kommt man oft nicht durch“, sagt Schmuckdesignerin Marina Neumann, deren Laden „Suparina“ an der Niederbarnimstraße liegt. Noch lassen Autofahrer ihr Fahrzeug kostenlos in den Straßen stehen, doch das bleibt nicht so.

Warschauer Straße wird umgebaut

Friedrichshain soll zwei neue Parkzonen bekommen: westlich und östlich des Boxhagener Platzes. Betroffen sind die belebten Straßen mit den Cafés, Restaurants und Läden, aber auch Straßen, in denen weniger Betrieb herrscht. Wenn das Parken etwas kostet, dann kommen mehr Besucher mit dem Fahrrad, der Straßenbahn, U- oder S-Bahn – darauf hoffen die Planer im Bezirksamt. Die Einzelheiten zur künftigen Parkraumbewirtschaftung werden zurzeit zwischen mehreren Ämtern abgestimmt. Eine sogenannte Machbarkeitsstudie ist bereits angefertigt. Sie hat eine Fläche mit rund 8800 Stellplätzen untersucht. Betroffen ist das Gebiet südlich der Frankfurter Allee, zwischen Ostkreuz und Warschauer Straße. Geprüft wird auch, ob einige Straßen in Richtung Ostbahnhof mit einbezogen werden. Aktueller Anlass ist der geplante Umbau der Warschauer Straße. Dort verschwinden im nächsten Jahr etwa 100 Stellplätze, weil links und rechts am Fahrbahnrand breite Radstreifen angelegt werden. Erwartet wird, dass dann Autofahrer auf die Seitenstraßen ausweichen, die ohnehin schon zugeparkt sind. Beginn der Bauarbeiten werde im Spätsommer 2012 sein, sagt Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne). Zu dieser Zeit wolle man einen Anfang in der Parkraumbewirtschaftung machen. Auf rund 2,5 Millionen Euro werden die Kosten für die Einführung der Parkzonen geschätzt. „Wir wollen bei diesem Vorhaben nicht draufzahlen.“, so Panhoff. Es solle wirtschaftlich sein, auch wenn keine hohen Einkünfte durch Knöllchen einkalkuliert werden.

Über Kosten wird noch beraten

Neun Monate Vorlauf seien erforderlich, um die Parkraumbewirtschaftung einzuführen, meint Wirtschaftstadtrat Peter Beckers (SPD). Das Ordnungsamt werde rund 40 neue Mitarbeiter für die Kontrollen benötigen. Sie müssten zunächst für ihre Aufgaben geschult werden. „Ich hoffe, dass wir Außeneinstellungen vornehmen dürfen“, so der Stadtrat. Anwohnervignetten werden Beckers zufolge etwa 20 Euro kosten: „Wir wollen mit den neuen Parkzonen nicht möglichst viel Geld verdienen, sondern eine Regelung finden, die sinnvoll für die Anwohner ist.“

Parkscheinautomaten am Boxhagener Platz – dieses Vorhaben scheiterte vor Jahren am Widerstand der Anwohner. Jetzt könne es gelingen, weil eine größere Fläche betroffen sei, sagt Baustadtrat Panhoff. Wie viel der Parkschein kosten soll, darüber beraten die Ämter noch. „Es gibt unterschiedliche Auffassungen“, sagt Panhoff. Er sei dafür, dass auf einem großen Teil der Flächen eine Stunde Parken einen Euro kosten solle. Unmittelbar an den „Hot Spots“, wie am Boxhagener Platz, sei ein höherer Betrag vorstellbar. Dort könne auch länger kontrolliert werden. „Die Leute sollen nicht mit dem Auto zur Kneipe kommen“, sagt Panhoff.

Schleichverkehr befürchtet

Auch Rainer Wahls, Sprecher vom Stadtteilbüro Friedrichshain, sagt: „Im Boxhagener Kiez geht es so nicht mehr weiter.“ Wenn es auf der Warschauer Straße keine Parkplätze mehr gebe, dann sei ein Schleichverkehr in den angrenzenden Straßen zu befürchten. „Da muss eine Regelung her.“ In einigen Gebieten könne man auch über reines Anwohnerparken nachdenken, ohne dass es zu Nachteilen für Gewerbetreibende komme. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie und verschiedene Lösungen für das Parkplatzproblem sollten öffentlich diskutiert werden, auch wenn die Ämter noch nicht über alle Einzelheiten entschieden haben, meint Wahls. Das Stadtteilbüro lädt am Donnerstag um 18.30 Uhr zu einer Informationsveranstaltung im Dathe-Gymnasium, Helsingforser Straße 13, ein.