Hygiene

Jeder vierte Betrieb fällt bei Kontrollen durch

Die Berliner Bezirke kontrollierten im Jahr 2010 jeden zweiten Lebensmittelbetrieb. Die Ergebnisse ließen allerdings in jedem vierten Fall zu wünschen übrig.

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Das Landeslabor Berlin-Brandenburg hat im vergangenen Jahr rund 17.000 Proben untersucht, um die Sicherheit der Lebensmittel zu testen. Die Beanstandungsquote betrug dabei 13, 7 Prozent.

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Mitarbeiter der Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsämter der Bezirke haben im vergangenen Jahr nahezu jeden zweiten Lebensmittelbetrieb in Berlin kontrolliert. Bei rund jedem vierten Betrieb stellten die Kontrolleure Verstöße fest. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht zur Lebensmittelsicherheit in Berlin hervor. Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt- und Verbraucherschutz und das Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) stellten den Bericht am Donnerstag vor.

Die Kontrolleure kamen 50.061 Mal in rund 25.780 Betriebe. In 6790 Unternehmen stellten sie Verstöße fest. Das entspricht einer Beanstandungsquote von 26 Prozent. 2008 lag sie ebenfalls bei 26 Prozent, 2009 bei 24 Prozent. Am häufigsten wurden Verstöße gegen die allgemeine Betriebshygiene und gegen das Hygienemanagement festgestellt. „Dabei waren die bauliche, die Personal- und Arbeitshygiene sowie die betriebliche Eigenkontrolle, die Dokumentation und die Schulung des Personals zu bemängeln“, heißt es in dem Jahresbericht.

„Betriebe, die mit besonders sensiblen Lebensmitteln wie etwa Hackfleisch, Eis und Fisch umgehen oder die wiederholt beanstandet wurden, wurden öfter kontrolliert“, sagte Maren Fischer, Sprecherin des LLBB. Ihren Angaben zufolge hat das Landeslabor ungefähr 17.000 amtlich entnommene Proben von Lebensmitteln, Wein sowie Gegenständen und Materialien mit Lebensmittelkontakt untersucht. „13,7 Prozent der Proben wurden beanstandet“, sagte Fischer. Die Zahlen seien im Vergleich zu den Vorjahren 2008 (16 Prozent) und 2009 (14,9 Prozent) leicht rückläufig. Den größten Teil der Beanstandungen gab es wegen Kennzeichnungsmängeln und irreführenden Angaben. „Das können nicht angegebene Zusatzstoffe bei Lebensmitteln sein oder die Angabe eines falschen Herkunftslandes“, so die Sprecherin. Beanstandungen aus Qualitätsmängeln gab es überwiegend bei empfindlichen Lebensmitteln wie Fleisch, Fleischerzeugnissen, Speiseeis und Desserts. Am häufigsten wurden mikrobiologische Verunreinigungen – etwa mit Keimen – festgestellt. Fazit der Kontrollen: Bei einer Vielzahl von Unternehmen und deren Beschäftigten liegen mangelnde Kenntnisse der Lebensmittelkunde vor.

Nur in einem vergleichsweise geringen Teil der Fälle waren die Verstöße vorsätzlich. „Um diesen Missständen vorzubeugen, stellen wir uns Beratungen der Lebensmittelunternehmer durch die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsämter, sowie die Erweiterung der Schulungsangebote der Berufsverbände und Innungen vor“, sagte Marie-Luise Dittmar, Sprecherin der Senatsverwaltung.

Die Senatsverwaltung strebt darüber hinaus den Abschluss einer fünfjährigen Vereinbarung mit Innungen und Berufsverbänden zur verbindlichen Durchführung von Schulungen zur Erlangung des Lebensmittelsachkundenachweises an. Dass es grundsätzlich zu wenig Kontrollpersonal gibt, ist bekannt. „So kommt der Verbesserung der Personalausstattung auch in den kommenden Jahren große Bedeutung zu“, heißt es in dem Abschlussbericht. Nach den Fleischskandalen in den vergangenen Jahren wurden immerhin im Bezirk Mitte fünf weitere Mitarbeiter eingestellt, die nur für den Großmarkt an der Beusselstraße zuständig sind.

Prüfer sind Mangelware

Restaurants: In Berlin besteht die Lebensmittelwirtschaft zu mehr als 90 Prozent aus dem Einzelhandel und den Dienstleistungsbetrieben. Dazu gehören Lebensmittelgeschäfte und Gastronomiebetriebe wie Restaurants und Kantinen. Kontrollpflichtig sind auch Vertriebsunternehmen und Transporteure. Weniger als zehn Prozent sind Betriebe, die Lebensmittel erzeugen oder herstellen.

Kontrollen: Die Lebensmittelüberwachung stuft die Betriebe nach Risiko-Kategorien ein. Danach wird der Kontrollrhythmus bestimmt. Als prekär bezeichnen Beamtenbund und Tarifunion die Personalsituation in der Lebensmittelkontrolle in Deutschland. Auf 1000 Betriebe kommt ein Prüfer.