360-Grad-Panorama

Berliner Student entwickelt den "Foto-Ball"

Ein Berliner Informatik-Student hat einen Foto-Ball entwickelt, der auf einen Schlag 36 Bilder in Panorama-Optik schießen kann. Man muss ihn dafür einfach in die Luft werfen. Das Ergebnis ist spektakulär.

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Studenten der Technischen Universität Berlin haben einen Kameraball erfunden, der im Flug Panorama-Bilder macht. Die Entwickler möchten ihr innovatives Rund gerne in Serie produziert sehen.

Video: Reuters
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Fotos werden heute nicht mehr geschossen, sondern geworfen. Zumindest, wenn es nach Jonas Pfeil geht. Der 28-Jährige hat eine Wegwerfkamera erfunden. Keine für den einmaligen Gebrauch, sondern einen Ball, der etwas ganz Besonderes kann: Wirft man ihn in die Luft, erstellen 36 rund um die Kugel eingebaute Handykameras gleichzeitig eine Aufnahme. Durch die Kombination der Bilder entsteht ein 360-Grad-Panorama.

Das Fisheye-Objektiv hat ausgedient

Zurzeit kursiert Pfeils Video im Internet, das den Kameraball erklärt. Weit mehr als 2,5 Millionen Nutzer haben den Film bereits angeklickt. Zu sehen ist eine junge Frau, die mit einem leuchtend grünen Ball mitten auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor steht. Doch sie will nicht nur spielen. Als sie den Kameraball in die Luft wirft, werden am höchsten Punkt 36 Linsen aktiviert. Die Bilder können per USB-Kabel heruntergeladen und in einem eigens entwickelten Panorama-Viewer angeschaut werden. Das Ergebnis: Ein Rundumbild von oben über den Platz, die Menschen und die Fotografin, die ihre Hände nach oben streckt, um den Ball wieder aufzufangen.

Der Vorteil gegenüber den herkömmlichen Panorama-Funktionen in Kameras ist eindeutig. Durch den freien Flug können die Linsen in alle Richtungen gleichzeitig auslösen. Dadurch werden Bewegungen ohne Unschärfe festgehalten. Mit der Ballkamera lassen sich also auch Wellen, Äste im Wind oder Menschen beim Laufen ablichten. Der Fotograf erspart sich zudem, mühsam einzelne Bilder aneinanderzustückeln, da keine doppelten Motive mehr entstehen. Auch das 180-Grad-Fisheye-Objektiv hat ausgedient. Bei den zwei Aufnahmen war am Ende immer das Stativ des Fotografen zu sehen.

Das war es auch, worüber Jonas Pfeil sich schon vor Jahren in seinem Urlaub auf der Südseeinsel Tonga geärgert hat. Der Informatik-Student der Technischen Universität Berlin stand auf einem Berg, wollte ein Panoramabild schießen. Doch die Bilder überlappen, sie am Computer aneinanderzuhängen ist kompliziert. Man müsste, dachte Pfeil, eine Kamera zum Hochwerfen entwickeln. „Da war die Idee geboren“, sagt er heute. Bis er sie umgesetzt hatte, dauert es einige Zeit, bis Ende des Jahres 2008.

Jonas Pfeil suchte gerade ein Thema für seine Diplomarbeit, als ihm der Urlaub auf Tonga und seine Idee wieder einfallen. Also entwickelt er den Ball und übersieht dabei nichts: Ein Bewegungssensor misst die Abwurfgeschwindigkeit und berechnet, wann der Ball am höchsten Punkt ist. Dann erst löst die Kamera aus. Sie ist mit einer ein Zentimeter dicken Schaumstoffhülle geschützt, damit die Linsen nicht kaputt gehen, wenn der Ball mal auf den Boden fällt. Der Prototyp ist etwa so groß wie ein Handball, das Gehäuse wird im 3-D-Druckverfahren erzeugt. Bei der Technologie orientiert Pfeil sich an den modernen Smartphones. Die Kameras erreichen eine Auflösung von zwei Megapixeln.

Das Patent ist angemeldet

2010 schloss Jonas Pfeil sein Studium mit Auszeichnung ab. Anschließend arbeitet er ein halbes Jahr in Japan. Vor ein paar Monaten ist er zurückgekommen, um an der Technischen Universität Berlin an einem neuen Projekt mitzuwirken. Außerdem will er sich auf die Computergrafikmesse Siggraph Asia im Dezember in Hong Kong vorbereiten. Dort wird er seine Ballkamera vorstellen. Schon jetzt bekommt er zahlreiche Anfragen von Amateur- und Profifotografen, Agenturen und Unternehmen. Pfeils Erfindung könnte den Fotomarkt revolutionieren. Das Patent hat er angemeldet. Zurzeit ist der 28-Jährige auf der Suche nach einem Lizenznehmer, um das Gerät weiterzuentwickeln und in Serie auf den Markt zu bringen. Dann soll es unter 100 Euro kosten und in den Geschäften zu kaufen sein. Außerdem muss der Ball noch schrumpfen, so groß wie ein Tennisball soll er am Ende sein, damit es in jede Tasche passt.

Langfristig kann Jonas Pfeil sich qualitativ hochwertigere Linsen für den Ball vorstellen, lichtstärkere, so dass die Bilder noch besser werden. Außerdem hat der Erfinder schon wieder eine neue Idee: Wenn man eine Fotokamera als Ball durch die Gegend werfen kann, dann müsste das auch mit Videokameras doch auch funktionieren.