Steigende Rohstoffpreise

Metalldiebe schänden jetzt sogar schon Gräber

Ob Stromkabel, Kupferdrähte oder Grabplatten: Mit den steigenden Rohstoffpreisen steigt in Deutschland auch die Zahl der Metalldiebstähle. Vor allem in Berlin und Brandenburg schlagen die Täter häufig zu.

Foto: Steffen Pletl

Die Mitarbeiterin in der Friedhofsverwaltung staunte nicht schlecht, als sie am Montag am Grab des früheren Reichstagsabgeordneten und Gewerkschaftsführers Carl Legien (1861–1920) in Friedrichsfelde vorbeiging. Unbekannte hatten sich auf dem Zentralfriedhof am Grabstein des berühmten Politikers zu schaffen gemacht und eine bronzene Grabplatte aus dem Stein herausgebrochen. Die Angestellte alarmierte die Polizei. Die hat nun wegen Diebstahls und Störung der Totenruhe Ermittlungen eingeleitet.

Damit haben erneut Metalldiebe in Berlin zugeschlagen. Wegen der gestiegenen Rohstoffpreise verspricht das Geschäft mit Metallen satte Gewinne. Die Täter nehmen alles mit, was sich zu Geld machen lässt und schrecken auch vor Grabschändungen nicht zurück. Neben bronzenen Platten werden auch Kupferkreuze gestohlen und sogar einzelne Buchstaben aus Grabsteinen herausgebrochen.

Auf Baustellen verschwinden Regenrinnen und Stromkabel. Besonders beliebt sind jedoch weiterhin Stahl und Kupferkabel. Allein an deutschen Bahnstrecken wurden im vergangenen Jahr bundesweit 350 Tonnen Kupfer und knapp 700 Tonnen Stahl entlang der Gleise gestohlen. Der Deutschen Bahn entstand 2010 durch Metalldiebstähle ein Schaden von rund zehn Millionen Euro. Unangenehme Begleiterscheinungen der Diebstähle sind Zugausfälle und Verspätungen.

Berlin und Brandenburg werden von den Dieben offenbar bevorzugt aufgesucht. Im vergangenen Jahr registrierten die Beamten der Bundespolizei, die für die Sicherheit der Bahnanlagen zuständig sind, 821 Diebstähle an Bahnstrecken. Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat sich die Zahl der Buntmetalldiebstähle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. Wie die Situation jenseits der Bahnstrecken aussieht, lässt sich nur vermuten. Die Berliner Polizei weist Buntmetalldiebstähle nicht gesondert aus. Laut Statistik werden allerdings besonders häufig Kupfer, Aluminium, Stahl, Blei, Zink und Nickel gestohlen. Berlin biete den Dieben viele Gelegenheiten; das Risiko erwischt zu werden sei relativ gering.

Die zu erwartenden Gewinne sind dagegen mehr als attraktiv. Der aktuelle Kupferpreis liegt bei rund 5500 Euro pro Tonne. „Besonders für Kleinkriminelle ist das sehr verlockend“, sagt der Pressesprecher der Bundespolizei, Sven Drese. Meistens handele es sich um Einzeltäter oder kleine Gruppen, die Signalkabel oder Fernmeldeleitungen noch am Tatort von den Isolierungen befreien, in handliche Stücke schneiden und abtransportieren. Das Diebesgut wird zumeist im Ausland verkauft. In Brandenburg sind die Täter noch dreister und demontieren Teile von Windkrafträdern. In diesem Jahr wurden bereits 30 Diebstähle gemeldet. Im gesamten vergangenen Jahr waren es nur 17.