Bremsen

Sand-Kommando soll S-Bahn-Probleme lösen

Die neuen Bremsanlagen der S-Bahn schaffen Probleme, denn sie benötigen Sand. Nun soll ab 2012 ein mobiles Nachfüll-Kommando anrücken. Am Wochenende sorgen Baumaßnahmen für weitere Einschränkungen.

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Probleme bei den neuen Bremsanlagen behindern derzeit den Verkehr bei der Berliner S-Bahn. Wie ein Sprecher am Freitag bestätigte, will das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn nun an mehreren Stellen im Netz die Möglichkeit schaffen, die Besandungsanlagen der Bremsen auch außerhalb der Werkstätten nachfüllen zu können. In Erkner ist bereits eine dieser zusätzlichen Kapazitäten geschaffen worden. Weitere sollen folgen.

Die Besandungsanlagen wirken wie ein ABS für Züge. Durch dosiertes Streuen von Sand verhindern sie ein Durchrutschen der Räder beim Bremsen und Beschleunigen auf glatten Gleisen. In diesen Tagen wird besonders viel Sand benötigt, weil feuchtes Herbstlaub die Schienen glitschig macht. Wie berichtet machen der krisengeplagten S-Bahn derzeit vor allem bereits modernisierte Bremsanlagen zu schaffen. Sie verfügen an den Besandungsanlagen über eine Füllstands- und Funktionskontrolle. Sinkt der Sandfüllstand unter 30 Prozent, begrenzt das eigens entwickelte System die Höchstgeschwindigkeit der Züge automatisch auf 60 Kilometer pro Stunde. Um wieder mit maximal 80 Stundenkilometern fahren zu können, müssen die betroffenen Züge derzeit noch meist in die Werkstatt, um Sand aufzufüllen. Die Folge von Tempolimit und Werkstattfahrten waren zuletzt wie berichtet Ausfälle und Verspätungen – vor allem auf der Ringbahn. Am Freitag entspannte sich die Situation leicht. Statt bis zu 30 Zügen wie am Dienstag und Mittwoch war nach Angaben des Sprechers nur noch eine „einstellige Zahl“ betroffen. Vor allem auf dem Ring fuhren trotzdem noch Züge verspätet – nach S-Bahn-Angaben um bis zu fünf Minuten. Weitere Einschränkungen gab es nach wie vor zudem wegen fehlender Fahrer durch eine hohe Krankenquote. Mit den zusätzlichen Punkten zum Befüllen der Sandbehälter will die S-Bahn den Verkehr weiter stabilisieren. Vom kommenden Jahr an ist dann auch der Einsatz mobiler Nachfüll-Kommandos geplant.

Erneute Einschränkungen am Wochenende

Mit zusätzlichen Einschränkungen müssen S-Bahn-Fahrgäste am Wochenende erneut wegen Bauarbeiten an Gleisen, Weichen und Technikanlagen rechnen. Von Freitagabend bis Betriebsbeginn am Montagmorgen fahren keine Züge zwischen Blankenburg und Bernau (Linie S2). Als Ersatz setzt die S-Bahn Busse ein. Gebaut wird abermals auch am Ostkreuz. Deshalb sind die Linien S5 (Strausberg Nord–Westkreuz), S7 (Ahrensfelde-Potsdam Hauptbahnhof) und S75 (Wartenberg-Spandau) ebenfalls bis Montagfrüh unterbrochen. Zwischen den Bahnhöfen Lichtenberg und Rummelsburg fahren als Ersatz Busse. Zwischen Rummelsburg und Ostbahnhof fahren verstärkt Züge der Linie S3 (Erkner-Spandau). Die S-Bahn empfiehlt ihren Fahrgästen zudem, an diesem Wochenende für die Fahrt aus den östlichen Stadtteilen in die Innenstadt und umgekehrt auch auf die U-Bahnlinie U5 (Hönow-Alexanderplatz) auszuweichen.

Angst um die Zukunft der Berliner S-Bahn haben unterdessen auch die Beschäftigten. Wie berichtet könnte laut der Koalitionsvereinbarung von SPD und CDU im kommenden Jahr der Betrieb auf einem Teilnetz für die Zeit nach 2017 öffentlich ausgeschrieben werden. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) warnt vor einer „Zerschlagung der S-Bahn“ zu Lasten der Mitarbeiter. „Eine Teilausschreibung würde zwangsläufig zu einer Trennung von Infrastruktur und Betrieb führen“, sagt EVG-Chef Alexander Kirchner in einem Brief an SPD-Landeschef Michael Müller. Die 3000 S-Bahn-Beschäftigten seien „sehr enttäuscht“, dass die Berliner SPD ihre Aussagen gegen eine nun mögliche Teilausschreibung nicht einhalte. Die Gewerkschaft ruft deshalb gemeinsam mit dem Bündnis „Rettet unsere S-Bahn“ vor dem SPD-Landesparteitag am Montag zu einer Kundgebung um 15.30 Uhr auf. Kundgebungsort ist nach EVG-Angaben das Leonardo Royal Hotel an der Otto-Braun-Straße 90.