Hauptstadtflughafen BER

Wie Anwohner vor Lärm geschützt werden sollen

Ab 2012 wird es laut in Schönefeld: Im Juni wird der neue Großflughafen BER eröffnet. Um den Anwohnern den gröbsten Lärm zu ersparen, fordert eine Wohnungsbaugesellschaft spezielle Lüftungsanlagen. Der Flughafen will diese aber nicht bezahlen.

Foto: Massimo Rodari

Thomas Bachmann ist auf die Flughafengesellschaft unter der Regie des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg nicht besonders gut zu sprechen. „Während sich der Bund für 300 Millionen Euro ein Regierungsterminal leistet, Berlin und Brandenburg sich jeweils ein Schloss bauen, wird der einfache Bürger mit dem Primitivsten abgefunden“, empört sich Bachmann. Als Geschäftsführer der Wohnungsverwaltung- und Baugesellschaft Blankenfelde (Wobab) will er, dass die Flughafengesellschaft für die 668 Wohnungen im Bestand seiner Gesellschaft den Einbau von Be- und Entlüftungsanlagen nach neuestem Stand der Technik finanziert.

Denn wenn in einem halben Jahr der Hauptstadtflughafen eröffnet wird, werden die Anlieger am Zossener Damm in Blankenfelde nach Bachmanns Darstellung die Fenster nicht mehr öffnen können. „Alle 30 Sekunden wird bald ein Flieger vorbeidonnern“, sagt er, „und wer hier wohnt, kann den Flugpassagieren auf die Tabletts gucken“.

Musterwohnen mit Belüftung

Im zweiten Stock des schlichten Wohnblocks hat die Wobab eine Musterwohnung. Hier ist alles so, wie sich Bachmann den Schallschutz für seine Wohnungen im künftig noch mehr fluglärmgeplagten Blankenfelde-Mahlow vorstellt: Die Luft ist angenehm, eine oberhalb des Fensters installierte Be- und Entlüftungsanlage sorgt für ständige Frischluft.

Trotzdem zieht es nicht. An das sehr leise Betriebsgeräusch werde man sich mit der Zeit gewöhnen, sagt Bachmann. „Es klappt so gut, dass man eigentlich gar keine Griffe mehr an den Fenster anbringen bräuchte“ meint er. Wer wolle schon die Fenster öffnen, wenn einem die Maschinen fast in die Wohnung flögen? „Ein Problem würde bleiben“, überlegt Bachmann laut, „wie soll der Mieter dann die Fenster von außen putzen?“

Streit um bestmögliche Lüftung

Für Bachmann ist es „eine Selbstverständlichkeit, dass die Flughafengesellschaft für die bestmögliche Belüftung der Wohnungen sorgt. Diese ist bislang nicht bereit, die Lüftung mit Wärmerückgewinnung zu bezahlen. Bei den genehmigungsfähigen Lüftern handelt es sich laut Flughafengesellschaft um Schalldämmlüfter, die beim passiven Schallschutz bereits bundesweit zum Einsatz kommen. Diese Lüfter übernähmen die Funktion des gekippten Fensters und gewährleisteten die „ordnungsgemäße Zufuhr von frischer Außenluft“. Eine Wärmerückgewinnung sei nicht vorgesehen, zumal die notwendigen Geräte laut seien und unausgereift.

Die Wohnungsgesellschaft hat auch ein Standard-Gerät in die Musterwohnung gestellt. Es sieht aus wie ein kleiner Wasserboiler. Das käme dann nach den Vorstellungen der Flughafengesellschaft in jedem Wohnraum an die Wand. „Nicht geklärt ist, wo dabei die Abluft bleibt“, sagt Bachmann. Die Anlage, die er in die mehr als 600 Wohnungen einbauen möchte, sorge hingegen für ständigen Austausch. Und sie erwärme die von außen kommende Luft. „Das bedeutet eine hohe Energieersparnis, so Bachmann. Wie es aussehe, müsse der Mieter die Stromkosten zahlen, die durch die Entlüftungsanlage entstehen. Laut Bachmann laufen die Mietervereine Sturm dagegen.

Lüftungsanlagen sollen ab April eingebaut werden

Am 2. April will die Wohnungsgesellschaft mit dem Einbau der Lüftungsanlagen beginnen – die Frage ist nur, mit welchen. Nach Ansicht Bachmanns verstößt die von der Flughafengesellschaft genehmigte Anlage gegen Bauvorschriften und Energie-Standards, was hohe Bußgeldauflagen zur Folge haben könnte. „Nicht die Flughafengesellschaft haftet dann, sondern der Hauseigentümer“, sagt Bachmann. Er hat schon viele Interessierte durch seine 65 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Musterwohnung geführt. Allen voran natürlich die 32 Mieter im Haus. Es waren aber auch die Bürgerinitiativen hier und der Infrastrukturausschuss des Landtags.

Nun ist die CDU da – Landeschefin Saskia Ludwig, der Wirtschaftsexperte Rainer Genilke und Michael Wollny vom Ortsverband. Sie sitzen auf Stühlen in engen Reihen im künftigen Schlafzimmer und hören Bachmann fast zwei Stunden aufmerksam zu. Die Besucher können es kaum glauben, dass die Wohnungsbaugesellschaft keine Probleme hat, ihre Wohnungen zu vermieten. „Bei uns herrscht kein Leerstand“, sagt Bachmann. „Wir rechnen auch nicht damit, wenn der Flughafen eröffnet ist.“ Die Älteren würden nicht weg wollen. Die Jüngeren hoffen auf Jobangebote durch den neuen Flughafen.

Kritik auch CDU und Grünen

Einen Erfolg hat er schon errungen: Die Flughafengesellschaft finanziert Schallschutzfenster nur in den Aufenthaltsräumen. Dazu zähle eine Küche nur, wenn sie größer als zehn Quadratmeter ist.

Bachmann konnte jedoch nachweisen, dass seine Mieter in der Küche auf 8,75 Quadratmeter Tisch und Stühle aufgestellt haben. Nun will die Flughafengesellschaft zahlen. Nicht nur die Landes-CDU, auch die Grünen kritisieren, dass beim Einbau von Lüftern ohne Wärmerückgewinnung nur Mindeststandards eingehalten werden. Diese führen zu höheren Heizkosten.

In der nahegelegenen Kita Blausternchen in Dahlewitz sind Entlüftungsanlagen schon seit Monaten in Betrieb. Kita-Leiterin Karin Henze: „Wir sind zufrieden.“ Die Flughafengesellschaft erstattete hier die Kosten für die Schallschutzfenster und für die Lüftung. Niemand aber weiß, wie es wird, wenn die Kinder nach Eröffnung des Flughafens draußen spielen. Für eine lärmmindernde Überdachung ist laut Planfeststellungsbeschluss kein Geld von der Flughafengesellschaft vorgesehen.

Mehr Informationen zum Flughafen Berlin Brandenburg gibt es in unserem Schwerpunkt zum Flughafen BER .