Bildung

Berliner mit Deutschem Lehrerpreis geehrt

Der Spandauer Pädagoge Ralf Krüger wurde von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet. Vorgeschlagen hatte ihn eine Schülerin, das Urteil fällte eine Jury aus Bildungsexperten.

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Der Spandauer Pädagoge Ralf Krüger wurde von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Deutschen Lehrerpreis geehrt. Vorgeschlagen hatte ihn eine Schülerin, das Urteil fällte eine Jury aus Bildungsexperten.

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Ralf Krüger ist eher ein unauffälliger Typ. Jeans, Pullover, spärliches Haar. „Cool ist jedenfalls nicht das Adjektiv, das auf dem ersten Blick zu ihm passt“, schreibt Laura Morgenstern, Schülerin der 12.Klasse, die den Pädagogen der Waldorfschule Havelhöhe für den Deutschen Lehrerpreis vorgeschlagen hat. Am Mittwoch bekam Ralf Krüger zusammen mit 15 weiteren Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet von Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich die Urkunde samt Trophäe fürs Lehrerzimmer überreicht. Insgesamt wurden von den Schülern fast 3000 Pädagogen für den Preis vorgeschlagen. Er wird vom Deutschen Philologenverband und der Vodafone-Stiftung vergeben. Eine hochkarätig besetzte Jury von Bildungsexperten hat recherchiert und die besten von ihnen ausgewählt.

"Macht nicht auf Alleswisser"

Der ganze Rummel ist eigentlich nicht Ralf Krügers Sache. Schließlich sieht er sich selbst eher als den „Fehlbaren“. Gerade diese Eigenschaft wird von der Schülerin in dem Bewerbungsschreiben für den Lehrerpreis herausgestrichen. Krüger mache nie einen auf Alleswisser, obwohl er ein unglaubliches Wissen habe, heißt es über ihn.

Der 49 Jahre alte Lehrer hat eigentlich Kunstgeschichte und Philosophie studiert. Erst vor etwa zehn Jahren ist er als Quereinsteiger zum Lehrerberuf gekommen. Vorher hatte er vor allem in der Museumspädagogik gearbeitet und darüber seine Leidenschaft für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entdeckt. Sein Hobby sind asiatische Kampfsportarten. Nach einer Weiterbildung als Waldorflehrer hat er zunächst in Baden-Württemberg an einer Schule gearbeitet, weil im Land Berlin seine Lehrbefähigung nicht anerkannt wurde. Seit nunmehr sieben Jahren unterrichtet er Deutsch, Geschichte, Kunstgeschichte, Politische Weltkunde und Sport in der zehnten und zwölften Klasse der Spandauer Waldorfschule.

Viele seiner Schüler bezeichnen ihn als Lieblingslehrer. Dabei mutet er ihnen einiges zu. Im Deutschunterricht der zehnten Klasse müssen die Schüler zu Beginn der Stunde aufstehen und zwei Gedichte aus dem Nibelungenlied auf Mittelhochdeutsch rezitieren. Das Leistungsniveau in der Klasse ist breit gefächert, vom Hauptschulniveau bis zur Gymnasialbefähigung. Die Teenager murmeln mehr schlecht als recht den Text. Fast beiläufig bemerkt Krüger anschließend, dass es in dem Falkenlied um die Liebe zwischen den Geschlechtern und den Freiheitsdrang des Mannes geht. Und schon hat er die Klasse gepackt. Auch die vorlauten Jungs aus der letzten Reihe merken plötzlich auf und wollen mehr hören von dieser Geschichte.

„Ich dachte zuerst, oh Gott, das kann ja was werden, als wir mit dem Nibelungenlied begonnen haben“, sagt der 16-jährige Paul. Ein mittelalterliches Heldenepos sei nun mal nicht der Stoff, der die Jugendlichen hinterm Ofen hervorlocke. Doch jetzt könne er es kaum erwarten, die Übertragung von Franz Fühmann zu lesen. „Das wird spannend“, meint Paul.

Ohne viel Effekthascherei

Krüger schafft es, seine Schüler ohne viel Effekthascherei zu begeistern. „Die Unterrichtseinheiten zur Europakrise waren die spannendsten, die wir je hatten“, sagt Paul euphorisch.

Dabei ist das Rezept, mit dem der Lehrer bei seinen Schülern das Interesse weckt, denkbar einfach. „Ich liebe eben selbst die Sachen, die ich unterrichte“, sagt er. Das spürten die Schüler. Und er versuche selbst, immer dazuzulernen. „Wichtig ist, dass man selbst frische Erkenntnisse zu seinem Fachgebiet sammelt“, sagt er. Nur so könne man der Routine entgehen und auch nach zehn Jahren noch die Begeisterung für ein Thema ausstrahlen.

Seinen Unterricht gestaltet er mit verteilten Rollen. Mal ist er der Akteur, mal ist die Aktivität der Schüler gefragt. „Um die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, muss man die Stunde gut rhythmisieren, sagt er. Dafür habe auch er erst im Laufe der Berufsjahre als Lehrer ein Gefühl bekommen. Die Zehntklässlerin Janis hat ihr Interesse für Deutsch erst in der neunten Klasse entdeckt – als Ralf Krüger den Unterricht übernahm. „Vorher dachte ich, das liegt mir nicht, ich bin eben eher der Typ für Naturwissenschaften“, erzählt sie. Doch das habe sich geändert. Durch das Interesse an den Themen seien auch ihre Leistungen in dem Fach deutlich besser geworden. „Herr Krüger nimmt Rücksicht auf die schwächeren Schüler, er hört zu, wenn man Fragen hat, auch wenn es gar nicht um die Schule, sondern um persönliche Probleme geht“, sagt Janis.

Schon häufig habe er im Streit mit anderen Lehrern vermittelt. „Denn eigentlich sind wir eine schwierige und sehr unruhige Klasse“, sagt die Zehntklässlerin. Doch davon merkt man in dieser Deutschstunde mit ihrem Klassenlehrer nichts.