Sozialverhalten

An Berliner Schulen geht Trend zu strengen Regeln

Vor allem in sozialen Brennpunkten der Hauptstadt setzen Lehrer und Schulleitung auf strikte Verhaltensregeln. So soll die Gewaltbereitschaft der Schüler eingedämmt und die Lernbereitschaft gesteigert werden.

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Auf strenge Verhaltensregeln für Schüler setzen in jüngster Zeit immer mehr Berliner Schulen. Vor allem in sozialen Brennpunkten setzen Lehrer und Schulleitung auf strikte Vorschriften. Mit Erfolg: Ein prominentes Beispiel ist die Heinrich-Mann-Schule in Neukölln. Dort hat es sich Rudolf Kemmer, der seit Beginn dieses Schuljahres die Schule leitet, zum Ziel gesetzt, das Sozialverhalten seiner Schüler zu stärken. „Wir wollen jetzt Verhaltensregeln aufstellen, die Lehrer entsprechend fortbilden und etliche Schüler zu Mediatoren ausbilden“, sagt er.

Erst im Juni dieses Jahres hatte sich das Kollegium der Heinrich-Mann-Schule in einem Brandbrief an Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) über zunehmende Gewaltbereitschaft und Respektlosigkeit der Schüler beklagt. Schulleiter Kemmer hat daraufhin eine Zukunftskonferenz an der Schule einberufen, zu der vor wenigen Tagen Schüler, Lehrer und Eltern eingeladen waren. Alle haben sich dafür ausgesprochen, Verhaltensregeln zu erarbeiten.

Auch die Herbert-Hoover-Sekundarschule in Wedding hat bereits vor fünf Jahren durch einen Verhaltenskodex die Wende von der Problemschule zur Vorzeigeschule vollzogen. In die Schlagzeilen geriet die Schule durch die Einführung der Deutschpflicht auf dem Schulhof per Hausordnung. Lehrer, Schüler und Eltern hatten sich gemeinsam für die Pausenregel ausgesprochen. Inzwischen ist das Regelwerk zu einem Katalog angewachsen. Damit die Schüler die Übersicht behalten, stehen alle Grundsätze in einem eigens für die Schule gedruckten Hausaufgabenheft.

Sieben Regeln für den Unterricht

Allein für die Unterrichtsstunde gibt es sieben Regeln. So muss, wer fünf oder mehr Minuten zu spät kommt, bis zum Ende der Stunde draußen warten, damit der Unterricht nicht gestört wird. Zu Beginn der Stunde müssen die Schüler in ordentlicher Haltung an ihrem Platz stehen. Die Arbeitsmaterialien haben auf dem Tisch zu liegen. Es gibt Regeln für den Raumwechsel in den kleinen Pausen, zum Verhalten auf dem Hof in den großen Pausen, zur Toilettenbenutzung und zur Führung des Hausaufgabenheftes. Selbst scheinbar banale Dinge wie „Die Jacken sind am Garderobenhaken aufzuhängen“ sind dort festgehalten.

Das habe nichts mit militärischem Drill zu tun, die Schüler müssten die Umgangsregeln lernen, um in der Berufswelt bestehen zu können, sagt Schulleiter Thomas Schumann. Auch er, der eher im Geist der 68er-Bewegung Pädagoge geworden sei, habe zunächst umdenken müssen. Schließlich galt das Einfordern von Disziplin und Ordnung lange als konservativ. Heute sieht er das anders. Die klaren Regeln seien wichtig, um eine Lernbereitschaft herzustellen. Die Schüler sehen es offenbar ähnlich. Die Nachfrage nach den Plätzen an der Schule ist inzwischen größer als das Platzangebot.