Disziplin

Die zehn Regeln des strengsten Rektors Berlins

Dank des Schulleiters Michael Rudolph hat die Friedrich-Bergius-Oberschule in Berlin-Friedenau wieder einen guten Ruf. Der Rektor setzt vor allem auf strenge Regeln und empfiehlt anderen Schulen, einen Regelkodex aufzustellen.

Foto: Marion Hunger

Noch vor sechs Jahren waren an der Friedrich-Bergius-Oberschule in Friedenau Schulschwänzerei und Gewalt unter Schülern an der Tagesordnung. Die Anmeldezahlen gingen mehr und mehr zurück, so dass der Bezirk im Jahr 2005 die Schließung der Schule in Erwägung ziehen musste. Dann übernahm Michael Rudolph die Schulleitung. Innerhalb kürzester Zeit gelang es ihm, die Sekundarschule zu einer von Eltern gefragten Einrichtung zu entwickeln, an der sich Schüler wie Lehrer wohl fühlen. Die Anmeldezahlen stiegen kontinuierlich. Für dieses Schuljahr gab es sogar deutlich mehr Anfragen als Plätze vorhanden waren. Die Schüler mussten ausgelost werden.

Michael Rudolph sagt, dass die Einführung eines Regelsystems diese Entwicklung in Gang gebracht hat. Jede Schule sollte sich einen solchen Regelkodex aufstellen, empfiehlt er. Das Wichtigste dabei sei jedoch, die Einhaltung dieser Regeln einzufordern und durchzusetzen. Rudolph nennt zehn Punkte, die für eine gute Schule Voraussetzung sind:

1. Leitbild: Jede Schule sollte sich ein großes Ziel stecken, mit dem sich möglichst alle Kollegen identifizieren können. Im Idealfall sollte der Schulleiter diese Vision zusammen mit den Lehrkräften entwickeln. Später sind dann auch die Eltern und Schüler einzubeziehen. Das Leitbild unserer Schule heißt: Leistung fordern; Sozialverhalten fördern; Berufsfähigkeit erreichen.

2. Straffe Planung und Organisation: Meine Kollegen bekommen vor den großen Ferien einen Jahresplan, der alle wesentlichen Termine für das ganze nächste Schuljahr enthält. Auch der Stundenplan für das neue Schuljahr steht bereits vor den Ferien fest. Selbst wenn wir keine 100prozentige Personalausstattung haben, machen wir diesen Plan.

3. Unterrichtsqualität entwickeln: Der Schulleiter muss seine Kollegen dazu anregen und ihnen dabei helfen, ihren Unterricht immer wieder in Frage zu stellen und weiterzuentwickeln. An unserer Schule hat die Diskussion über die Unterrichtsqualität beispielsweise dazu geführt, dass wir die tägliche Übung in Mathematik eingeführt haben, die in jeder Klasse gemacht wird. Das hat zu erstaunlichen Ergebnissen geführt.

4. Erziehungsregeln aufstellen: Aufgabe des Schulleiters ist es, diesbezüglich die Initiative zu ergreifen. Die Schulkonferenz, der Lehrer, Eltern und Schüler angehören, muss die Regeln bestimmen und verabschieden. Alle Kollegen sollten hinter diesen Regeln stehen und für deren Umsetzung sorgen.

5. Elternarbeit: Die Eltern müssen als Partner der Lehrer in die Arbeit der Schule einbezogen werden. Das bedeutet, dass sie über alles informiert werden. Bei Bedarf sollte die Schule Eltern um Unterstützung bitten und umgekehrt, den Eltern helfen, wenn diese es benötigen.

6. Leistungsprofil entwickeln: Jede Schule sollte sich einen oder mehrere Schwerpunkte für ihre Arbeit geben, damit sie sich von anderen Schulen unterscheidet. Wir haben uns für ein naturwissenschaftliches Profil entschieden, schon aufgrund des Namens unserer Schule. Friedrich Bergius war Nobelpreisträger im Bereich Chemie. Außerdem haben wir engagierte Deutsch- und Musiklehrer und deshalb einen Chor und eine Theater-AG. Neuerdings wird unser Profil auch durch das Schul- und Stadtteilmuseum bestimmt, das wir an unserer Schule eingerichtet haben und nach und nach erweitern wollen.

7. Das Schulgebäude gestalten: Das Schulhaus ist ein Lernort und für eine gewisse Zeit des Tages die Heimat von Schülern und Lehrern. Damit diese sich dort wohl und zu Hause fühlen, sollte es ordentlich gestaltet sein. Bei uns hat jede Klasse einen eigenen Ordnungsdienst, der am Ende des Unterrichts den Klassenraum ausfegt. Im Wechsel hat zudem jede Klasse eine Woche lang Ordnungsdienst auf dem Hof.

8. Hilfe sinnvoll nutzen: Jede Schule muss sicherstellen, dass zusätzliches Personal wie Sozialpädagogen oder Erzieher sehr gezielt eingesetzt wird. Wir haben zum Beispiel unsere Sozialpädagogin damit beauftragt, sich um einzelne Schüler zu kümmern, die besondere Schwierigkeiten haben.

9. Aktive Personalführung: Die Lehrer sind das Wichtigste an jeder Schule. Sie sind diejenigen, die sich unmittelbar um die Schüler kümmern. Der Schulleiter sollte bemüht sein, jeden Kollegen dort einzusetzen, wo seine Talente liegen. Lob und Anerkennung sollten unbedingt zur Schulkultur gehören.

10. Vernetzung: Jede Schule sollte sich möglichst viele Partner aus ihrer unmittelbaren Umgebung suchen und sich in ihrem Stadtteil gut vernetzen. Dann wird es in vielen Bereichen ein gegenseitiges Geben und Nehmen geben können. Wir haben zum Beispiel enge Kontakte zu einer Bank in unserer Nähe, die uns oft auch finanziell hilft. Auch zu verschiedenen Betrieben pflegen wir einen engen Kontakt. Das hilft Schülern bei der Suche nach Praktika.