Bauprojekt

Der Fernsehturm wird saniert - mit Ostalgie

Der Berliner Fernsehturm am Alex bekommt ein neues Innenleben im DDR-Retro-Design – das allerdings kräftig aufgefrischt wird. Der neue Ost-Charme schlägt sich auch auf der künftigen Speisekarte nieder.

Wie sich die Zeiten doch ändern: 1996 wurde die klassische DDR-Einrichtung im Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz noch aufwendig auf West-Look getrimmt. 15 Jahre später heißt es nun: Zurück in die Zukunft, her mit dem Ost-Charme vergangener Zeiten. Rund 1,5 Millionen Euro, so Christina Aue, Geschäftsführerin im Berliner Fernsehturm, wird es kosten, das Interieur so zu gestalten, dass die auch von der Landesdenkmalbehörde geforderte Ostalgie wieder Einzug hält.

Holzpanele, neue Teppiche, neue Bar, neue Sanitärbereiche und vor allem neues Mobiliar für die Eingangshallen im ersten und zweiten Obergeschoss sowie für die Panorama- und die Restaurant-Etage in 203 beziehungsweise 207 Metern Höhe: „Wir werden wieder Holzpanele anbringen, warme Braun- und Sandtöne werden dominieren, Schwarz und Grau, Blau und Türkis fliegen genauso raus wie die vielen grellen Halogen-Spots“, so fasst Christina Aue den wichtigsten Design-Wandel zusammen. Das Retro-Design soll sich jedoch nur auf die Optik, nicht aber auf den Komfort und die Sicherheit erstrecken: „Da werden wir ganz auf der Höhe der Zeit sein, schließlich ist Sicherheit in dieser Höhe das oberste Gebot“, sagt die 46-Jährige, die seit 2007 den Gastronomie- und Servicebereich im Turm leitet.

Deshalb wird die Garderobe mit den vielen leicht entflammbaren Textilien aus der Panorama-Bar in das Foyer verlegt, die Klimaanlage wird komplett erneuert. Der Souvenirshop im Erdgeschoss wird jedoch den modernen Bedürfnissen angepasst: Statt wie bisher auf 25 Quadratmetern können Devotionalien mit Fernsehturm-Motiven jetzt auf 120 Quadratmetern erworben werden. Die unbequemen Drahtbänke fliegen raus, rote Sofainseln bieten den Wartenden deutlich mehr Sitzkomfort.

Die Bauarbeiten haben bereits vor zwei Wochen in der Eingangshalle begonnen und sollen in den kommenden Monaten in der Kugel in rund 200 Metern Höhe fortgesetzt werden. „Bei laufendem Betrieb“, wie die Geschäftsführerin betont. Im Januar soll dann die Panoramaetage samt Bar neu gestaltet werden, im Februar folgt das Dreh-Restaurant, das sich einmal in der Stunde um 360 Grad dreht. „Den Restaurantbetrieb müssen wir deshalb leider für zwei bis drei Wochen einstellen“, so Aue. Staub und Lärm machten dies unumgänglich. „Anfang März wird alles fertig sein“, verspricht sie.

Der neue Ost-Charme findet sich übrigens auch auf der Speisekarte wieder. Dort werden echte DDR-Klassiker wie „Steak au four“ und „Ragout fin“ aufgeführt. Für die ausländischen Gäste, die nach Auskunft Aues mittlerweile 40 Prozent der Besucher stellen, sei das kein Problem. Im Gegenteil: „Gerade solche eher nostalgischen Gerichte sind sehr beliebt“, sagt die Chefin. Selbstverständlich gebe es aber auch Pasta und Salate.

Nach der Umgestaltung wird es zwar mehr Raum für die Gäste geben, die Platzkapazitäten werden jedoch nicht erhöht. „Aus Sicherheitsgründen dürfen sich lediglich bis zu 320 Menschen gleichzeitig in der Kugel aufhalten“, so Aue. Das Restaurant in der Kugel, die an der breitesten Stelle einen Durchmesser von 32 Metern hat, sei dabei auf 200 Besucher limitiert, die Panoramaetage mit Berlins höchster Bar auf 120.

