Deutsche Bahn

Bahnhof Zoo hat hohe Chancen auf Fernbahnhof

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Die Bahn reagiert auf den jüngsten Vorstoß von Rot-Schwarz, den Zoologischen Garten wieder als Fernbahnhof zu beleben, und prüft die Möglichkeiten. Bei der Entscheidung spielt nicht zuletzt ein privater Konkurrent der Bahn, der den Bahnhof Zoo ansteuern will, eine wichtige Rolle.

Die Wahrscheinlichkeit, dass am Bahnhof Zoo künftig wieder Fernzüge der Deutschen Bahn halten, ist gestiegen. „Was vor vier Jahren als richtig galt, muss heute nicht immer noch richtig sein. Wir prüfen das“, sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Mittwoch Morgenpost Online. Grube reagierte damit auf den jüngsten Vorstoß der Berliner SPD und der CDU . Diese hatten, wie berichtet, eine Wiederbelebung des für die City West so wichtigen Bahnhofs in ihren Koalitionsvertrag ausdrücklich mit aufgenommen.

Offenbar ist Grube nun ernsthaft bereit, von der harten Position seines Vorgängers Hartmut Mehdorn abzurücken. Dieser hatte – trotz vehementer Proteste der Berliner – verfügt, dass mit der Eröffnung des neuen, mehr als eine Milliarde Euro teuren Hauptbahnhofs am 28. Mai 2006 zeitgleich keine Intercity-Express (ICE) und anderen Fernzüge mehr am Bahnhof Berlin-Zoologischer Garten halten. Lediglich Regionalexpresszüge und die S-Bahn legen dort noch einen Zwischenstopp ein.

Konkurrent plant Zoo als Zielstation

Offiziell begründen die Verantwortlichen der Deutschen Bahn dies immer wieder mit der hohen Auslastung der Stadtbahn-Trassen. Deren Kapazität würde durch einen zusätzlichen Halt unnötig reduziert. Doch es ging der Bahn auch darum, den mehr als 80 Händlern, die sich in den Ladenpassagen des neuen Hauptbahnhofs für viel Geld eingemietet hatten, eine ausreichend hohe Kundenfrequenz zu sichern. Jeder Fahrgast, der im Bahnhof Zoo ein- oder aussteigt, geht dem Hauptbahnhof als potenzieller Kunde verloren. Inzwischen gelten die Geschäfte überwiegend als gut etabliert. Nur wenige wie die exklusive „Austernbar“ mussten bislang aufgeben.

Doch aus einem anderen Grund scheint die Bahn zu einem Einlenken bereit. Denn künftig will ein privater Konkurrent Verbindungen vom Rhein nach Berlin anbieten. Die Kölner MSM Gruppe plant, ab Ende kommenden Jahres drei Mal täglich die Linie Köln/Ruhrgebiet nach Berlin zu bedienen und dabei den Bahnhof Zoo als Zielstation anzufahren.

Bereits in einem Gespräch mit dem Deutschen Bahnkundenverband hatte Bahnchef Grube signalisiert, dass er den planmäßigen Halt von ICE- und IC-Zügen in Zoo prüfen lassen will. Allerdings nur in der Zeit zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens. Das wären allerdings weniger als eine Handvoll Züge. Um den Zeitverzug auszugleichen, sollen einige ICE dann nicht mehr in Spandau halten.

Diese Einschränkung hält der Fahrgastverband Igeb jedoch für falsch. „Solange die Anbindung des Hauptbahnhofs an das U-Bahn- und Straßenbahnnetz so schlecht ist, muss jeder Fernzug, der über die Stadtbahn fährt, auch im Bahnhof Zoo halten“, fordert Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Dies sei nicht nur Fahrgästen wichtig, die in der City West wohnen. „Der Bahnhof Zoo mit seinen exzellenten Anschlüssen zur U-Bahn und zum Busnetz der BVG ist für den gesamten Berliner Südwesten und auch für Potsdam wichtig.“

( do/fü )