Sozialunternehmen

Berliner Treberhilfe sucht neuen Träger

Nachdem das Berliner Sozialunternehmen Insolvenz beantragt hat, verhandelt der Insolvenzverwalter nun mit Konkurrenten über die Übernahme des Betriebs. Die Treberhilfe ist mit insgesamt 4,5 Millionen verschuldet.

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Die Klienten der Treberhilfe sollen von den Turbulenzen, die das Unternehmen erschüttern, nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Wie der vorläufige Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma am Donnerstag sagte, geht der Geschäftsbetrieb zunächst weiter. Angesichts der mehr als 100 Räumungsklagen von Wohnungen der ehemaligen Obdachlosen hofft er, dass die Vermieter ihm zwei Wochen Zeit geben. Damit er eine zukunftsträchtige Lösung für den mit 4,5 Millionen Euro verschuldeten Betrieb findet. „Falls eine Übernahme schnell gelingt, wäre ja auch bald wieder ein glaubhafter Mieter da.“ Wie berichtet, hat die Treberhilfe ihren 147 Mitarbeitern bereits drei Monate lang die Löhne und Gehälter nicht gezahlt. Auch Mieten für die Wohnungen ihrer Klienten wurden nicht überwiesen.

Ina Schramm, Sozialarbeiterin im Wohnprojekt Neukölln, hat erst am Donnerstagmorgen von einem Kollegen von der Insolvenz ihres Arbeitgebers erfahren. Der Kollege wiederum hatte es in den Nachrichten gehört. Als erstes habe sie sich im Internet darüber informiert, was eine Planinsolvenz ist, sagt die 27-Jährige. Seit April 2010 betreut die junge Frau ehemalige Obdachlose in Neukölln, die eine Bleibe in angemieteten Wohnungen gefunden haben. Sie mag die Arbeit mit den Menschen, erzählt sie. Doch nicht um jeden Preis. Drei Gehälter wurden ihr bislang nicht ausgezahlt. „Mittlerweile stehe ich finanziell schlechter da als die Klienten“, sagt Ina Schramm. Sie wünsche sich eine Versammlung für die Mitarbeiter, denn das Interesse für Aufklärung und Information sei groß. Die Klienten seien ihr ans Herz gewachsen, daher habe sie auch bis zum Schluss durchgehalten. Seit einem halben Jahr hätten immer mehr Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

Drei wollen alles übernehmen

Eine Vielzahl von Anfragen, die die Treberhilfe übernehmen wollen, hat Köhler-Ma am Donnerstag bekommen. Drei wollen das gemeinnützige Sozialunternehmen demnach als Ganzes übernehmen. Außerdem gebe es eine vierte Anfrage, die nur einen Teil des Sozialunternehmens, nämlich den Jugendbereich, übernehmen möchte. Potenziell könnte das auch eine Lösung sein. Um die Übernahme der Schulden gehe es nicht. Gerade das sei Sinn eines Insolvenzverfahrens. Das Gespräch am Mittwoch in der Senatssozialverwaltung, dem Hauptauftraggeber der Treberhilfe, ist laut Köhler-Ma erfreulich verlaufen: „Im Hinblick auf die Klienten und Mitarbeiter sind alle bemüht, eine kooperative Lösung zu finden. Wenn es einen glaubhaften neuen Träger gibt, will die Senatssozialverwaltung mitziehen.“

Michael Schulze von den Wohnprojekten Mitte und Wedding blickt trotz der Krise optimistisch in die Zukunft. Seit ein paar Tagen seien sie „ein bisschen“ auf die Insolvenz vorbereitet gewesen, sagt der 32-Jährige. Er gehe davon aus, dass es die Treberhilfe weiter geben wird. Seit sechs Jahren ist der junge Mann bei der Treberhilfe. „Als Berufsanfänger konnte ich mich bis zum stellvertretenden Teamleiter qualifizieren“, so Schulze. Dafür sei er dem Träger verbunden. Die Betreuung der Klienten werde jetzt normal weitergehen.

Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) bestätigt für Charlottenburg-Wilmersdorf, dass es keine dramatischen Fälle von Treberhilfe-Klienten gibt, die durch die Insolvenz des Unternehmens wieder auf der Straße leben müssen: „Wir haben nur einen Fall, bei dem der Klient den Betreuervertrag wegen der Räumungsklage selbst gekündigt hat und zu einem anderen Träger gewechselt ist.“