Nutzungsvorschläge

Airport Tempelhof soll Rotlichtviertel werden

Im Oktober 2008 wurde der Flughafen Tempelhof geschlossen, doch was aus dem riesigen Areal werden soll, ist ungewiss. Nun wurden 80 Vorschläge eingereicht, von denen der Berliner Senat einige eingehend prüfen will. Darunter ist auch die Idee für ein neues Vergnügungsviertel.

Bei der Planung für eine Nachnutzung des Flughafens Tempelhof ist der Senat einen kleinen Schritt weitergekommen. So hat das Interessenbekundungsverfahren, der sogenannte "Call for Ideas", zu dem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung von Ende September bis Anfang Januar im Internet aufgerufen hatte, 61 Projektvorschläge für das Flughafengebäude hervorgebracht.

Für einem Ideenwettbewerb zur Nachnutzung des Flughafens waren 80 Entwürfe eingesendet worden. Davon sollen zwölf Ideen vom Senat eingehender geprüft werden. Zu den Entwürfen, die in die engere Auswahl gekommen sind, gehört auch die Idee eines Rotlichtviertels für das geplante Columbia Quartier. Der "Columbia-Strip" soll das Flugfeld mit den angrenzenden Stadtteilen verbinden.

Entlang des Columbiadamms soll demnach ein "Hollywood-Strip" mit Straßenstrich, Bars und einem Sex-Museum entstehen. Ergänzt wird das Viertel durch eine Chinatown und ein Klein-Venedig mit Pizzerien und Eiscafés. "Dadurch könnte das Viertel zu einem Anziehungspunkt für Nachtschwärmer, Neugierige, Touristen und Künstler werden", heißt es im Entwurf. Das Planer-Team will noch anonym bleiben.

Ein Zwischennutzungskonzept ist geplant

In den nächsten zwei, drei Monaten werde man die Vorschläge mit allen beteiligten Senatsressorts sowie mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) und dem Bund detailliert auswerten und ein Zwischennutzungskonzept entwickeln. Da die Übernahme der Bundesanteile am Flughafen durch das Land Berlin noch nicht geklärt ist, könne man allerdings noch kein verbindliches Vergabeverfahren starten.

Das Konzept der Filmbetriebe Berlin-Brandenburg (FBB), das auch beim "Call for Ideas" eingereicht worden war, nannte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher "passend zu unseren Nutzungsvorstellungen". Die FBB kritisierten allerdings erneut, dass der Senat keinen gesamteinheitlichen Lösungsansatz habe und es keine Zusammenarbeit zwischen den mit Tempelhof befassten Senatsressorts und der landeseigenen BIM gebe.

Ausstellung zu zwölf Vorschlägen

Das FBB-Konzept sieht die Vermarktung und Vermietung des gesamten Flughafengebäudes vor. Die Immobilie soll als Filmproduktionsstandort und als öffentlich zugängliches Eventzentrum genutzt werden. Die FBB werden langsam ungeduldig und befürchten, dass sie nicht wie gewünscht eine Entscheidung im Juni dieses Jahres erwarten können. "Wir brauchen ein ,Go' oder ein ,No Go'. Schließlich kostet uns die Planung Geld", sagte FBB-Geschäftsführer Carl Woebken Morgenpost Online.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte in Tempelhof, dass der Senat bei der Nachnutzung des Flughafens weit über jetzige Generationen hinaus denke. "Es wäre illusionär zu denken, man bräuchte nur auf den Knopf zu drücken und nach fünf Jahren sei das Gebäude entwickelt", sagte Wowereit. Die Idee von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, das Areal mithilfe einer Internationalen Bau- und Gartenbauausstellung zu entwickeln, nannte Wowereit hervorragend. Auch begrüßte er ausdrücklich, dass das Alliiertenmuseum bereits Pläne für einen Umzug von Dahlem nach Tempelhof erarbeite.

An dem Ideenwettbewerb hatten sich 80 Architekturbüros und Stadtplaner beteiligt. Zwölf Beiträge gehen jetzt in eine Endausscheidung Mitte Mai.

Die Entwürfe sind von Dienstag (20. Januar) bis einschließlich Donnerstag (22. Januar) in der Zeit von 10 bis 18 Uhr in der Haupthalle des Flughafens Tempelhof zu sehen.

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