Neue Brandanschläge

Hund rettet 80-Jährige vor Grillanzünder-Attacke

Schlimmste Brand-Nacht in Berlin seit langem: Zehn Fahrzeuge fielen in Mitte, Prenzlauer Berg und Hellersdorf den Flammen zum Opfer. Und dann warfen Unbekannte noch durch ein offenes Fenster Grillanzünder in die Erdgeschoss-Wohnung einer 80-Jährigen.

Foto: dpa / dpa/DPA

Knapp eine Woche lang haben die Anschläge auf das Schienennetz der Bahn in Berlin und Umgebung die Schlagzeilen beherrscht, jetzt sind wieder die Autobesitzer der Hauptstadt ins Visier der vermutlich linksextremistischen Täter geraten. Gleich zehn Fahrzeuge waren in der Nacht zu Sonnabend betroffen – so viele wie lange nicht mehr in einer Nacht. Sechsmal wurden Autos und ein Motorroller in Hellersdorf, Mitte und Prenzlauer Berg gezielt angezündet. Zweimal blieb es beim Versuch. Und zwei weitere Fahrzeuge wurden durch übergreifende Flammen in Mitleidenschaft gezogen. Auch eine Wohnung wurde durch einen Grillanzünder in Brand gesetzt. Die Polizei ermittelt.

Die Anschlagsserie begann um kurz nach Mitternacht. An der Gothaer Straße in Hellersdorf bemerkte ein Passant einen in Flammen stehenden Ford Fiesta. Das Auto brannte vollständig aus. Eine halbe Stunde später konnte ein Anwohner der Albert-Kuntz-Straße im gleichen Stadtteil einen brennenden Vorderreifen eines dort geparkten Ford Transit selbst löschen. Polizisten entdeckten kurz darauf auch an einem daneben stehenden Mercedes Brandschäden. Gegen ein Uhr bemerkte ein Taxifahrer an der Lichtenhainer Straße einen brennenden VW Golf und einen daneben geparkten Mercedes, auf den die Flammen bereits übergegriffen hatten.

Nur kurz zuvor war in einer Erdgeschosswohnung in der Suhler Straße, ebenfalls in Hellersdorf, ein Feuer ausgebrochen, nachdem ein Unbekannter einen brennenden Grillanzünder durch das angekippte Fenster geworfen hatte. Die 80 Jahre alte Bewohnerin Waltraud F. wurde durch das Bellen ihres Hundes Endy geweckt und entdeckte eine brennende Gardine, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Die Frau löschte die Flammen und zog sich leichte Brandverletzungen an der Hand zu. Die Polizei prüft, ob es einen Zusammenhang zwischen den Bränden gibt.

Gegen 1.30 Uhr ging ein am Legiendamm in Mitte geparkter Mercedes in Flammen auf und wurde stark beschädigt. Drei Stunden später traf es an der Novalisstraße einen abgestellten Motorroller. Alarmierte Polizisten löschten den Brand und konnten dadurch einen Totalschaden des Zweirades verhindern. Etwa zur gleichen Zeit brannte an der Margarete-Sommer-Straße in Prenzlauer Berg ein BMW X5 vollständig aus. Zwei weitere in der Nähe abgestellte Pkw, ein VW Golf und ein BMW Mini, wurden durch die Hitzeentwicklung beschädigt. Die Polizei vermutet zumindest bei einem Teil der Brandstiftungen in der Nacht zu Sonnabend einen politischen Hintergrund, Hinweise auf die Täter fehlen bislang.

Dafür gibt es möglicherweise eine Spur im Zusammenhang mit den ebenfalls von Linksextremisten verübten Anschlägen auf Bahnstrecken in Berlin und Umgebung. Medienberichten zufolge sollen die Täter ihre Brandsätze, drapiert mit Zeitschaltuhren und Grillanzündern, in Brotdosen installiert haben. Die Dosen sollen dann zusammen mit mehreren Flaschen mit brennbaren Flüssigkeiten an den Gleisen angebracht worden sein. Weder die Polizei noch die federführende Bundesanwaltschaft wollten die Berichte bestätigen. Man äußere sich generell nicht zu laufenden Ermittlungen, so ein Sprecher der Behörde.