6 Kilo

Deutschlands schwerstes Baby ist ein Berliner

Ein ganz schönes Paket: Mehr als sechs Kilo wog der Junge, der am Mittwoch in der Charité Berlin zur Welt kam - ohne Kaiserschnitt. Er ist das schwerste Baby, das je in Deutschland geboren wurde - für seine Mutter Kind Nummer 14.

Foto: Michael Brunner

Die Maße dieses Babys sind überragend: 6080 Gramm brachte der neugeborene Junge auf die Waage, als er am Mittwoch in der Charité auf die Welt kam. Er ist 59 Zentimeter groß, sein Kopfumfang misst 39 Zentimeter. "Nach unseren Recherchen ist in Deutschland niemals zuvor ein so schweres Kind ohne Operation geboren worden", sagte Wolfgang Henrich, Chefarzt der Klinik für Geburtsmedizin am Campus Virchow - normal ist ein Gewicht von rund 3,5 Kilogramm.

Der 40-jährigen Mutter, die nach Charité-Angaben 240 Kilogramm wiegt, wurde Schwangerschaftsdiabetes attestiert. Eine Erkrankung, die häufig zu einem hohen Geburtsgewicht führt. "Das Kind entwickelt sehr viel Fett, weil seine Bauchspeicheldrüse viel Insulin produzieren muss, um mit dem hohen Zuckergehalt im Blut fertig zu werden", erklärt Chefarzt Henrich.

Er rät werdenden Müttern zum Glukose-Toleranztest. "Wird eine solche Krankheit früh erkannt, besteht eine gute Chance, ein normales Geburtsgewicht zu erreichen." Nach der Geburt nahm der große Säugling schnell wieder ab: Inzwischen wiegt er unter sechs Kilo.

In Berlin gebären Mütter immer schwerere Kinder. Von den jährlich 30 000 Neugeborenen sind inzwischen zehn Prozent übergewichtig, bringen über vier Kilogramm auf die Waage. "Das ist ein Trend, der zunimmt", bestätigt Charité-Kreißsaalärztin Elke Rodekamp, die auch bei dieser Entbindung dabei war. "Wir haben den Eltern zum Kaiserschnitt geraten", sagt Rodekamp. Bei dicken Babys bestehen Risiken: Kopf und Schultern können so groß sein, dass sie im Mutterleib steckenbleiben. Es kann zu Armlähmungen oder Gehirnverletzungen kommen.

Doch die Eltern bestanden auf einer natürliche Geburt. 13 Kinder hat die Frau bereits zur Welt gebracht, drei davon wogen nach der Entbindung über fünf Kilogramm. Auch diesmal hatte sie Glück: Sieben Stunden dauerte die Geburt, sie verlief ohne Komplikationen.

Der Vater, ein eingewanderter Libanese, nannte das 14. Kind der Familie Jihad. Einen religiösen Hintergrund, betont er, gebe es für diesen Namen nicht - er bedeutet auch "Anstrengung" oder "Bemühen" und ist etwa, in unterschiedlichen Schreibweisen, in der Türkei sehr häufig. Jihad wird mit neun Brüdern und vier Schwestern in Wedding aufwachsen. Derzeit suchen die Eltern nach einer größeren Wohnung.