Kein Wunder, dass es deshalb immer wieder zu langen Wartezeiten vor dem Turm kommt. Hinauf- und hinab führen lediglich zwei Fahrstühle, die jeweils nur eine Kapazität von zehn Personen haben. 40 Sekunden dauert die Liftfahrt in die Kugel, zur Unterhaltung der Passagiere wird die erreichte Höhe auf einer Digitalanzeige mitgezählt. Zwar bestünde theoretisch auch die Möglichkeit, zu Fuß in die Kuppel hinaufzusteigen. Allerdings wäre dazu die Bewältigung von 986 Stufen erforderlich.

„In der Hauptsaison zwischen April und Oktober haben wir bis zu 5000 Gäste am Tag“, sagt Aue und verweist darauf, dass seit zwei Jahren auch VIP-Tickets online verkauft werden. Der Vorteil: Besucher können so das Datum und die Uhrzeit ihres Besuchs im Fernsehturm selbst bestimmen, haben keinerlei Wartezeit und brauchen auch keine Tischreservierung für das Restaurant. Allerdings ist das VIP-Ticket mit 19,50 Euro (Kinder: 11,50) deutlich teurer als das reguläre Ticket (12 Euro, Kinder 7,50). Zudem gibt es einen SMS-Service: Nach dem Ticketkauf wird man mit einer Nachricht auf das Handy informiert, wenn die Zeit zum Eintritt gekommen ist.

Der 1969 eröffnete Berliner Fernsehturm ist immer noch das höchste Bauwerk Deutschlands und schon deshalb bei Touristen äußerst beliebt. Rund 1,2 Millionen Besucher kamen im vergangenen Jahr, damit verteidigte der Turm seinen langjährigen Platz in der Hitliste der zehn beliebtesten Touristenattraktionen Deutschlands.

Nach der Wiedervereinigung hatte die Deutsche Telekom den denkmalgeschützten Turm übernommen und ihn Mitte der 90er-Jahre generalsaniert. Im Zuge dieser Arbeiten wurde nicht nur das DDR-Interieur in vielen Bereichen ausgemustert, auch die Antennenspitze wurde erneuert und um drei Meter auf eine Gesamthöhe von nunmehr 368 Meter verlängert.

Die rund 100 Mitarbeiter des Turms werden neu eingekleidet. Die Innenarchitekten haben dabei Hosenanzüge vorgeschlagen, wie sie die Crew der US-amerikanischen Science-Fiction-Fernsehserie aus den 60er-Jahren des „Raumschiff Enterprise“ (englisch: Star Trek) trug. „Ob wir diesem Vorschlag folgen, ist aber noch nicht entschieden“, dämpft Christina Aue die Erwartung, dass das Lift-Personal künftig daherkommt wie Captain Kirk oder die Garderobenfrau im Dress von Lieutenant Uhura Mäntel und Jacken entgegennimmt.

Gute Nachrichten gibt es auch über das Umfeld des Turms: Kaputte Gehwegplatten, demolierte Blumenbeete und Müllecken gehören bald der Vergangenheit an. Nach den Plänen des Büros Levin Monsigny Landschaftsarchitekten wird das 18?000 Quadratmeter großen Areal rings um den Fernsehturm derzeit neu gestaltet. Dafür hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aus ihrem Plätze-Programm 500?000 Euro bereitgestellt, vier Millionen Euro kamen vom Bund. Die Arbeiten auf dem noch namenlosen Platz zwischen Liebknechtstraße und Rathauspassagen sowie den Tramgleisen vor dem Bahnhof Alexanderplatz und den Wasserkaskaden südwestlich des Turms haben bereits im Frühjahr begonnen. Ende kommenden Jahres soll alles fertig sein.

Anders als der Alexanderplatz soll der Platz vor dem Fernsehturm übrigens Kaugummi-resistent werden: Die hellen Gehweg-Platten werden mit Teflon beschichtet, damit die Kaugummis nicht haften bleiben und von Kehrmaschinen abgebürstet werden können.