Messe Berlin

So soll die Deutschlandhalle gesprengt werden

Die Deutschlandhalle galt einst als Meisterleistung der Ingenieursbaukunst. Am 3. Dezember wird nun erst das Dach des Gebäudes gesprengt - anschließend wird der Bau ganz abgerissen. Eine Abschiedsfeier wird es nicht geben.

Sang- und klanglos soll die Deutschlandhalle nach 76 Jahren aus dem Berliner Stadtbild verschwinden. Wie die Messegesellschaft jetzt angekündigte, wird am 3.Dezember das Dach des maroden Bauwerks gesprengt. Eine Abschiedsfeier für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude sei nicht geplant, sagte ein Sprecher. „Für die Messe ist das der Startschuss in die Zukunft.“ Das landeseigene Unternehmen will an gleicher Stelle bis 2013 für 65 Millionen Euro eine neue Messe- und Kongresshalle bauen. Der zweigeschossige Bau soll bis zu 9000 Besuchern Platz bieten und das Kongressgeschäft für Berlin in der Zeit sichern, wenn nebenan das asbestbelastete Internationale Congress Centrum (ICC) saniert wird.

Mit der Sprengung soll aber nicht die gesamte Deutschlandhalle, sondern nur das sogenannte Laternendach zum Einsturz gebracht werden. Die Konstruktion galt seinerzeit als Meisterleistung und wurde 2007 für die Auszeichnung „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ nominiert.

„Die Stahlträger mit dem Dach werden in drei Sekunden in sich zusammensacken“, sagte Messe-Sprecher Wolfgang Rogall. Statt eines großen Knalls werde es unter dem 6000 Quadratmeter großen Dach mehrere kleinere Explosionen geben – und dann vielleicht eine größere Staubwolke. Der genaue Zeitpunkt für die Dachsprengung steht noch nicht fest, das Areal wird dann weiträumig abgesperrt. Die Fassaden und das Mauerwerk im Innern bleiben stehen und werden in den nächsten Monaten nach und nach abgerissen. Wie lange das dauert, hängt vor allem vom Wetter der kommenden Monate ab. „Das soll aber möglichst zügig vonstatten gehen, denn wir wollen ja bis 2013 die neue Halle errichten“, sagte Rogall.

Wechselvolle Geschichte

Die 1935 eröffnete Deutschlandhalle hat eine lange, aber auch zwiespältige Geschichte. Errichtet als Sportstätte für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, nutzten die Nazis sie danach vor allem für ihre propagandistischen Massenveranstaltungen. Die 117 Meter lange und 83 Meter breite Stahlkonstruktion bot Platz für bis zu 10?000 Zuschauer; unter Ausnutzung aller Möglichkeiten passten sogar bis zu 16000 Menschen hinein. Bei einem Luftangriff der Alliierten im Januar 1943 zerstört, wurde die Halle nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Populär wurde sie vor allem als Veranstaltungsort für große Shows wie „Holiday on Ice“ oder „Menschen, Tiere, Sensationen“. Aber auch die Rolling Stones oder Queen gaben dort ihre Konzerte. Wegen Baufälligkeit wurde sie 1998 erstmals geschlossen. Auch danach gab es aber immer wieder Zwischennutzungen, unter anderem für die Eishockey-Jugend des EC Preußen.

Vor allem der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hatte mit Verweis auf den Denkmalstatus lange versucht, den Abriss der Deutschlandhalle zu verhindern. Der Senat befürwortete den Abriss jedoch wegen der anderenfalls hohen Sanierungskosten und setzte ihn dann gegen das Bezirksamt durch. Auch die Messe Berlin war für den Abriss, weil sie dringend mehr Ausstellungsfläche benötigt.