Sanierungsprogramm

Flugfeld Tempelhof bekommt schwebendes Dach

Die Entwickler des ehemaligen Flughafenareals in Berlin-Tempelhof starten das erste Sanierungsprogramm. Auch eine Aussichtsplattform auf den Hangardächern ist geplant.

Foto: Sven Lambert

Der Ausblick ist grandios, die Weite einzigartig. Von dem 30 Meter hohen Vordach der alten Flughafenhangars reicht die Sicht an diesem sonnigen Herbsttag über die 240 Hektar große Parklandschaft der Tempelhofer Freiheit weit hinaus. Kein Grauschleier trübt den Blick, das Grün des ehemaligen Flugfeldes scheint in der Ferne fast schon im Himmel zu verschwinden.

Diese einzigartige Aussicht soll auch Berlinern und Besuchern zugänglich gemacht werden. Die Tempelhof Projekt GmbH plant eine Aussichtsplattform inklusive Besuchercafé. Die öffentliche Dachterrasse soll möglichst zur Eröffnung der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2017 fertig sein. Ein ehrgeiziges Ziel. Denn noch ist die riesige Dachfläche total marode. Sie muss von Grund auf saniert werden. Drei Jahre nach dem Ende des Flugbetriebs startet die für die Gesamtentwicklung des Areals verantwortliche Tempelhof Projekt GmbH deshalb jetzt endlich mit dem ersten großen Sanierungsprojekt. Bis Anfang November läuft die europaweite Ausschreibung für die Planung der Dachsanierung. Anfang nächsten Jahres soll es losgehen.

Die Idee des abgehobenen Public-Viewing ist nicht ganz neu. Schon Flughafen-Architekt Ernst Sagebiel (1892–1970) hatte das 1,2 Kilometer lange Dach für eine Tribüne angelegt. 80.000 Besucher sollten nach den ursprünglichen Plänen von dem leicht schrägen Dach unter anderem Flugschauen der Luftwaffe verfolgen. Doch die Tribüne wurde nie realisiert.

Die neuen Pläne folgen keiner Gigantomanie, sie sind eine Nummer kleiner. Nur ein Teilbereich des fast 60.000 Quadratmeter großen Daches, eine Terrasse von etwa 1000 Quadratmeter Größe, soll langfristig begehbar werden. Dennoch haben die Planer kein einfaches Terrassencafé im Sinn, sondern einen modernen, transparenten Aufbau. Er soll das schwungvolle Dach als Teil des Leitbildes der offenen Entwicklung des gesamten Flughafenareals mit einer leichten und frischen Bauweise erweitern.

"Wir wollen eher etwas Transparentes, am besten etwas Schwebendes, eine neue Ebene für die neue Zeit und einen Flughafen, der sich der Bevölkerung öffnet" sagt Gerhard W. Steindorf. Der Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH hat bereits als ehemaliger Wista-Manager mit der erfolgreichen Entwicklung des Technologieparks in Adlershof seinen Weitblick bewiesen. Man müsse futuristisch denken, alles was jetzt gebaut werde, entstehe für künftige Generationen, sagt Steindorf.

Die Planung der Aussichtsplattform steckt jedoch noch in den Anfängen und bedarf detaillierter Abstimmungen mit den Denkmalschützern. Das knapp 60 Meter tiefe Dach ist "undicht und total marode", wie Gebäudemanager Christoph Schuster sagt. "Es muss erst einmal komplett abgedeckt und neu instand gesetzt werden."

Die Zukunft mitbedenken

Doch künftige Planungen wie die Aussichtsplattform oder die vorgesehene Nutzung der riesigen Fläche für Solarenergie müssen von Anfang an mitbedacht werden, betonen die Entwickler. Sie wollen auch mit einem 700 Meter langen Laufsteg über das Dach neue Wege gehen.

Die Vorbereitungen der Sanierung sind für Anfang 2012 terminiert. Großflächige Arbeiten für den ersten Bauabschnitt einer Fläche von etwa 20.000 Quadratmetern sollen im Anschluss an die nächste "Bread&Butter" im August starten. Was die anderen Planungen wie die der vier Baufelder auf dem Flughafenareal betrifft, macht Steindorf deutlich, dass er vom neuen Senat mehr Tempo erwartet. "Da muss jetzt Gas gegeben werden, denn wir brauchen endlich Baurecht. Bislang treten wir auf der Stelle und haben nichts anderes als Flächenlayouts für die neuen Stadtquartiere", sagt Steindorf. Vom neuen Stadtentwicklungssenator erhofft sich der Projektentwickler "die Stärkung unserer Kompetenz und Verantwortung". Mit dem wohlformulierten Wunsch spielt Steindorf offenbar auf den Alleingang der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bei dem Wettbewerb für die Parkgestaltung an, bei dem die landeseigene Tempelhof Projekt GmbH außen vor geblieben war.

Hinsichtlich der gewünschten Stärkung der Handlungsfähigkeit plädiert Steindorf für eine weniger aufwendige Finanzierung in Form eines sogenannten revolvierenden Fonds. "Wir brauchen die Chance, die Erträge, die wir bislang in Tempelhof erwirtschaften, auch in das Projekt refinanzieren zu können", fordert der Entwickler. Bislang würden alle Erträge aus der Vermietung in den Landeshaushalt fließen. Die Tempelhof Projekt GmbH müsse dann wiederum alle Aufwendungen dort beantragen. "Wenn das Gebäude so kaputt ist, dass es saniert werden muss, dann muss ich doch die Mieten, die ich einnehme, auch dafür verwenden können, das Gebäude zu sanieren", sagt Steindorf.

Die Tempelhof Projekt GmbH

Die Tempelhof Projekt GmbH ist seit dem 1. Januar 2011 verantwortlich für die Gesamtentwicklung des Standortes. Zehn Millionen Euro sind als Netto-Kosten für die Sanierung des gesamten Daches veranschlagt. Für die Sanierung des Gebäudes rechnen die Entwickler mit Ausgaben von etwa 100 Millionen Euro über einen Zeitraum der nächsten 15 Jahre. 9,4 Millionen Euro werden jährlich aus der Vermietung von Teilen des Areals eingenommen. Die Vermietung von etwa 45.000 Quadratmeter im Eventbereich bringt 4,5 Millionen Euro, im Gewerbereich werden 81.000 Quadratmeter für 4,9 Millionen vermietet.

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