Sozialunternehmen

Treberhilfe - mit dem Maserati in die Insolvenz

Eineinhalb Jahre nach der "Maserati-Affäre" steht die gemeinnützige Treberhilfe vor dem Aus: Wegen ausstehender Sozialbeiträge beantragten das Berliner Sozialunternehmen und die Bundesknappschaft beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz.

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Die Treberhilfe Berlin steht anderthalb Jahre nach der „Maserati-Affäre“ ihres Gründers Harald Ehlert vor dem Aus. Am Dienstag hat das Sozialunternehmen beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz beantragt. Jetzt brauchen das gemeinnützige Unternehmen und die 147 Beschäftigten – jahrelang das Vorzeigeunternehmen in der Obdachlosenhilfe – selbst Hilfe.

4,5 Millionen Euro Schulden hat der Betrieb insgesamt angehäuft. Davon sind laut Auskunft des vorläufigen Insolvenzverwalters Christian Köhler-Ma von der Rechtsanwaltskanzlei Leonhardt allein 1,2 Millionen Euro für ausstehende Löhne und Gehälter. Mit der Auszahlung ist die Treberhilfe bereits mehr als drei Monate im Rückstand. „Weitere 1,6Millionen Euro Verbindlichkeiten gibt es bei Vermietungen von Wohnungen, in denen die „Klienten“ der Treberhilfe wohnen. Sie sollen durch die Schieflage des Unternehmens möglichst keinen Schaden nehmen. „Wir bemühen uns mit allen Mitteln, dass kein Obdachloser, der über die Treberhilfe eine Wohnung erhalten hat, erneut auf der Straße landet“, sagte Rechtsanwalt Köhler-Ma. Es seien allerdings mehr als 100Räumungsklagen bei rund 500 Mietverträgen für Klienten der Treberhilfe anhängig, weil Mieten nicht gezahlt wurden.

Köhler-Ma machte sich Mittwochnachmittag gleich auf den Weg zur Berliner Senatssozialverwaltung, denn als größter Kunde der Treberhilfe habe sie ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, wie es weitergeht. Köhler-Ma verhandelt nach eigener Auskunft bereits mit einem Interessenten, der den Geschäftsbetrieb fortführen möchte.

Außerdem will er erreichen, dass die Mitarbeiter zwei der drei ihnen zustehenden Monate Insolvenzgeld schnell erhalten, nicht erst im kommenden Jahr wie es sonst üblich sei. Die Aussichten, dass der Insolvenzverwalter eine zukunftsträchtige Lösung für das angeschlagene Unternehmen erreicht, stufte er als „nicht einfach“ ein. Die Gesellschaft habe erhebliche Schulden aufgehäuft und erst sehr spät einen Insolvenzantrag gestellt, kritisierte der Rechtsanwalt. Dennoch sei er verhalten optimistisch. Auf die Frage, ob Harald Ehlert als Gesellschafter aus dem Unternehmen noch Geld erhalten könnte, sagte Köhler-Ma generell: „Ein Gesellschafter erhält nur Geld, wenn alle Gläubiger bezahlt sind.“ Faktisch gebe es aber kein Geld.

Die Stimmung bei den Mitarbeitern der Treberhilfe, die im vergangenen Sommer jede Woche vor der Senatssozialverwaltung demonstriert hatten, als das Land Berlin dem Unternehmen die Verträge gekündigt hatte, ist längst im Keller. Immerhin seien die Beschäftigten gestern von der Geschäftsführung über den Insolvenzantrag informiert worden, sagte Betriebsratsvorsitzender Ralf Bittner. Die vergangenen Monate seien ohnehin schon sehr schwierig gewesen. „Viele Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen, weil sie nicht mehr gewillt waren, nach außen rechtfertigen zu müssen, was sie gar nicht zu vertreten hatten.“ Die jetzige Klarheit sei nach Monaten der Turbulenzen, in denen das Unternehmen immer wieder negative Schlagzeilen machte, auch ganz erleichternd.

Der Skandal um die Treberhilfe war ausgelöst worden, nachdem der Dienstwagen des damaligen Geschäftsführers Harald Ehlert, ein Maserati, mit zu hohem Tempo geblitzt worden war. Ehlert geriet in die bundesweite Kritik, nachdem öffentlich wurde, dass der Chef eines Sozialunternehmens sich einen Maserati samt Chauffeur leistet. Aus der Dienstwagen-Affäre zog Ehlert zwar die Konsequenz, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen und nur noch als Gesellschafter der gGmbH zu agieren, doch aus den Negativ-Schlagzeilen kam das Unternehmen trotzdem nicht heraus.

Affäre begann mit dem Maserati

Die Treberhilfe war jahrelang in Berlin die wichtigste Anlaufstelle, wenn es um Obdachlosenhilfe und Sozialarbeit ging. Die Arbeit der Sozialarbeiter wurde immer gelobt. Doch mit der „Maserati-Affäre“ begann im Dezember 2009 der Abstieg. Ehlerts Dienstwagen, auch die Höhe seines Gehalts und seine Wohnung in Potsdam lösten eine öffentliche Debatte aus, ob ein gemeinnütziges Unternehmen sich so etwas leisten darf. Die öffentlichen Auftraggeber kündigten schließlich Verträge in Millionenhöhe und entzogen dem Unternehmen auf diese Weise nach und nach die Einkünfte. In Gerichtsprozessen konnte die Treberhilfe zwar Teilerfolge erzielen, doch Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke), die sogar Strafanzeige erstattet hatte, versuchte, den freien Träger aus dem Geschäft zu drängen. Die Treberhilfe habe nicht aktiv an der Aufklärung der Vorwürfe mitgewirkt, es gebe auch Zweifel an der Zuverlässigkeit des Trägers. Auch die Finanzbehörden leiteten eine Prüfung ein, die noch nicht abgeschlossen ist. Die Geschäftsführung der Treberhilfe hingegen machte die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand für die finanzielle Lage verantwortlich. Die Forderungen aus Rechnungen, die die Treberhilfe an das Land Berlin habe, seien immer größer geworden. Gideon Joffe ist als Geschäftsführer längst von Stephan Hildebrand abgelöst worden. Der wollte am Mittwoch keine Stellung beziehen, sondern verwies auf den Insolvenzverwalter. Der bemüht sich unterdessen, schnell jemanden zu finden, der den Geschäftsbetrieb mit den 147 Mitarbeitern fortgeführt.