Anmeldung in Mitte

Eltern weichen auf Privatschulen aus

Während die Papageno-Schule in Alt-Mitte mit Anmeldungen überhäuft wird, wollen viele Eltern ihr Kind nicht an die Vineta-Grundschule in Wedding schicken. Die Vorbehalte gegenüber Brennpunktschulen sind nur schwer abzubauen.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

In der Turnhalle der Papageno-Grundschule in Alt-Mitte geht es an diesem Montagnachmittag hoch her. Drei Schülermannschaften treten gegen drei Mannschaften der Weddinger Vineta-Grundschule im Fußball an. Die Stimmung ist ausgelassen, der Umgang untereinander ist fair. Am Ende sind es die Weddinger, die zwei Siegerpokale mit nach Hause nehmen können. Der dritte Pokal geht an die Mädchenmannschaft der Gastgeberschule.

Eltern der Papageno-Grundschule haben die Freundschaftsspiele organisiert. Ihr Ziel ist es, Berührungsängste zwischen Schülern und Eltern der beiden Einrichtungen abzubauen. Holger Kulick von der Gesamtelternvertretung der Papageno-Schule sagt, dass das gegenseitige Kennenlernen gefördert werden soll. Schließlich gehörten beide Schulen zu einem Einzugsgebiet. „Vielleicht melden im kommenden Jahr mehr Eltern, die jenseits der Bernauer Straße im ehemaligen Bezirk Mitte wohnen, ihre Kinder an der Vineta-Schule an“, sagt Kulick.

Bisher hat genau das nicht geklappt. Und auch im kommenden Schuljahr dürfte es wieder erhebliche Probleme geben. Die Schulleiterin der Papageno-Grundschule, Brigitte Stemmler, betont zwar, dass ihre Schule dieses Mal nicht doppelt so viele Anmeldungen wie Plätze habe – viele Eltern seien an Privatschulen ausgewichen; eine Übernachfrage werde es dennoch wieder geben. Mindestens 20 Kinder würden wahrscheinlich abgewiesen werden müssen.

An der Heinrich-Seidel-Grundschule in Gesundbrunnen sind dagegen laut Schulleiterin Cornelia Flader nur etwa 50 Kinder angemeldet worden. Dabei stehen den künftigen Erstklässlern dort 100 Schulplätze zur Verfügung. Flader bedauert, dass zum Tag der offenen Tür vor ein paar Wochen kaum Eltern gekommen sind, um sich die Schule anzuschauen. Die Vorurteile gegenüber Brennpunktschulen seien offenbar groß, sagt sie. Dabei würden ihre Kollegen gute Arbeit leisten und ein angenehmes Klima an ihrer Schule herrschen.

Ähnlich sieht das die Schulleiterin der Vineta-Grundschule, Katrin Baumhöver. „Wir sind eine gute Schule“, sagt sie. Trotzdem hätten rund 23 Familien, die in unmittelbarer Nähe der Vineta-Schule wohnen, ihre Kinder in Alt-Mitte angemeldet.

Das Problem ist nicht neu. Schon in den vergangenen Jahren sind an Grundschulen in Gesundbrunnen, Wedding und Moabit Schulplätze frei geblieben, während die Papageno-Schule, die Schule am Koppenlatz und die am Arkonaplatz nicht wussten, wohin mit all den Schülern. Viel zu viele waren bei ihnen angemeldet worden.

Filial-Lösung ist fragwürdig

Das Schulamt hatte daraufhin mehrere Grundschulen zu einem Einzugsbereich zusammengefasst. Auf diese Weise haben die Eltern zwar eine größere Wahlmöglichkeit, können andererseits aber auch eine Schule in Wedding, Gesundbrunnen oder Moabit zugewiesen bekommen, wenn an ihren Wunschschulen in Alt-Mitte keine Plätze mehr frei sind. Das Verfahren ist umstritten. Viele Eltern haben geklagt und doch noch einen Platz an ihrer Wunschschule erhalten.

Mittes neuer Bildungsstadtrat Ulrich Davids (SPD) kündigte kürzlich an, die Wogen zu glätten. Der Papageno-Grundschule, die bereits aus allen Nähten platzt, hat er jetzt vorgeschlagen, eine Filiale in der Schule am Zillepark aufzumachen. Die Sonderschule befindet sich ebenfalls in der Bergstraße, etwa zehn Minuten Fußweg von der Papageno-Schule entfernt. Elternvertreter Kulick kann sich allerdings nicht vorstellen, dass dieser Vorschlag von den Lehrern und Eltern als Lösung akzeptiert wird. Die hoffen, dass ein Anbau an die Papageno-Schule realisiert werden kann. Pläne dazu gibt es bereits. Allerdings fehlt dem Bezirk das nötige Geld.