Bandidos vs. Hells Angels

Berliner Polizei befürchet neuen Rockerkrieg

Nach den Schüssen auf einen Tattoo-Laden der Bandidos und einem Messerangriff auf ein Mitglied der Hells-Angels fürchten Ermittler eine Eskalation des wieder aufgeflammten Rockerkriegs: Der kommende Herbst könnte blutig werden.

Foto: Steffen Pletl

Die Schüsse auf zwei Geschäfte in Reinickendorf am Donnerstag stehen im Zusammenhang mit einem kurz zuvor erfolgten Messerangriff auf ein Rockermitglied der Hells Angels. Davon gehen Polizei und Staatsanwaltschaft aus. „Wir vermuten einen Zusammenhang beider Straftaten, deren Auslöser Streitigkeiten unter konkurrierenden Rockergruppen sein dürfte“, sagte der Sprecher Martin Steltner am Freitag.

Nach den Schüssen auf einen Tattoo-Laden und ein Bekleidungsgeschäft an der Provinzstraße hatte die Polizei drei Klubhäuser, zwei der Bandidos und eines der Hells Angels, sowie eine Wohnung durchsucht. 200 Beamte wurden dabei an der Residenzstraße, der Provinz- und an der Quickborner Straße bis spät in die Nacht eingesetzt. Ein 25-Jähriger wurde in seiner Wohnung festgenommen. Die Beamten konnten außerdem Schusswaffen sicherstellen.

Nach Morgenpost-Informationen war Christopher H. von den Hells Angels Berlin-City am Donnerstag mit Bandidos in Streit geraten und dann durch einen Messerstich in den Oberschenkel schwer verletzt worden. Nur knapp hatten die Angreifer dabei die Hauptschlagader seines Beins verfehlt. Die Täter entkamen. Nur eineinhalb Stunden später kam es in der Provinzstraße dann zum Gegenschlag mit Schüssen auf das Tattoo-Geschäft. Der Betreiber ist Micky Sch., auf dessen Laden sechs Schüsse abgegeben wurden, ist Oberhaupt der Berliner Bandidos. Er wurde nicht verletzt. Unmittelbar darauf wurden Schüsse auf den Bekleidungsladen „Gangxtas World“ abgegeben, das dem Vizepräsidenten der „United Rocker“ gehört. Diese Rockergruppe sympathisiert mit den Bandidos.

Hells-Angels-Mitglied Christopher H. ist der einzige Deutsche bei den Hells Angels Berlin-City unter der Führung von Kadir P., dem Überläufer, dessen Anhänger sich sonst aus türkischstämmigen Rockergruppenmitgliedern rekrutieren.

Ermittler der zuständigen Abteilungen im Landeskriminalamt befürchten nach den jüngsten Gewaltausbrüchen, dass in der Szene ein „blutiger Herbst“ zu befürchten ist. Die Untersuchungen der Beamten würden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft als „überaus schwierig“ gestalten. Selbst als Opfer schlimmer Anschläge ziehen Mitglieder der Rockergruppen das Schweigen vor und verweigern jede Aussage.