Urteil

Drei Monate Haft für Böller-Attacke auf Kinder

Aus Frust über Kinderlärm hat ein 29-jähriger Kraftfahrer im Mai einen Polenböller auf einen Spielplatz geworfen. Die Kinder kamen mit einem Schrecken davon. Der Böllerwerfer muss nun ins Gefängnis.

Foto: Steffen Pletl

Kinderlärm wollte ein 29-jähriger Mieter mit noch mehr Lärm bekämpfen: Voller Wut schleuderte er einen besonders starken und verbotenen Silvesterböller vor einen Spielplatz seiner Wohnung in Berlin-Treptow. Der Mann muss dafür drei Monate in Haft. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten verurteilte ihn am Montag wegen strafbaren Umgangs mit explosionsgefährlichen Stoffen.

Der Sprengsatz war am 2. Mai mit einem lauten Knall detoniert, als mehrere Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren auf einem Spielplatz vor einem Mehrfamilienhaus an der Ortolfstraße spielten. Der Mann war genervt, weil er wegen des Lärms vor seiner Wohnung in Treptow nicht schlafen konnte. Die Kinder erschraken, weinten und schrien vor Angst, wurden aber nicht verletzt. Durch die Explosion verbrannten etwa 30 Quadratzentimeter Rasen.

Der Kraftfahrer hatte nach eigenen Angaben aufgepasst, dass kein Kind getroffen und verletzt wurde. Als Grund für seine Selbstjustiz nannte er psychischen Druck und Stress mit seinem damaligen Arbeitgeber. Der 29-Jährige war nach einer Nachtfahrt übermüdet und gereizt. Es war ein heißer Tag. Die Kinder krakeelten herum, auch nachdem er sie am Nachmittag des 1. Mai aufgefordert hatte, ruhig zu sein. „Da habe ich mich hochgeschaukelt, das war falsch“, sagte der Angeklagte und bereute vor Gericht sein Fehlverhalten.

Eine solche Reaktion auf Kinderlärm ist nicht zu tolerieren, waren sich alle Prozessbeteiligten einig. Strafmildernd wertete der Richter Einsicht und Reue des Angeklagten. Eine Geldstrafe oder eine Strafe zur Bewährung stand nicht zur Diskussion. Der Mann hat 13 Vorstrafen. Die Böller hatte er geworfen, als er unter Bewährung stand.

Der vom Angeklagten gezündete Böller ist wegen seiner enormen Sprengkraft und Gefährlichkeit in Deutschland verboten. Die mögliche Höchststrafe für dieses Delikt liegt bei 3 Jahren Haft.