Rabatt-Aktion

BVG und S-Bahn buhlen um neue Stammkunden

Als letzte Entschuldigungsaktion für das Winterchaos bei der S-Bahn gibt es nun Rabatte für Stammkunden im Berliner Nahverkehr. Diese gelten auch für die BVG, auch wenn die S-Bahn dafür Millionen zahlt.

Foto: Joachim Schulz / Joachim Schulz/J. Schulz

Die S-Bahn Berlin und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) versuchen in diesen Tagen mit Plakaten, Hörfunkspots und Zeitungsanzeigen, sich gegenseitig bei der Werbung um neue Stammkunden zu überbieten. „Sparen Sie nicht am falschen Ende“, heißt es da großflächig bei der BVG. Und die S-Bahn verkündet, „Abonnenten fahren im November kostenlos“. Wer bis 10. Oktober 2011 einsteigt, kann – je nach Zahlweise – noch bis zu 72,92 Euro im Jahr gegenüber dem normalen Ticketpreis sparen, heißt es bei beiden.

Was wie eine gelungene Werbekampagne aussieht, ist in Wahrheit ein Ergebnis des letzten Winterchaos bei der S-Bahn. Weil bei Eis und Schnee viele der rot-gelben Züge verspätet oder gar nicht fuhren, hatte S-Bahn-Chef Peter Buchner im Februar eine mehrstufige Entschuldigungsaktion gestartet. So galten an Februar-Wochenenden Einzeltickets im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) gleich den ganzen Tag über, im Mai wurden dann die Monatskarten um jeweils 15 Euro billiger verkauft. Und zu guter Letzt dürfen nun die Abonnenten den November über kostenlos fahren. Diese Regelung gilt auch für diejenigen, die erst jetzt in einen Jahresvertrag einsteigen. Wer es also schlau anstellte, konnte gleich mehrfach von den S-Bahn-Entschädigungen profitieren.

So kostet jetzt eine Jahreskarte für Fahrten durch Berlin (VBB-Tarifgebiet AB) bei einmaliger Zahlung nur 618,75 Euro statt der üblichen 675 Euro. Wer auch noch ins brandenburgische Umland fahren will, spart 70,67 Euro bei Einmalzahlung und 72,92 Euro bei monatlicher Abbuchung. Doch auch das Schüler-, Geschwister- oder Auszubildenden-Ticket sowie das Abo 65plus für Senioren verbilligt sich um jeweils ein Zwölftel des regulären Preises.

Wer bereits ein Abo bei BVG oder S-Bahn hat, bei dem wird im November die Rate nicht eingezogen beziehungsweise bei vorheriger Einmalzahlung der anteilige Monatsbetrag aufs Konto zurück überwiesen. Bezahlt werden alle Rabatte am Ende von der S-Bahn, die allein für dieses Jahr mit Ausgaben von 38,5 Millionen Euro rechnet. Alle drei Entschuldigungspakete zusammen werden die Bahn-Tochter mehr als 145 Millionen Euro kosten.

Die Rabatte sorgen immerhin dafür, dass trotz eines schlechteren Angebots die Zahl der Stammkunden im öffentlichen Nahverkehr in Berlin stetig steigt. So hat die BVG inzwischen 307.000, die S-Bahn 178.000 Abonnenten. Die Werbeaktionen im Vorjahr bescherten den kommunalen Verkehrsbetrieben 15.000, der Bahn-Tochter 8000 neue Stammkunden. Für den Berliner Fahrgastverband Igeb ist diese Entwicklung ein starkes Argument gegen die für das kommende Jahr im VBB bereits diskutierten Ticket-Preiserhöhungen.