Erneut Kinder

Zehn Jahre alte Auto-Brandstifter ertappt

Berlins Brandstifter werden immer jünger: Am Donnerstag wurden zwei Zehnjährige in Hellersdorf beim Zündeln an einem Auto erwischt – von beinahe Gleichaltrigen. Wahrscheinlich haben sie nicht zum ersten Mal Feuer gelegt.

Foto: Steffen Pletl

Als Eckhart Spieler am Donnerstagabend von der Arbeit nach Hause kam, wunderte er sich über die Gruppe Jugendlicher, die sich um ein Auto am Naumburger Ring in Hellersdorf versammelt hatte. „Als ich genauer hingesehen habe, bemerkte ich, dass das mein Auto ist“, sagt er. Der 43-Jährige hätte sich viel vorstellen können, aber nicht, dass die Jugendlichen zwei Brandstifter festhalten, die sie kurz zuvor auf frischer Tat ertappt hatten, als sie Spielers Skoda anzünden wollten. Was ihn noch mehr verwunderte: Die Zündler waren erst zehn Jahre alt.

relatedlinksNach Polizeiangaben hatte eine 38-jährige Frau beobachtet, wie die Kinder gegen 19.30 Uhr brennende Grillanzünder in den Kühlergrill steckten. Kurz darauf schlugen schon die Flammen aus dem Motorraum. Die Frau konnte das Feuer noch rechtzeitig löschen, ehe ein größerer Schaden entstand. Auch bei einem Fiat, der hinter Spielers Skoda stand, wollten die Jungen offenbar Feuer legen. Die Jugendlichen, die zufällig die Tat beobachtet hatten, hielten die Kinder fest und übergaben sie später der Polizei. Da die beiden Zehnjährigen strafunmündig sind, wurden sie ihren Eltern übergeben. In der kommenden Woche werden die Jungen mit ihren Eltern dann vernommen, sagte ein Polizeisprecher. Nach Informationen von Morgenpost Online soll mindestens einer der Jungen schon häufiger der Polizei aufgefallen sein.

In der Vergangenheit ist es im Hellersdorfer Kiez rund um die Naumburger Straße immer wieder zu Brandstiftungen gekommen. Erst am vergangenen Dienstag beobachtete ein Zeuge an der in unmittelbarer Nähe gelegenen Stendaler Straße, wie ebenfalls zwei Kinder an einem Opel hantierten, der kurz darauf im Frontbereich in Flammen aufging . Während der Zeuge das Feuer noch rechtzeitig löschen konnte, flohen die Kinder. Die Polizei prüft, ob es sich bei den Tätern um die beiden Jungen handelt. „Aufgrund der örtlichen und zeitlichen Nähe können wir das derzeit nicht ausschließen“, sagte ein Polizeisprecher.

Brandanschläge im Kiez häufen sich

Vor knapp einem Monat warfen Unbekannte mitten in der Nacht einen Grillanzünder in eine Wohnung einer Rentnerin an der rund zwei Kilometer entfernten Suhler Straße. Nur dank des Gebells ihres Hundes wachte die 80-jährige Seniorin auf und konnte den Grillanzünder noch rechtzeitig löschen, verletzte sich jedoch an der Hand. Die Gardine hatte bereits Feuer gefangen. Kurz danach brannte nur wenige Hundert Meter entfernt an der Gothaer Straße ein Ford Fiesta. An zwei Transportern, die ebenfalls wenig später von Brandstiftern angezündet wurden, entstand nur geringer Sachschaden.

Die Bewohner im Kiez machen sich deshalb Sorgen. „Jetzt sind es schon Kinder, die Autos anzünden“, sagt ein Mann, der in der Nähe wohnt. Andere Anwohner vermuten, dass Langeweile die Jungen zu der Tat getrieben habe, weil es zu wenig Freizeitangebote in der Umgebung gebe. „Sonst würden die ja nicht auf solche blöden Gedanken kommen“, sagt ein Mann.

Eine weitere versuchte Brandstiftung ist am frühen Freitagmorgen in Rudow ebenfalls glimpflich ausgegangen. Ein Passant sah gegen 6.50 Uhr, wie Flammen aus einem VW Golf an der Neuköllner Straße schlugen. Auch hier entstand nur ein leichter Sachschaden, da die Flammen noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr gelöscht werden konnten. Hinweise auf die Täter oder deren Motivation hat die Polizei noch nicht.

Insgesamt wurden in diesem Jahr damit fast 700 Fahrzeuge durch Brandstiftung zerstört oder beschädigt.