Neues Wahrzeichen

Technikmuseum erhält riesiges Rotorblatt

Ein 44 Meter langes und sieben Tonnen schweres Rotorblatt steht seit Mittwoch vor dem Deutschen Technikmuseum in Berlin. Der Transport und der Aufbau waren nicht nur eine logistische Herausforderung.

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Rotorblatt für das Technikmuseum

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Seit Mittwoch ist das Deutsche Technikmuseum in Kreuzberg um eine Attraktion reicher. Auf dem Außengelände am Tempelhofer Ufer an der Ecke Möckernstraße wurde am Vormittag in einer mehrstündigen spektakulären Aktion ein Rotorblatt einer Windkraftanlage mit zwei Kränen aufgestellt. Das in den Himmel ragende Rotorblatt ist 44 Meter lang und knapp sieben Tonnen schwer. Es dient zugleich als Skulptur und Werbeträger für die Sonderausstellung „Windstärken“ mit dem Thema Wind und seine Energie.

„Der aufgerichtete Flügel mit seinen enormen Ausmaßen wird für das Technikmuseum eine ähnliche Wirkung und Anziehungskraft haben, wie der Rosinenbomber, der außen hängt“, sagt Projektleiter Reiner Schipporeit. „Das Rotorblatt ist das I-Tüpfelchen für unsere Ausstellung.“

50 Meter langer Truck

Dienstagabend, zwölf Stunden zuvor in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz). Auf dem Firmengelände des Windenergieanlagenherstellers Vesta. Das „I-Tüpfelchen“ liegt festgezurrt auf einem Lkw-Auflieger mit Überlänge. Fahrer Kare Meier macht einen Rundgang um das Fahrzeug, kontrolliert die Beleuchtung, zieht und zerrt an jedem Befestigungsgurt. Knapp 50 Meter sind Zugmaschine, Auflieger und die Ladung lang. Dann zieht er sich hinauf in die Fahrerkabine und startet den 580-PS-starken Motor. Es ist 23 Uhr und vor dem Konvoi liegen rund 150 Kilometer bis nach Berlin-Kreuzberg. „Den Tempomat habe ich auf 87 Kilometer in der Stunde eingestellt, den Abstandsassistenten auf 100 Meter“, sagt der Däne. Seit Jahren fährt er außergewöhnliche Großraum- und Schwertransporte durch Europa. Vor der Abfahrt haben Beamte der Brandenburger Polizei Lkw, Papiere und Fracht kontrolliert. Mit eingeschaltetem Blaulicht fahren sie an der Spitze des Konvois. Direkt vor und hinter dem Lkw fahren Begleitfahrzeuge mit gelben Signallampen und einschaltbaren Verkehrszeichen. In weiteren Fahrzeugen sind Mitarbeiter des Museums und des Herstellers auf dem Weg nach Berlin.

Nach wenigen Kilometern auf der Landstraße ist die Autobahn erreicht. Im Kriechtempo geht es auf die A13. Gelb und blau blinkende Lichter machen den Konvoi schon von Weitem sichtbar. Dennoch gibt es Autofahrer, die mit überhöhter Geschwindigkeit an der Kolonne vorbeirasen. Nur an Baustellen ist das Passieren für andere Fahrzeuge nicht möglich. „Hier wird es so eng, dass wir die Spuren blockieren, damit keiner überholen kann“, sagt Peter Malohn, Fahrer eines Begleitfahrzeuges. Mit einem Knopfdruck schaltet er das Überholverbot-Schild ein. Schnell bildet sich hinter dem Konvoi ein Stau. Nach der Baustelle gibt er den linken Fahrstreifen wieder frei. Dieser Vorgang wiederholt sich einige Male in dieser Nacht.

30 Minuten nach Mitternacht, rund 80 Kilometer vor Berlin, fährt Meier seinen Lkw auf einen Rastplatz in der Nähe von Bestensee. Dort warten drei Beamte der Berliner Polizei in drei Fahrzeugen. Es sind Mitarbeiter des Verkehrsdienstes der Direktion 5. „Wir sind zwar noch in Brandenburg, aber das hier ist der letzte große Rastplatz, auf dem wir alles kontrollieren können“, sagt Polizeioberkommissar Andreas Linack. „Ab hier übernehmen wir die Verantwortung für den Transport bis nach Berlin.“ Sie checken Führerschein, Fahrzeug- und Frachtpapiere sowie die Lenk- und Ruhezeiten des Fahrers. Mit Maßbändern messen sie die Breite und Länge, kontrollieren die Beleuchtung und die Befestigung der Fracht. Erst dann bewegt sich der Konvoi wieder Richtung Berlin.

Quer über die Mittelinsel

Zwei Uhr nachts. Autobahnausfahrt Tempelhofer Damm. Mit Blaulicht und einem kurzen Einsatz des Martinhorns setzen die Beamten die Gesetze der Ampeln außer Kraft. Nichts geht mehr. Trotz der frühen Stunde stehen wenig später Nachtbusse der BVG und andere Fahrzeuge vor einer gesperrten Kreuzung. Für den Brummifahrer beginnt jetzt konzentrierte Arbeit. Vor, zurück, mit dem Truck quer über eine Mittelinsel – immer wieder steigt er aus und hält Rücksprache mit den Fahrern der Begleitfahrzeuge. Auch mit Hilfe eines Funkgerätes kommunizieren sie. Mit einer Art Fernbedienung kann er die hinteren Achsen des Aufliegers bewegen. So verkleinert er den Radius beim Rangieren. Nach rund 20 Minuten ist es geschafft.

Die Fahrt geht weiter Richtung Mehringdamm. Dann nach links auf das Hallesche Ufer. Das Ziel bereits im Blick, wird die Fahrt an der Potsdamer Brücke unterbrochen. Dort sollte der Lkw wenden und das Tempelhofer Ufer entlang zum Museum fahren. Eine erst vor wenigen Tagen eingerichtete Baustelle macht diese Pläne zunichte. In der Streckenplanung ist die Baustelle nicht verzeichnet. Nach Begehungen auf der Brücke entscheiden sich die Verantwortlichen für die Weiterfahrt bis zur Klingelhöferstraße. Von dort geht es dann über das Schöneberger und das Tempelhofer Ufer zum Ziel. Um 3.20 Uhr ist das überlange Gefährt mit dem Rotorblatt eingetroffen.

Mittwoch, 7 Uhr. Arbeiter treffen Vorbereitungen für den Aufbau. Wieder ist Meier gefragt. Er fährt das Rotorblatt unter die Befestigungsgurte der Kräne. Erst nach 11 Uhr steht das Rotorblatt aufrecht. Es ist eine Präzisionsarbeit für die Kranführer. Arbeiter befestigen das Blatt mit 90 Stahlbolzen mit jeweils einem Durchmesser von drei Zentimetern in einem speziell angefertigten Stahl-Beton-Fundament. „Jetzt werden die wahren Dimensionen einer Windkraftanlage, die die meisten nur aus der Ferne kennen, deutlich“, sagt Schipporeit. „Ich bin begeistert und freue mich, dass wir unsere Idee umsetzen konnten.“

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