Kino-Eröffnung

Bundesplatz-Kino eröffnet in neuem Glanz

Während das Traditionskino Kurbel bald die Pforten schließt, eröffnet eine andere Legende wieder. Drei Cineasten haben dem 1919 eröffneten Studio am Bundesplatz neues Leben eingehaucht.

Foto: Massimo Rodari

Das eine Kino schließt, das andere macht wieder auf. Während in der Kurbel in Charlottenburg noch vor Weihnachten die Lichter ausgehen, eröffnet das Kino am Wilmersdorfer Bundesplatz in Kürze neu – im Innern komplett saniert und technisch aufgemöbelt. Der Kurbel-Betreiber gibt das traditionsreiche Kino hingegen „aus wirtschaftlichen Gründen“ auf.

Im Kino am Bundesplatz hat Lothar Bellmann seit 1963 hinter der Kasse gestanden und die Filmrollen eingelegt. Bis vor zwölf Jahren managte er den Betrieb noch zusammen mit seiner Mutter. Das Kino existiert mindestens seit 1919. Die Mutter hatte 1955 den Spielbetrieb übernommen. Bellmann gab das Kino „aus Arbeitserleichterungsgründen“ auf, wie er sagt. Er wird nur noch das nahe Cosima in Friedenau betreiben.

Seine Nachfolge am Bundesplatz haben drei enthusiastische Cineasten angetreten: Karlheinz Opitz (44), Betreiber der Eva Lichtspiele an der Blissestraße, Martin Erlenmaier (52), Kurator der deutschen Filmreihen im Eva, und Peter Latta (65), langjähriger ehemaliger Mitarbeiter der Deutschen Kinemathek und Betreuer der Berlinale Retrospektive. Hilfreich bei der Suche nach einem Nachfolger war auch die Hausverwaltung des schönen Altbaus aus dem Jahre 1904, in dessen Erdgeschoss sich das Kino befindet. Verwalterin Marlene Wegmann, die auch in der Initiative zur Verschönerung des Bundesplatzes aktiv ist, überzeugte die Eigentümer, dass die Räume auch weiterhin als Kino mit einem angeschlossenen Café genutzt werden.

Anders ist die Lage bei der Kurbel. Geschäftsführer Tom Zielinski nannte wirtschaftliche Gründe für die geplante Schließung zum Jahresende. Vor sechs Jahren hatte der Hausbesitzer das Kino übernommen und ihn als Theaterleiter eingesetzt. Jetzt wolle der Eigentümer das Haus sanieren und das Kino zurückbauen.

Am Bundesplatz stehen die Zeichen dagegen auf Ausbau: Der erste Kinostuhl ist schon da. Fliederfarben, bequem gepolstert, mit Armlehnen. Noch steht er verloren in der Ecke des seit Juli geschlossenen Kinos. Sorgfältig mit Folie geschützt. Schon bald werden rund 90 weitere Sitze den kleinen Kinosaal füllen. Die Kinolegende, der das „Kinokompendium“ nur noch „morbiden Charme“ attestierte, erwacht zu neuem Leben. Die mit 5,50 Metern fast raumbreite Leinwand erhält einen bordeauxfarbenen Vorhang, neue Lautsprecher sind bereits in den Wänden und hinter der Leinwand eingebaut. „Wir haben viel selbst gemacht und auf Anweisung der Handwerker mitgeholfen. Sonst könnte man all die Arbeiten nicht bezahlen. Es hat alles viel mehr gekostet als erwartet“, sagt Peter Latta. Auch Freunde und Bekannte hätten mit angepackt.

Die Handwerker haben bis zur Eröffnung am kommenden Sonntag noch jede Menge zu tun. Das Kino ist entkernt. Die Wände sind schon mit neuer Dämmung versehen, die Decke ist gestrichen, die Sanitäranlagen überholt. Auch der Vorführraum ist schon mit neuer Technik bestückt. „Gute gebrauchte Geräte vom Feinsten, wir haben zwei Kinoton-Projektoren angeschafft“, sagt Karlheinz Opitz. Er betreibt seit 2006 die Eva Lichtspiele an der Blissestraße. Seine zwei Partner für das Bundesplatz-Kino-Projekt kennt er seit Jahren. Das Trio eint die Liebe zum Film und zum Kino: „Gehobene Filme mit Verstand und Herz“ wollen sie zeigen.

Kiez-Café mit Schmöker-Ecke

Opitz erhofft sich durch die zweite Spielstätte, dass er aktuelle Filme schneller von den Verleihern erhält. „Einzelkinos haben einen schweren Stand“, weiß er vom Eva. Auch ins Foyer wollen die drei neuen Betreiber frischen Wind bringen. Die Hauseigentümer haben ein neues ebenerdiges Fenster spendiert, das im Sommer den Cafébetrieb auch draußen ermöglicht. Mit acht Tischen im Innern soll das Kiez-Café jeden Tag ab 14 Uhr auch Gäste anlocken, die nicht unbedingt ins Kino gehen. Da für eine Küche kein Platz ist, wird das Angebot an Getränken und Kuchen klein sein. „Aber wir legen Wert auf Qualität“, verspricht Erlenmaier. Die Neugestaltung des Foyers steht im Zeichen des Films. Auf den Tischen werden kleine Collagen unter Glas an berühmte Berliner Filmschaffende wie Ernst Lubitsch, Hildegard Knef, Horst Buchholz oder Marlene Dietrich erinnern. Eine Ecke mit Filmbüchern wird eingerichtet, in der jeder schmökern kann. „Unser Kino soll sich zu einem Kommunikationsort für Filmbegeisterte entwickeln“, wünschen sich die Betreiber. Im Bundesplatz-Kino (85406085) geht es am 23.Oktober mit einem Kurzfilmprogramm los. Ab 15 Uhr startet das jeweils 45 Minuten laufende Überraschungsprogramm. Der Besuch ist gratis, die letzte Vorführung startet um 20 Uhr.

An den folgenden Sonntagen wird es dann jeweils ab 11 Uhr eine Matineé geben, bei der Berlin-Filme gezeigt werden. Am 30. Oktober steht der Klassiker „Kuhle Wampe“ von 1932 auf dem Programm. Am 24. Oktober startet dann die Reihe mit Filmen aus den 50er-Jahren. Der Defa-Streifen „Die Jungen von Kranichsee“ macht den Anfang. Filmschauspieler Gunnar Möller (83), der darin den jungen Lehrer spielt, ist vor der Vorführung um 15.45 Uhr zu einem Gespräch eingeladen. Auch künftig sollen Gäste die Filmreihe beleben. Abends läuft dann als erster regulärer aktueller Film „Le Havre“ vom finnischen Regisseur Kaurismäki. Abend-Vorstellungen sind immer um 18 und um 20.30 Uhr. Spätvorstellungen soll es erst mal keine geben.

Die Eintrittspreise betragen 7, ermäßigt 6 Euro. Kinder zahlen 4.50 Euro (Kinderfilme sonnabends und sonntags ab 13.30 Uhr). 4.50 Euro kostet auch der Besuch am Mittwoch, dann ist Kinotag.

Das Kiez-Café im Kino-Foyer hat jeden Tag ab 14 Uhr geöffnet, sonntags ab 10 Uhr und sonnabends ab 13 Uhr.

Bei aller Kreativität und Vielfältigkeit: Ein Wunsch konnten sich die neuen Kinobetreiber aus Kostengründen noch nicht erfüllen. Der ramponierte Schaukasten, auf dem die Filmtitel angezeigt werden, muss noch erneuert werden. Vielleicht findet sich ja noch ein großzügiger Spender.