Nach Missbrauchsfällen

Pädophile - Berlin will Kontrolle verbessern

Vereine sollen für Mitarbeiter kostenfrei Führungszeugnisse anfordern können, in denen auch Delikte mit Strafen unter einem Jahr geführt werden. Dadurch sollen pädophilie Neigungen schneller erkannt werden.

Foto: Krauthoefer

Nach den Missbrauchsfällen bei der Parkeisenbahn will Berlin den Schutz von Kindern und Jugendlichen verbessern. Berlin und Bremen würden bei der Sportministerkonferenz im November einen Antrag einbringen, wonach von Mitarbeitern gemeinnütziger Vereine der Kinder- und Jugendarbeit ein so genanntes erweitertes Führungszeugnis gefordert werden solle, sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) am Montag der Nachrichtenagentur dapd. Darin würden auch spezielle Delikte erfasst, die mit einer Strafe von unter einem Jahr geahndet werden. Dagegen weisen einfache Führungszeugnisse nur Verurteilungen von über einem Jahr aus. Dadurch soll es Vereinen leichter gemacht werden, das Trainerpersonal auf mögliche pädophile Neigungen zu kontrollieren.

Zugleich plädierte Körting dafür, dass erweiterte Führungszeugnisse kostenfrei ausgestellt werden. Viele Vereine verwiesen darauf, dass diese Zeugnisse relativ teuer seien und deshalb häufig nicht angefordert würden, sagte er. Auch der Berliner Landessportbund setzt sich für eine solche kostenfreie Lösung für die Vereine ein.

Ein früherer Angestellter der gemeinnützigen Gesellschaft Berliner Parkeisenbahn in der Wuhlheide war am Dienstag vergangener Woche wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der Angeklagte von Februar 2000 bis Ende 2008 mindestens 47 Mal an sechs Kindern und einem Jugendlichen, die ihm anvertraut waren, vergangen hatte. Außerdem soll es zwei weitere Anklagen gegen mindestens drei ehemalige Angestellte geben. Die Pädophilen nutzten offenbar Abhängigkeitsverhältnisse der Minderjährigen aus. In der Parkeisenbahn können Kinder und Jugendliche ab neun Jahren Tätigkeiten wie etwa Schaffner und Bahnwärter oder, wenn sie älter sind, auch Lokführer oder Rangierleiter, ausüben. Häufig kommen sie aus zerrütteten Familienverhältnissen. Ein Verein betreibt die Eisenbahn. Direkt hat sie nichts mit dem Freizeit- und Erholungszentrum (FEZ) Wuhlheide zu tun. Allerdings agiert der Trägerverein in räumlicher Nähe zum FEZ, wo sich viele Kinder gerade im Sommer aufhalten.

Wolfgang Werner, der als Missbrauchs-Experte die Vorfälle bei der Parkeisenbahn untersucht, sprach am Wochenende von einem „Missbrauch mit System“. Werner, der im Verein „Hilfe für Jungs“ arbeitet, geht davon aus, dass die Vorfälle bis in die Mitte der 90er-Jahre zurückreichen können. Die Aufklärung des Skandals wird noch Monate dauern.