Gewalt

Fahrgäste sehen bei Attacke in U-Bahn einfach zu

Die Gewalt in der Berliner U-Bahn nimmt kein Ende: Am Sonnabendmorgen griffen sechs Männer in Wedding ein Pärchen an, brachen einem 21-Jährigen die Nase. Obwohl er andere Fahrgäste um Hilfe bat, schauten diese weg.

Foto: picture-alliance/ dpa / dpa

Die Gewalt in Berliner Bahnhöfen und Bahnen nimmt kein Ende. Auch an diesem Wochenende kam es wieder zu Übergriffen. In einem Zug der U-Bahn-Linie 6 in Wedding wurde ein junges Paar von sechs Tätern attackiert und schwer verletzt. Im U-Bahnhof Hellersdorf schlug ein 18-Jähriger einen 17-Jährigen zusammen, und in Mahlsdorf wurde ein 48-Jähriger von einer Gruppe Unbekannter attackiert und schwer verletzt. Der Mann war mit ihnen zuvor in einem BVG-Bus in Streit geraten.

Mit der Faust ins Gesicht

Ganz besonders schlimm traf es das Paar, das am frühen Sonnabendmorgen in Wedding in der U6 angegriffen wurde. Der 21-jährige Mann und seine um ein Jahr jüngere Freundin waren gegen 3.30 Uhr in Richtung Alt-Tegel unterwegs, als am Bahnhof Leopoldplatz eine sechsköpfige Gruppe in den Zug einstieg. Die jungen Männer fragten das Pärchen nach einem Taschentuch. Da die späteren Opfer ihnen keines geben konnten, wurden sie zunächst beschimpft. Als sich das Paar auf einen anderen Platz setzen wollte, schlug einer der Männer dem 21-Jährigen mit der Faust ins Gesicht. Dabei erlitt das Opfer einen Nasenbeinbruch. Als seine Freundin ihm helfen wollte, wurde sie von den Angreifern mit voller Wucht gegen die Wagenwand geschleudert.

Erschreckend an dem Vorfall ist auch, dass das Paar gleich mehrfach andere Fahrgäste um Hilfe bat – doch niemand hatte den Mut einzuschreiten. Den Opfern gelang es schließlich, im U-Bahnhof Afrikanische Straße den Zug zu verlassen und die Polizei zu rufen. Während die Angreifer mit dem Zug weiterfuhren, wurde der 21-Jährige von Rettungskräften der Feuerwehr zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Seine Freundin musste ambulant behandelt werden. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur.

Angriff im Bus

Schwere Verletzungen trug auch ein 48-Jähriger davon, der am Freitagabend am Bahnhof Mahlsdorf in einen Bus der Linie 195 eingestiegen war. Während der Fahrt wurde er mehrfach von einer Gruppe junger Männer beschimpft und beleidigt, was er sich verbat. Als der 48-Jährige an der Hönower Straße ausstieg, verfolgte ihn die Gruppe. Als zwei der Männer plötzlich auf ihn einschlugen, stürzte das Opfer und prallte mit dem Kopf gegen einen Steinpoller. Die Angreifer flüchteten, der 48-Jährige wurde von der Feuerwehr in ein Krankenhaus gebracht.

Mehr Glück hatte ein 17-Jähriger am Freitagabend, der kurz nach 22 Uhr am U-Bahnhof Hellersdorf von einem 18-Jährigen brutal angegriffen wurde. Ein 23-Jähriger bemerkte den Vorfall und ging couragiert dazwischen. Der 18-Jährige attackierte darauf auch ihn. Die von weiteren Zeugen alarmierte Polizei nahm den betrunkenen Angreifer fest und stellte bei ihm ein Messer sowie einen Schlagring sicher. Der 18-Jährige ist bereits als Intensivtäter bekannt, seine Opfer erlitten Gesichtsverletzungen.

In Berliner U- und S-Bahnen ist es in den vergangenen Monaten wiederholt zu gewalttätigen Übergriffen gekommen, bei denen zahlreiche Menschen verletzt wurden. Besonders der Fall, bei dem kurz vor Ostern im U-Bahnhof Friedrichstraße ein damals 29 Jahre alter Handwerker von einem Gymnasiasten durch gezielte Fußtritten gegen den Kopf schwer verletzt worden war, führte zu bundesweiten Schlagzeilen und einer politischen Debatte über die Sicherheit im Nahverkehr der Hauptstadt.

Die jüngsten Vorfälle

Erst am vergangenen Wochenende hatte die Polizei zwei schwere Übergriffe gemeldet. In Schöneberg war eine 18-Jährige von zwei Männern geschlagen und beraubt worden. Die Täter hatten die junge Frau in der U-Bahn-Linie 7 an den Beinen festgehalten, ins Gesicht geschlagen und ihr das Mobiltelefon gestohlen, bevor sie im U-Bahnhof Eisenacher Straße entkamen.

Am S-Bahnhof Schöneweide in Treptow war ein 22-Jähriger zusammengeschlagen und schwer verletzt worden. Das Opfer war mit zwei jungen Männern in Streit geraten, wurde zu Boden geschlagen und anschließend mit Fußtritten traktiert. Dabei erlitt der 22-Jährige Knochenbrüche im Gesicht. Am Mittwoch konnten Beamte einer Mordkommission einen 18-jährigen Deutschen russischer Herkunft festnehmen. Einen Tag später erließ ein Richter Haftbefehl gegen ihn wegen dringenden Tatverdachts des versuchten Totschlags.

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