Täter gefasst

Brandstifter zünden in Berlin Familienbus an

Die Berliner Familie Thiele besaß einen Kleinbus, bis er in Brand gesteckt und zerstört wurde. Die Polizei konnte immerhin zwei Verdächtige festnehmen, die die Tat gestanden haben.

Foto: Steffen Pletl

Der Traum von Andreas Thiele ist jetzt nur noch ein Schrotthaufen. Fassungslos steht der 50 Jahre alte Lichtenberger auf einem Parkplatz an der Elli-Voigt-Straße. Vor ihm die verkohlten Reste seines Kleinbusses. Thiele weiß nicht, ob er wütend oder traurig sein soll. „Wir alle, die ganze Familie, haben eisern gespart, um uns das Auto leisten zu können“, sagt er. „Nun ist alles zerstört.“ Doch die Brandstifter, die in der Nacht zu Freitag wieder zuschlugen, kümmerte das nicht.

Gegen 3 Uhr morgens rufen Anwohner die Feuerwehr. Die Täter haben vor dem Wohnhaus zwei VW-Busse angezündet. Einer davon gehört Andreas Thiele, bei dem anderen handelt es sich um einen umgebauten Campingbus. Kurz nach der Brandstiftung explodiert eine der Gasflaschen, die in der Kochnische des Campingbusses eingebaut sind. Die Detonation ist so heftig, dass die Flammen auf insgesamt sechs weitere Fahrzeuge übergreifen. Drei Autos brennen vollständig aus. Nur wenige Minuten später brennt ein Altkleidercontainer an derselben Straße. Rund zwei Stunden zuvor hat bereits ein Opel an der nur einen Kilometer entfernten Herzbergstraße gebrannt.

Andreas Thiele sitzt nun auf einem Schaden von knapp 30.000 Euro. Vor drei Jahren hatte die Familie den Kleinbus gekauft. Seine Mutter gab ihm einen großzügigen Kredit, damit sich die Thieles und ihre vier Kinder ihren Traum erfüllen konnten. Er zahlt ihn noch heute ab. Nach dem Kauf steckte er noch einmal viel Geld in ein Navigationssystem, getönte Scheiben und Fernsehbildschirme. Es sollte alles perfekt sein. Im kommenden Jahr wollten die Thieles gemeinsam mit ihren Kindern dann in den Urlaub fahren – der erste Mal seit Jahren. „Das können wir nun erst einmal vergessen“, sagt er.

Als ihn seine Tochter mitten in der Nacht weckt, weil die Polizei vor der Tür steht, kann er das ganze Ausmaß noch nicht absehen. Erst Stunden später wird ihm bewusst, wie groß der Schaden ist. Denn die Familie ist von dem Brandanschlag gleich dreifach betroffen. Neben dem Kleinbus wurde auch der Seat von Thieles Sohn, der neben dem VW stand, zerstört. Durch die Flammen wurde zudem der Lack eines Renaults beschädigt. Er gehört Thieles Frau.

Immerhin konnte die Polizei noch in der Nacht zwei Verdächtige festnehmen. Die beiden 22 und 23 Jahre alten Männer wurden kurz nach der ersten Brandstiftung in der Nähe der Herzbergstraße beobachtet. Allerdings konnte niemand mit Sicherheit sagen, ob sie tatsächlich gezündelt hatten. Dennoch verhielten sie sich auffällig. Nach der zweiten Brandstiftung nahmen die Beamten die beiden schließlich fest. Nach Informationen dieser Zeitung soll der 23-Jährige bereits wegen ähnlicher Delikte bei der Polizei bekannt sein. Am Freitag wurden die Verdächtigen dann vernommen. Sie gaben zu, die beiden VW-Busse angezündet zu haben. Aus welchen Motiven sie handelten, ist noch ungewiss. Der linksextremistischen Szene sollen sie jedoch nicht angehören.

Obwohl vor knapp zwei Wochen ein Serienbrandstifter, der zwischen Juni und Ende August mehr als 100 Autos zerstört oder beschädigt hatte, festgenommen werden konnte, werden immer wieder Autos angezündet. Festnahmen gelingen der Polizei nur selten, weil die Täter auf frischer Tat ertappt werden müssen, um sie schließlich vor Gericht stellen zu können. Die Berliner Polizei wird daher seit rund zwei Monaten von Beamten der Bundespolizei unterstützt. In diesem Jahr wurden bereits 689 Fahrzeuge durch Brandstiftung zerstört oder beschädigt. Es wird vermutet, dass knapp ein Drittel der Anschläge der linksextremistischen Szene zuzuordnen sind. Für den Großteil der Brände sollen Nachahmungstäter verantwortlich sein oder Personen, die aus persönlichen Motiven wie Rache oder Versicherungsbetrug handeln.

Andreas Thiele hofft, dass ein Gericht die mutmaßlichen Täter hart bestrafen wird. „Vor allem wünsche ich mir, dass diese Menschen zur Kasse gebeten werden.“